Das Sommerhaus de Vigier mit seinen vier Ecktürmen und dem ummauerten südseitigen Garten wurde 1648 bis 1650 durch Philipp Wallier-von Schauenstein erbaut. Doch noch älter ist das nordseitig den Hof begrenzende Gebäude, in dem heute die De-Vigier-Stiftsverwaltung ihren Sitz hat. Es wurde durch Johann Jakob vom Staal d. J. 1617 erworben und 1628 zu seinem Sommersitz ausgebaut. Dieser verkaufte 1644 das Gebäude an seinen Bruder Mauritz vom Staal, der es schon vier Jahre später an den oben genannten Philipp Wallier weiterverkaufte. Wallier funktionierte dann das Vom-Staal-Gebäude in ein Ökonomiegebäude um und baute den grosszügigeren Sommersitz davor.

Diese und noch viel mehr Informationen über das älteste Türmlihaus im Kanton Solothurn ist dem soeben erschienenen schweizerischen Kunstführer «Das Sommerhaus Vigier in Solothurn» zu entnehmen. Verfasst wurde das gut 50-seitige Bändchen von Benno Schubiger, langjähriger Kunstdenkmäler-Inventarisator des Kantons Solothurn und später Präsident der Gesellschaft für schweizerische Kunstgeschichte. Am Dienstagabend wurde der neue Führer in Buchform im unterirdischen Vortragssaal unter dem Hof des Anwesens, der 1992/93 gebaut wurde, feierlich der Öffentlichkeit übergeben.

475 Jahre de Vigier in Solothurn

Interessant waren die Ausführungen zur Familie de Vigier von Staatsarchivar Andreas Fankhauser unter dem Titel «475 Jahre de Vigier in Solothurn – Diplomaten, Unternehmer, Politiker» vor dem zahlreich erschienenen Publikum. Einige seiner Ausführungen finden sich auch im Kunstführer wieder. Der Ahnvater der Familie, Jacques Vigier, kam 1543 nach Solothurn und arbeitete als Secrétaire interprète. Heute würde man ihn als Simultandolmetscher für den französischen Ambassador bezeichnen.

Erst 1822 gelangte das Sommerhaus durch eine der zahlreichen Erbschaften an Urs Viktor von Vigier von Steinbrugg (1788–1845) in den endgültigen Besitz der Vigier-Familie.

Der Autor des Kunstführers, Benno Schubiger, berichtete von seiner Arbeit. Es gelang ihm insbesondere, den künstlerischen Schmuck des Hauses genauer zu analysieren. Zusammen mit der Restauratorin Brigitta Berndt konnte er nachweisen, dass mehrere besonders gelungene Supraportenbilder (Bilder oberhalb von Türrahmen), auf welchen Fantasielandschaften zu sehen sind, vom bedeutenden Landschaftsmaler Caspar Wolf stammen. Auch wurde die Herkunft der Motive, die auf Wandmalereien das Gartenzimmer schmücken, genauer nachverfolgt. Zurückhaltend restauriert und beschrieben wurde die textile Wandbespannung des sogenannten Alkovenzimmers aus dem Jahr 1777/80. Schubiger erklärte, dass die Restaurationen auch filmisch und fotografisch begleitet wurden.

Als Gast und Vertreter der Solothurner Regierung war auch Staatsschreiber Andreas Eng anwesend. Er sorgte bei der Familie de Vigier für eine Überraschung, indem er eine seit langem vermisste Kaminplatte mit dem Familienwappen der de Vigier überreichte. «Vor rund zwanzig Jahren wurde diese Platte im Schloss Waldegg entdeckt und wanderte danach ins Depot der Denkmalpflege. Jetzt soll sie als Dauerleihgabe des Kantons an ihren Stammsitz kommen», so Eng. Moderiert wurde der Abend von Raoul Stampfli, Präsident der Bill-de-Vigier-Stiftung.

Dieser Kunstführer sei der achte, der sich mit Solothurn und seinen Kunstdenkmälern befasst, meinte auch Stadtpräsident Kurt Fluri, der Dankesworte an die Vigier-Familie richtete. Er erinnerte daran, dass auch Kunstdenkmäler und deren Bewertung dem Wandel der Zeit unterworfen seien. «Umso wichtiger ist ein solcher Kunstführer, der Verständnis und Einordnung bieten kann.»