Volksschule
Die Debatte um Klassenlehrer-Entlastung

Sozialpartner beantragen bei der Regierung eine Pensenreduktion von einer Lektion pro Woche. Das Geschäft ist unterwegs, just zu einem Zeitpunkt, wo der Spardruck des Kantons riesig ist.

Elisabeth Seifert
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Eine junge Lehrerin an der Primarschule.

Eine junge Lehrerin an der Primarschule.

AZ

Seit einiger Zeit bereits ist das Geschäft unterwegs. Jetzt kommt es in seine heisse Phase, just zu einem Zeitpunkt, wo der Spardruck aufseiten des Kantons und Gemeinden so gross ist, wie schon längere Zeit nicht mehr.

Sehr wahrscheinlich nächste Woche wird die Gesamtarbeitsvertrags-Kommission (GAVKO) dem Regierungsrat beantragen, die Klassenlehrpersonen auf allen Stufen der Volksschule aufgrund ihrer zusätzlichen Aufgaben um eine Pflichtlektion pro Woche zu entlasten. Kostenpunkt: sieben Millionen Franken pro Jahr.

Zudem soll nach dem Willen der GAVKO auch das Pflichtpensum der Klassenlehrpersonen in der Mittelschule und an den Berufsschulen reduziert werden, wenn auch in einem weit geringeren Ausmass. Kostenpunkt: Eine Million Franken pro Jahr. Für diese Kosten aufkommen müssen der Kanton und die Gemeinden.

Mit Ausnahme des Verbandes der Solothurner Einwohnergemeinden (VSEG) sind sich die Arbeitgeber und die Arbeitnehmerseite – trotz der Mehrkosten – für einmal erstaunlich einig.

Auf einem anderen Blatt steht freilich geschrieben, wie der Gesamtregierungsrat unter dem gegenwärtigen Sparregime – und mit Rücksicht auf die Gemeinden – entscheidet. Die Pensenreduktion für die Klassenlehrpersonen wird, sofern der Antrag der GAVKO bei der Regierung auf Zustimmung stösst, bereits auf das neue Schuljahr in Kraft treten.

Ein Anliegen des Bildungsdirektors

Die Forderung ist nicht neu, dass den Klassenlehrpersonen die Mehrarbeit, die sie neben dem Unterricht erbringen, in irgendeiner Form abgegolten wird.

Im September 2010 hat dann der Verband der Lehrerinnen und Lehrer Solothurn (LSO) bei der GAVKO einen konkreten Antrag eingereicht und forderte die Reduktion um zwei Pflichtlektionen auf der Primarstufe und der Sekundarstufe I.

Am kantonalen Lehrertag im vergangenen September sprach sie Bildungsdirektor Klaus Fischer – nicht zum ersten Mal – grundsätzlich für das Anliegen aus.

In der GAVKO einigte man sich schliesslich auf eine Reduktion um eine Pflichtlektion pro Woche in der Volksschule und auch auf eine gewisse Entlastung der Klassenlehrer auf der Sekundarstufe II.

Die GAVKO weiss sich in Übereinstimmung mit etwa der Hälfte der Deutschschweizer Kantone, die ähnliche Entlastungs-Regelungen beschlossen bzw. eingeführt haben.

Mussten Klassenlehrer schon immer einen Zusatzaufwand leisten, steige dieser jetzt durch diverse Reformen stark an, betont Roland Mistel, Geschäftsführer des LSO.

Adrian van der Floe, Präsident des Verbandes der Solothurner Schulleiterinnen und Schulleiter (SO-VSL), moniert vor diesem Hintergrund die «stossende Ungerechtigkeit» zwischen Klassenlehrern und Fachlehrpersonen.

«Obwohl Klassenlehrer mehr arbeiten, haben sie am Ende des Monats nicht mehr Lohn.» Eine Ungerechtigkeit, die durch die Fachlehrpersonen für den Frühfremdsprachenunterricht auch in der Primarschule Einzug halte, so van der Floe.

Gemäss Kuno Tschumi, Präsident des VSEG, liegt «das Hauptproblem» beim Bildungsdepartement. «Die Schule wird immer mehr mit kompliziert ausgestalteten Reformen belastet.»

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