«Wer gestaltet die Energiezukunft?», fragte man sich am Dienstag an der Podiumsveranstaltung, die von der Fachstelle energie-cluster.ch zusammen mit der kantonalen Energiefachstelle organisiert wurde. Den gegen 70 Besuchern im Alten Spital Solothurn wurde klar, dass die vielen kleinen innovativen Unternehmen als Nischenplayer eine grosse Rolle bei der Energiewende spielen.

«Die «Energiestrategie 2050» stösst bei der Bevölkerung auf grosse Akzeptanz, 48 Prozent befürworten gar eine schnellere Energiewende», hielt Bettina Furrer von der ZHAW School of Engineering Winterthur fest und beleuchtete das Thema aus der Forschungsperspektive. Doch werde klar, dass die Einstellung der Energienutzer alleine keine Verhaltensveränderung bewirke.

Die Kostenfrage spiele eine grössere Rolle als das Energiesparen an sich. Bei der Transformation zum Energiesparen müssten deshalb die Rahmenbedingungen gegeben sein wie bestimmte Energiepreise oder der Grad des Treibhauseffekts, so Furrer. Auf der Ebene der «Nischen» befänden sich unzählige Akteure wie innovative Unternehmen, die sehr oft Transformationen anstossen würden. «Irgendwann ist so eine Nischenbewegung stark genug, sodass sie das geltende Regime unter Druck setzt.»

Ein Transformationsprozess

Gemäss Furrers Forschungen könnten «intelligente Häuser» (smart buildings) mit Steuereinheit, die sich etwa nach Sensoren richtet und Storen automatisch öffnet und schliesst, «den Energieverbrauch nicht wesentlich senken». Denn das Verhalten des Einzelnen falle immer noch stark ins Gewicht. «Es braucht Wege, bei denen man das Verhalten des Nutzers nicht gerade steuern kann, aber doch in einen vernünftigen Dialog treten kann mit dem Benutzer.»

Die Energiezukunft ist laut Furrer ein gesamtheitlicher Transformationsprozess. Er «vollzieht sich nicht als radikaler Bruch, sondern ist Ergebnis eines längeren Such- und Neustrukturierungsprozesses.» Voraussetzung seien Nischeninnovationen, aber auch fördernde Rahmenbedingungen.

Mit Felix Hug und Thomas Jäggi referierten gleich zwei solche Nischeninnovatoren. Felix Hug von der Meyer Burger AG Thun gab Einblick in deren Produkte, die Hybridmodule. Ein Problem bei Wärmepumpen seien die kältesten Tage. «Am kältesten Tag haben wir doppelt so viel Leistung im COP-Faktor wie eine konventionelle Wärmepumpe. Wir haben das effizientere System.» Der Hybridkollektor leiste thermische Regeneration. Die Sommerwärme könne für den Winter in Erdwärmesonden gespeichert werden.

Wichtiges Energiemanagement

Der ebenso erfolgreiche Nischenplayer Thomas Jäggi, Gründer und Geschäftsführer der ESS Jäggi Bigler AG in Etziken, stellte fest, der Transformationsprozess schreite rasant voran. «Ob die Energiewende kommt oder nicht, ist keine Frage, denn sie ist bereits in vollem Gange.» Es bestünden aber politische Unsicherheiten, die zu Unsicherheiten bei Investitionen führten. «Das spüren wir vor allem bei Grossanlagen. Von 2008 bis 2014 bauten wir viele, das schwächt sich nun etwas ab.»

2015 seien erstmals in der Geschichte Europas mehr Kapazitäten im Bereich der erneuerbaren Energie geschaffen worden als in der fossilen und nuklearen Energie. «Wir gehen davon aus, dass es im Solarbau einen weiteren Aufschwung geben wird, wenn 2018 die politischen Rahmenbedingungen definiert sein werden.»

Herausforderungen und Trends sieht Jäggi folgende: «Während früher der Bedarf die Produktion gesteuert hat, müssen wir uns in Zukunft mehr mit stochastischen (vom Zufall abhängigen) Energiequellen befassen und zunehmend den Bedarf steuern.» Dazu brauche es ein Energiemanagementsystem. Eine andere Tendenz sei, dass die selber hergestellte Energie zunehmend zum eigenen Verbrauch verwendet werde. Speichersysteme seien ein weiterer Trend. Die Wirtschaftlichkeit ist laut Jäggi «die Gretchenfrage». Es hänge mit dem Eigenverbrauchsgrad und dem Standort zusammen, da die Energiepreise regional unterschiedlich seien.

Umfassende Dienstleister gefragt

Auch Martin Bucher von der Bernischen Kraftwerke AG (BKW) brachte die Herausforderungen auf den Punkt: «Für uns ist es eine handfeste Überlebensstrategie, wie wir ein klassisches Unternehmen, das hundert Jahre lang das gleiche Geschäftsmodell gepflegt hat, aufgrund veränderter Rahmenbedingungen in die Zukunft führen.»

Der extreme Preiszerfall der Energie habe die Energieversorger dazu gezwungen, vom reinen Stromproduzenten zum umfassenden Energie- und Dienstleistungsunternehmen zu werden. Beratung, Haustechnik, Finanzierung, Betriebsunterhalt von Anlagen gehörten nun zu ihren Aufgaben. «Unsere Strategie ist die Vergrösserung der Vielfalt sowie die räumliche Ausdehnung.» Zusammenarbeit mit und Aufkauf von Unternehmen etwa im Bereich Haustechnik gehörten hierzu. «Wir sind auf die KMU angewiesen, weil sie agiler und innovativer sind.»

Der Bauer als Energieproduzent

Peter Brügger, Sekretär des Solothurnischen Bauernverbandes, zeigte auf, wie Landwirte als Energieproduzenten tätig sein können. «Der Bauer ist der älteste Energieproduzent.» So habe er Öl für Licht produziert und Pferde für Transporte bereitgestellt. «Das ist noch gar nicht lange her. Kann er das in Zukunft wieder tun?» Brügger zählte einige Möglichkeiten mit Vor- und Nachteilen auf.

Biogasanlagen seien teuer und setzten ein Know-how des Bauern voraus. Es bräuchte einen hohen Tierbestand und die Abwärme sei nicht verwertbar. Photovoltaik auf den Dächern sei hingegen mit wenigen wirtschaftlichen Risiken und Know-how verbunden. Heimatschutzauflagen erschwerten sie jedoch. Direkt auf den Feldern sei sie «ganz klar kein Thema», auch da dies allgemein ethisch nicht akzeptiert würde. Ebenso der Anbau von Energiepflanzen. Gute Chancen für Wärmeversorgung im Quartier sieht Brügger darin, dass der Bauer einen Wärmeverbund betreibt, zumal er oft selber Wald besitze.