Die Fotos, die die Solothurner Kantonspolizei öffentlich machte, als sie im November 2012 eine Indoor-Hanfplantage im Keller eines Biberister Einfamilienhauses aushob, sorgten in der ganzen Schweiz für gewaltige Schlagzeilen. Gestern mussten sich nun drei im Haus lebende Familienmitglieder vor dem Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt wegen bandenmässig begangenen Verbrechen gegen das Betäubungsmittelgesetz verantworten.

Der Vater war zudem wegen Vergehen gegen das Waffengesetz angeklagt, weil sich in seiner riesigen Waffensammlung auch sechs in der Schweiz verbotene Elektroschockgeräte sowie drei sogenannte Schiessstöcke, also als Gebrauchsgegenstände getarnte Feuerwaffen, befanden. Dass in seiner Wohnung eine an sich legale, aber mit zehn Patronen geladene Winchester sorgfaltswidrig herumstand, führte weiter zum Vorwurf der Übertretung des Waffengesetzes.

Geldprobleme als Motivation

Weil die Firma des Sohnes, die der Vater bereits einmal mit seinen Pensionskassengeldern gerettet hatte, vor dem Konkurs stand, seien die drei gemeinsam auf die Idee gekommen, sich mit einer Indoor-Hanfplantage finanziell sanieren zu wollen, hiess es in der Anklageschrift. Die erste Ernte verfaulte allerdings. Die zweite brachte einen minimalen Ertrag, der für 2900 Franken verkauft wurde. Als die dritte Ernte kurz bevorstand, kam die Polizei. Rund 21 Kilogramm Hanf mit einem Schwarzmarktwert von 120 000 Franken wurden beschlagnahmt.

Das mittlerweile pensionierte Ehepaar berief sich bei der Verhandlung auf das Recht, die Aussage zu verweigern. «Ich habe bereits alles gesagt, mehr weiss ich nicht», waren die einzigen Worte der Mutter. Nur der Sohn war gesprächig. «Ich habe bis kurz bevor die Polizei gekommen ist, nichts von der Anlage gewusst», behauptete er. «Ich hatte nicht einmal einen Schlüssel zum Keller. Ich wusste, dass mein Vater dort Schlangen in Terrarien hält, deshalb bin ich nie in den Keller gegangen.»

«Kein Unschuldslamm»

Staatsanwältin Melanie Wasem zeichnete in ihrem Plädoyer ein anderes Bild. «Er, der regelmässige Kiffer, der erfolglose Unternehmer, der die Familie in die finanzielle Notlage gebracht hatte, ist nicht das grosse Unschuldslamm, als das ihn seine Eltern darstellen.» Der Sohn habe als Einziger das nötige Know-how besessen. Die Staatsanwältin forderte für ihn eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten auf Bewährung, für den Vater eine solche von 22 Monaten und für die Mutter 18 Monate.

Rechtsanwalt Alexander Kunz, der Verteidiger des Vaters, forderte dagegen für seinen Mandanten eine Strafe von 180 Tagessätzen à 10 Franken und eine symbolische Busse. Es handle sich lediglich um ein Vergehen gegen das Betäubungsmittelgesetz, eine Qualifikation als bandenmässiges Verbrechen sei übertrieben. «Die Staatsanwaltschaft hat aus einer Mücke einen Elefanten produziert», kritisierte Rechtsanwalt Reto Gasser, der die Mutter verteidigte. Diese sei nur eine Gehilfin gewesen. Er forderte eine bedingt auszusprechende Geldstrafe.

Freispruch für den Sohn

«Die Anklage ist nicht haltbar und stützt sich auf reine Vermutungen», sagte Rechtsanwalt Daniel Gehrig, der den Sohn verteidigte. Die Behauptung, das Know-how stamme vom Sohn, sei falsch. «Bei den Hausdurchsuchungen fand die Polizei bei den Eltern diverse Fachliteratur. Beim Lieferanten der Stecklinge wurde eine Notiz mit Namen und Telefonnummer des Vaters gefunden, nicht vom Sohn.» Zumindest nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» müsse es einen Freispruch geben.

Bei den Eltern folgte das Amtsgericht den Argumenten der Staatsanwaltschaft. «Der Wille war da, gemeinsam mehrfach ein Delikt zu begehen», sagte Gerichtspräsident Ueli Kölliker anlässlich der Urteilsverkündung. «Eine solche Anlage installiert man nicht, um nur einmal zu ernten.» So wurde der Vater zu einer Freiheitsstrafe von 20 Monaten auf Bewährung verurteilt, die Mutter zu einer solchen von 14 Monaten.

Der Sohn kam dagegen mit einer Busse von 300 Franken wegen des Besitzes und Konsums von Marihuana davon. «Es gibt zwar Anhaltspunkte, dass er gewusst haben könnte, was abging, aber es bleiben Zweifel daran bestehen», erklärte der Gerichtspräsident den Freispruch für den Sohn im Hauptanklagepunkt.