Kriminalstatistik

Die Einbrecher schlagen im Kanton Solothurn wieder öfter zu

Zahl der Straftaten so klein wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Zahl der Straftaten so klein wie seit Jahrzehnten nicht mehr

Im Aargau ist der Wert im Jahr 2017 auf einen neuen Tiefstand gesunken. Die Anzahl ist um mehr als ein Viertel zurückgegangen.

Im Kanton Solothurn geschahen 2017 vergleichsweise wenig Straftaten. Die Einbrüche nahmen aber stark zu: Von 1205 auf 1427.

Es waren die Einbrüche, die die Bilanz der Kantonspolizei etwa sgetrübt haben. Gestern präsentierten die Ermittler ihre Kriminalitätsstatistik 2017. Man man darf sagen, dass der Kanton sicher geblieben ist: 17'655 Straftaten registrierte die Polizei, 190 mehr als im Vorjahr – ein tiefer Wert im mehrjährigen Vergleich.

Wären da eben nicht die Einbrüche, die die Bilanz getrübt haben: Ihre Zahl ist im vergangenen Jahr um 18 Prozent gestiegen; von 1205 auf 1427. «Das ist ein erheblicher Anstieg, auch im schweizweiten Vergleich», sagt Urs Bartenschlager. Der Chef der Solothurner Kriminalpolizei präsentierte gestern seine letzte Kriminalitätsstatistik, bevor er im Sommer zum Bund wechselt.

Bartenschlager konnte auch einen Grund für den Anstieg nennen: Im vergangenen Jahr wurde der Kanton gleich von drei grossen Einbruchserien heimgesucht: Eine im Schwarzbubenland, eine im Steingrubenquartier in der Stadt Solothurn und eine im Wasseramt. Abgesehen von den Serien reicht die Zunahme an Einbrüchen denn auch über den ganzen Kanton.

194 Einbrüche aufgeklärt

Dass gleich drei solche Serien in einem Jahr kämen, sei aussergewöhnlich, sagte Bartenschlager gestern. Alleine die Serie im Solothurner Steingrubenquartier habe zu rund 100 zusätzlichen Straftaten in der Statistik geführt – jeder Einbruch zählt in der Regel dreifach: als Hausfriedensbruch, als Diebstahl und als Sachbeschädigung.
Immerhin: Alle drei Serien konnten im Grundsatz aufgeklärt werden. «Die Ermittlungen sind aber noch im Gange», sagt Bartenschlager, «weshalb sich diese Fälle noch nicht in der Aufklärungsquote niederschlagen». Insgesamt – und ohne diese Fälle – hat die Polizei 194 der 1427 Einbrüche im vergangenen Jahr gelöst. Hinzu kommen noch 29 ältere Fälle, in denen die Täter dingfest gemacht werden konnten. Über alle Straftaten gesehen werden 39 Prozent der Delikte im Kanton aufgeklärt.

An Einbruchsorten wird, wenn möglich – und inzwischen konsequenter – DNA genommen. «Es ist einer der Hauptgründe, um Einbrüche aufzuklären und auch um Delikte später Personen zuordnen zu können», sagt Thomas Zuber, Kommandant der Kantonspolizei.
Die starke Zunahme bei den Einbrüchen muss in einem Punkt relativiert werden: Sie erfolgt auf der rekordtiefen Einbruchsquote aus dem Jahr 2016. 2017 ist noch immer die zweittiefste Einbruchsquote seit Beginn der Zählung 1992. Der Kampf gegen Einbrüche bleibe denn auch ein Schwerpunktthema, sagt Kommandant Zuber. «Wir haben den Anspruch, tiefer zu kommen.»

Die Gründe für die Zunahme kann die Kantonspolizei nicht genau nennen. Sie spricht von «verschiedenen, teilweise nicht beeinflussbaren Faktoren».

 Aufwand neben Kerngeschäft ist viel grösser geworden

Insgesamt spricht die Polizei von einem grossen Aufwand. Urs Bartenschlager weist darauf hin, dass hinter jedem Delikt viel Arbeit seitens der Polizei steckt. Zuerst wird die Meldung aufgenommen, dann muss die Patrouille ausrücken, den Tatbestand aufnehmen, Spuren sichern lassen, Personen müssen befragt und Rapporte geschrieben werden. Nicht gerade erleichtert hat die neue Strafprozessordnung die Arbeit der Polizei.

Die Rechte der Beschuldigten sind ausgebaut worden, die Teilnahmerechte, etwa an Befragungen, erhöhen den Arbeitsaufwand. Die Polizei spricht von einem «erheblichen Ermittlungsmehraufwand». Und auch die Staatsanwaltschaft gibt der Polizei mehr Arbeit: Zwischen 2013 und 2017 hat die Zahl an Aufträgen in Ermittlungsverfahren um 92 Prozent zugenommen. Das hängt auch mit der neuen Strafprozessordnung zusammen - und mit Beweisanforderungen vor Gerichten. Würde beispielsweise ein Täter wegen eines Verfahrensfehlers freigesprochen, führe dies bei der Staatsanwaltschaft zu einer verstärkten Absicherung im Verfahren und zu Mehrarbeit für die Polizei, so Zuber.

Daneben nehmen noch weitere Aufgaben der Polizei Zeit weg – Aufgaben, die zwar nicht zum innersten Kerngeschäft der Polizeiarbeit gehören, die laut Kapo-Kommandant Thomas Zuber aber «zu erfüllen» sind. So hat die Zahl der Zustellungsaufträge, die die Polizei etwa für Betreibungsämter ausführt, seit 2013 um 28 Prozent zugenommen. Gar um 68 Prozent zugenommen haben seit 2013 die Aufträge von Ämtern, Personen, die nicht freiwillig erscheinen wollen, vorzuführen.

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