Bürgschaften
Die Covid-Kreditgesuche von Solothurner KMU gehen in die Tausenden

Unzählige Klein- und Mittelbetriebe sind durch die Coronakrise in wirtschaftliche Schieflage geraten: Beim Rettungsprogramm des Bundes spielt für den Kanton Solothurn die Bürgschaftsgenossenschaft Mitte eine wichtige Rolle: Sie steht einer Gesuchs-Lawine gegenüber.

Urs Mathys
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Auch von der Coronakrise betroffene Restaurateure zählen zu den Kunden der BG Mitte.

Auch von der Coronakrise betroffene Restaurateure zählen zu den Kunden der BG Mitte.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Fast schien es, als hätte die Tiefzinssituation auf dem Kapitalmarkt in letzter Zeit die Bürgschaftsgenossenschaften für Schweizer KMU überflüssig gemacht – oder doch zumindest marginalisiert. Entsprechend ging bei der Bürgschaftsgenossenschaft Mitte, zu der unter anderen auch der Kanton Solothurn gehört, im letzten Jahr die Zahl der Bürgschaftsgesuche auf deren 91 zurück.
Doch dann veränderte das Coronavirus auch in diesem Sektor plötzlich alles: «Das Interesse für Bürgschaftsübernahmen explodierte förmlich. Es gingen innert Tagen so viele Anfragen ein wie sonst während eines ganzen Jahres», bestätigt Markus Grütter. Der Biberister Unternehmer ist Verwaltungsratspräsident der Bürgschaftsgenossenschaft Mitte (BG Mitte).
Der behördlich angeordnete Stillstand habe Klein- und Mittelbetriebe der verschiedensten Branchen auf einen Schlag in existenzielle Nöte gebracht. Genau die angestammte Klientel der BG Mitte, zu denen Coiffeursalon, Blumengeschäfte, Garagen, Gärtnereien, Start-ups und Restaurants zählen.

Bund baut auf bestehenden Strukturen auf

Tatsächlich baut das Staatssekretariat für Wirtschaft, Seco, bei der wirtschaftlichen Krisenbewältigung mit seinem Hilfsprogramm auf Strukturen und Know-how der angestammten, regional organisierten Bürgschaftsgenossenschaften auf: Diese wurden kurzerhand zur sofort einsetzbaren Drehscheibe für die Covid-Kreditgesuche erklärt. «Wir sind mit vollem Einsatz in das Kreditprogramm des Bundes und in die Rettung der KMU involviert», schildert Valentin Werlen die Situation. Der Direktor der in Burgdorf domizilierten BG Mitte zeigt sich «stolz, unseren Beitrag zu leisten».

Konkrete Angaben zu Anzahl und Umfang der bei der BG Mitte eingegangenen Covid-Kreditgesuche darf Werlen nicht nennen. Aber: «Wir sprechen hier nicht von Dutzenden, sondern von vielen Tausenden». Eine Angabe, die angesichts der gesamtschweizerisch 101302 genehmigten Gesuche nicht überraschen kann. Wie beim Seco zu erfahren ist, beträgt der geschätzte durchschnittliche Bürgschaftsbetrag 158000 Franken – das so abgesicherte Kreditvolumen rund 16 Milliarden Franken.

Die allein bei der BG Mitte eingetroffene Flut von Covid-Gesuchen, die geprüft und administrativ bewältigt werden wollen, konnte mit dem bestehenden Personalbestand nicht geschafft werden. Laut Werlen ist der Stellenetat um 2,80 Stellenprozent angehoben worden.

Stellt sich die Frage, ob bei diesem Gesuchsansturm die BG Mitte nicht auch finanziell an Grenzen zu stossen droht? Valentin Werlen winkt ab: «Für die Covid-Kredite bis 500 000 Franken übernimmt der Bund eine Rückversicherung von 100 Prozent. Bei den sogenannten Covid- Plus-Krediten sind es 85 Prozent, die Banken gewähren hier 15 Prozent im Eigenrisiko.» Das bedeute, so Werlen, «dass die Eigenhaftung der Genossenschaft nicht tangiert und unsere Eigenmittel somit nicht relevant sind.»

Ein über Jahre bewährtes Förderinstrument

Das KMU-Bürgschaftswesen ist in der Schweiz seit 2007 in vier Regionen organisiert. Zusammen mit Bern, Jura, beiden Basel, Luzern, Ob- und Nidwalden bildet der Kanton Solothurn die Bürgschaftsgenossenschaft Mitte, mit Sitz in Burgdorf. Die BG Mitte hat mit den Standortkantonen und dem Bund Leistungsvereinbarungen abgeschlossen und erhält Geld für die KMU-Förderung. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) zahlt Verwaltungskostenbeiträge von jährlich rund 600 000 Franken, ebenso leisten die Kantone Beiträge – so Solothurn, mit jährlich 60 000 Franken aus dem Budget der Wirtschaftsförderung.

Die Bürgschaftsgenossenschaften kommen zum Zug, wenn Banken von ihren Kreditnehmern zusätzliche Sicherheiten für Kredite (für Betriebsmittel, Investitionen in Maschinen und Liegenschaften) verlangen. Die BG Mitte stellt für die KMU Solidarbürgschaften gegenüber den Banken aus. Kann ein KMU den Verpflichtungen nicht nachkommen, springt die BG Mitte ein und trägt 35 Prozent des Verlustes, der Bund übernimmt den Rest. In den letzten Jahren gingen bei der BG Mitte durchschnittlich 140 Gesuche ein; letztes Jahr waren es nur 91. Ende 2019 wies die BG Mitte 293 Bürgschaften mit Verpflichtungen über 58,1 Millionen Franken aus.