HESO-Arena 2014

Die Energiewende im Kreuzverhör von Experten und Unternehmer

«Arena» im Solothurner Uferbau. Im inneren Kreis (v.l.): «Weltwoche»-Redaktor Alex Baur, der Solothurner Handelskammer-Direktor Daniel Probst, Moderator Urs Wiedmer (SRF), Daniel Büchel (Vizedirektor des Bundesamtes für Energie) und Nick Beglinger (Präsident von Swisscleantech)

«Arena» im Solothurner Uferbau. Im inneren Kreis (v.l.): «Weltwoche»-Redaktor Alex Baur, der Solothurner Handelskammer-Direktor Daniel Probst, Moderator Urs Wiedmer (SRF), Daniel Büchel (Vizedirektor des Bundesamtes für Energie) und Nick Beglinger (Präsident von Swisscleantech)

Die Neue Energie Solothurn und die Lokale Agenda 21 Kanton Solothurn luden zur Diskussion über die Energiewende. Vertreter aus Politik und Wirtschaft debattieren über Chance und Risiko.

Wie lassen sich die Pläne des Bundes, aus der Atomkraft auszusteigen, wirtschaftsverträglich umsetzen? Sind Verbote energieintensiver Anlagen statthaft? Und: wie stehts mit Lenkungsabgaben auf Atomstrom oder CO2? Fragen, die auch die hiesigen Unternehmen umtreiben – und hitzige Debatten provozieren. Zum zweiten Mal bereits haben die Unternehmerinitiative Neue Energie Solothurn und die Lokale Agenda 21 Kanton Solothurn anlässlich der HESO eine eigene kleine «Arena»-Diskussion zum Thema organisiert. Verfolgt haben diese im Solothurner Uferbau rund 50 Interessierte.

Als Dompteur der – ausschliesslich männlichen – Wortführer wirkte, ganz stilecht, Urs Wiedmer, ehemaliger Moderator der SRF-«Arena» und jetzt Bundeshausredaktor. Im inneren Kreis lieferten sich vor allem nationale Experten einen Schlagabtausch, Solothurn war vertreten durch Handelskammer-Direktor Daniel Probst. Unternehmer aus dem Kanton beobachteten und kommentierten das Geschehen von der zweiten Reihe aus (siehe Text).

Die Seite der Skeptiker

«Wir brauchen künftig mehr Strom, und da ist es gut, wenn wir von fossilen Energieträgern wegkommen», plädierte selbst «Weltwoche»-Redaktor Alex Baur für eine Versorgung mit möglichst nachhaltiger Energie. Es zeuge aber von «ideologischer Verblendung» zu glauben, dass Wind- und Sonnenergie in einem grösseren Ausmass den stets steigenden Strombedarf decken können. Die Speicherproblematik sei nach wie vor ungelöst. Damit aber führe eben doch kein Weg an der «günstigen» Atomkraft vorbei. Nicht wirklich eingedämmt werden könne der Stromhunger zudem durch die «planwirtschaftlichen» Massnahmen zur Förderung der Energieeffizienz.

Ebenfalls auf der Seite der Skeptiker positionierte sich Handelskammer-Direktor Daniel Probst. Obwohl er daran zweifelt, dass in der Schweiz ein neues AKW gebaut wird, stellte er die Frage in den Raum: «Wie kommen wir mit der Energiewende zum nötigen Strom?» Auch er thematisierte das Problem der – saisonalen – Speicherung erneuerbarer Energieträger wie Sonne und Wind. Für «problematisch» erachtet Probst Vorschriften, um Firmen zu mehr Energieeffizienz anzuhalten. «Wenn es sich rechnet, dann werden die Massnahmen umgesetzt.» Lenkungsabgaben, die nicht in Abstimmung mit dem Ausland erfolgen, werden zudem dazu führen, dass energieintensive Betriebe ins Ausland abwandern.

Die Seite der Befürworter

«Die Atomkraft ist nur deshalb so günstig, weil die Risiken und die Kosten für die Endlagerung nicht in den Preis einfliessen», sagte der Präsident von Swisscleantech, Nick Beglinger. Auch in der Wirtschaft habe sich mittlerweile die Meinung durchgesetzt, dass es technisch machbar ist, den Atomstrom mit anderen Arten der Stromproduktion zu ersetzen. «Mit Smartgrid, der Speicherung erneuerbarer Energien und Effizienzmassnahmen ist die Wende zu schaffen.» Von Vorschriften und Verboten hält auch Beglinger nichts. Umso mehr brauche es jetzt Lenkungsabgaben und auch eine ökologische Steuerreform, welche auf einer Vollkostenrechnung der Energieträger beruht. Dadurch würde dann auch die Subventionierung erneuerbarere Energien unnötig.

Daniel Büchel, Vizedirektor des Bundesamtes für Energie, wehrte sich dagegen, Effizienzförderungsmassnahmen als «planwirtschaftlich» zu bezeichnen. «Viele Firmen wissen oft gar nicht, wie viel Energiekosten sie einsparen könnten.» Hier gelte es, noch besser zu informieren. Und was die immer wieder kritisierte Subventionierung erneuerbarer Energien betrifft, meinte Büchel: «Es gibt heute keinen nicht subventionierten Energieträger, der wirklich rentiert.»

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