Mütterhilfe
Die etwas anderen Feuerwehrübungen der Mütterhilfe Solothurn

Wenn Familien unvermittelt in finanzielle Not geraten, hilft die Kantonale Mütterhilfe mit Rat und Tat weiter. Mit einem Biberli-Verkauf werden die finanziellen Mittel beschafft.

Agnes Portmann-Leupi
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Ruth Karli, Präsidentin der Kantonalen Mütterhilfe.jpg

Ruth Karli, Präsidentin der Kantonalen Mütterhilfe.jpg

Hanspeter Bärtschi

Kaufen Sie auch ein Biberli?» Vielleicht verleitete diese Frage auch Sie vor dem Muttertag zum Kauf des süssen Gebäcks mit dem gelben Kleber «Mütterhilfe». Der Biberli-Verkauf ist seit 30 Jahren für die Kantonale Mütterhilfe Solothurn die wichtigste Einnahmequelle. Der Grundsatz der seit 1939 bestehenden Organisation ist eine rasche, diskrete und umfassende Hilfeleistung, teilweise in Verbindung mit andern Institutionen. Unterstützt werden Mütter und Väter bis zum AHV-Alter, die im Kanton Solothurn wohnen. Die entsprechenden Gesuche stellen die Betroffenen selber oder aber Sozialämter, Ärzte, Beratungsstellen, Pfarrämter, Frauenvereine, Drittpersonen.

«Eigentlich funktionieren wir wie die Feuerwehr», sagt Präsidentin Ruth Karli. Die Mütterhilfe leiste keine Schuldensanierung, sondern unterstütze Personen, die durch Unvorhergesehenes in Not geraten sind. Beispiele kennt Ruth Karli zuhauf. Da ist die vierköpfige Familie mit niedrigem Einkommen, die eh schon knapp über die Runde kommt. «Die Mutter musste notfallmässig zum Zahnarzt. Diese Auslage hatte hinten und vorne nicht Platz im Budget», berichtet die Präsidentin. Meistens seien es die Mütter, die bei finanziellen Engpässen ihre Bedürfnisse zurücksteckten.

Unternehmenslustige Schulen als Belastung

Sie erzählt weiter von der Mutter, deren Krebserkrankung und die Kosten für die Hauspflege die Familie aus der Bahn brachte. Oder von der 17-jährigen jungen Frau. «Sie wurde ungewollt schwanger und benötigte einen Vaterschaftsnachweis sowie die nötigste Babyausstattung. Damit sie ihre Lehre beenden konnte, bezahlten wir ihr für ein halbes Jahr eine Betreuung für ihr Kind.» Meistens pendle sich in solchen Fällen der Hütedienst später mit Familienangehörigen oder Freundinnen ein.

Die finanzielle Mütterhilfe umfasst neben ärztlichen Behandlungen ebenfalls Zahlungen an Kur- und Erholungsaufenthalte. Entrichtet werden auch Beiträge an Schulreisen, Lagerkosten oder Kleider – von Börsen – für Kinder. «Für Familien bedeuten unternehmungslustige Schulen oft eine Riesenbelastung», sagt Ruth Karli. Die Hilfeleistungen gehen von Verhütungsmitteln – in erster Linie Spiralen –, über dringenden Fahrradkauf für den Sohn in der Lehre, bis hin zur Übersetzung eines fremdsprachigen Zeugnisses. Als «Hilfe zur Selbsthilfe» finanziert die Institution auch Kurse für Wiedereinsteigerinnen. So etwa Kurse des Roten Kreuzes, damit eine Arbeit in einem Pflegeheim möglich wird.

Hilfe zeigt Wirkung

Pro Jahr können in Not Geratene nur einmal ein Gesuch stellen. Die jeweiligen Beträge belaufen sich meistens auf 1000 bis 2000 Franken. Ausbezahlt wird Geld nur gegen Vorweisung der Quittungen, oder aber die Rechnungen werden direkt beglichen. «Es sieht vielleicht nach einem Tropfen auf den heissen Stein aus», bemerkt Ruth Karli. Und doch zeige die Hilfe ihre Wirkung. Gerade, weil sich Personen in Notsituationen oft ganz alleine fühlten, gebe ihnen dies Mut zum Weitergehen.

Die Organisation der «Feuerwehrübungen» unterliegt einem Vorstand von zehn Frauen, die im Leberberg, im Wasseramt, im Bucheggberg und im Raum Olten wohnen. «Alle arbeiten unentgeltlich, wir funktionieren ohne Büroapparat», betont Ruth Karli. Ihr jährlicher Lohn sei ein gemeinsames, gutes Abendessen. «Gerne hätten wir Mithelfende aus Grenchen, dem Thal und dem Schwarzbubenland», wirbt die Präsidentin. Die Arbeit sei sehr lehrreich, manchmal auch belastend. Sie lehre einen aber, dankbar für die eigene gute Situation zu sein. Lohn und Motivation für die Arbeit bedeuteten zudem Dankesworte von unterstützten Personen.

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