Schnapsbrennerei

Die Brennsaison hat in Schnottwil bei Marcel Suter wieder begonnen

Gebranntes Wasser ist «Brönners» Passion - Der Übername meint Familie Suter, die seit Generationen zu den wenigen zertifizierten Schnapsbrennern im Kanton gehört.

Mit dem Herbst hat für die Landwirte die Obsternte begonnen. Die Früchte werden nicht nur verkauft, sondern auch gebrannt. Landwirt Marcel Suter aus Schnottwil ist einer der wenigen zertifizierten Schnapsbrenner im Kanton Solothurn. Ende September hat er seine Brennanlage wieder in Betrieb genommen.

Es ist 10 Uhr Morgens. Die Sonne scheint über dem Bucheggberg. Heute präsentiert sie sich noch einmal von ihrer besten Seite. Marcel Suter ist schon lange auf den Beinen. Bereits um 8 Uhr hat er mit dem Einfeuern seiner Anlage begonnen. Es dauert zirka zwei Stunden, bis sie bereit ist, um hochprozentige Wässerchen zu brennen. Die fahrbare Anlage steht in einem Schopf auf dem Gelände des Bauernhofs. Auf dem Wagen befinden sich ein Feuerungsofen, in der Mitte zwei Brennhäfen, daneben ein Läuterungsapparat.

An der Seite des Feuerungsofens steht eine mit Holz gefüllte Kiste. In einer anderen Ecke befindet sich ein Schrank, auf dem die fertig gebrannten Spirituosen und Likörs ausgestellt sind. Daneben befinden sich blaue, mit Früchten gefüllte Fässer. Das Obst wurde zuvor gestampft, damit der Zucker in Alkohol vergärt. Die Flüssigkeit, die dabei entsteht, nennt man Maische. Von da stammt auch der Ausdruck «Einmaischen». Suter hat die eingemaischten Kirschen bereits in einen Brennhafen gefüllt. Nach dem ersten Brennvorgang verlässt die Flüssigkeit den Brennhafen und fliesst in den Läuterungsapparat. Dort wird sie ein zweites Mal gebrannt. «Jeder Schnaps durchläuft zwei Brennvorgänge», erklärt Suter. «Erst dann ist er trinkbar.»

Selber probiert er nicht

Zwischendurch legt der erfahrene Schnapsbrenner ein Stück Holz nach. In der Zwischenzeit reinigt der Bauer das Fass, in dem sich die eingemaischten Früchte befanden. Kurze Zeit später fliessen auch schon die ersten Tropfen Alkohol aus dem Hahn, der sich unterhalb der Brennhäfen befindet, in einen Kessel. Er selber probiert das frisch produzierte Getränk nicht. «Wenn ich bei jedem Brennvorgang ein wenig probieren würde, käme das wohl nicht gut raus», meint der Landwirt schmunzelnd. «Ich rieche es, wenn etwas nicht stimmt», ergänzt der zertifizierte Schnapsbrenner. Danach wird der Brennvorgang gestoppt. Der frisch gebrannte Schnaps ist noch nicht ganz rein. Er enthält noch Rückstände von den Früchten und der Maschine. Deswegen gibt Suter die noch etwas unklare Flüssigkeit in einen Filter. Dann wird Wasser dazugegeben. Kurz vor Mittag füllt er den zweiten Brennhafen mit der eingemaischten Masse. Der ganze Ablauf beginnt nun von vorne.

Brennzertifikat als Schulbub

Schon frühere Generationen seiner Familie haben Schnaps gebrannt. Deswegen sind die Suters im Dorf auch unter dem Übernamen «die Brönners» bekannt. 1981 übernahm sein Vater die damals mobile Brennmaschine vom Wegmeister Schnottwils. Marcel Suter besuchte damals die Primarschule. Wie alt die Maschine ist, ist ihm nicht bekannt. Wenn sein Vater brannte und gleichzeitig etwas anderes erledigen musste (zum Beispiel im Stall arbeiten), überwachte sein Sohn den Brennvorgang. Somit wurde der damals schulpflichtige Marcel bereits als Knabe mit der Anlage vertraut. Das eidgenössische Brennzertifikat erwarb er bereits als Schulbub. «Das wäre heute wahrscheinlich nicht mehr möglich», meint der 45-jährige. Bis heute hat der Schnottwiler die Familientradition weiter geführt.

Wissenschaft Schnaps brennen

«Die Qualität der Früchte ist entscheidend für einen guten Brand», erklärt Suter. Am besten geeignet sei saftiges, frisches Obst. Es dürfe aber keine faulen Früchte enthalten. Die Schnapsbrennerei ist offenbar nicht nur eine Präzisionsarbeit, sondern auch eine Wissenschaft. So läuft der ganze Vorgang vom Einmaischen bis zum Abfüllen nicht bei jeder Fruchtsorte genau gleich ab. Die Steinfrüchte lagert Suter nicht länger als acht Wochen in den Fässern. Sonst würden diese uretanhaltige Blausäure bilden, die krebserregend ist. Das zuverlässige Buchführen darf während dem Brennvorgang nicht in Vergessenheit geraten. Er vermerkt darin das Eingangsgewicht, das gebrannte Gewicht, die Menge der Ausbeute und die Qualität der Früchte. Bei manchen Früchten ist eine spezielle Behandlung nötig. Die Kartoffeln muss er beispielsweise kochen vor dem Einmaischen, damit die Kartoffelstärke austritt. Beim Brand des Steinobstes muss er 50 Prozent trennen, da sonst der Uretangehalt zu hoch ist. «Man muss schon wissen, was man macht», erklärt Suter. «Das kann man nicht einfach so lernen.»

Ab Ende September brennt er jeweils am Freitag, gegen Winter auch öfters unter der Woche. Die Schnapsbrennersaison beginnt mit den Kirschen. Vor Weihnachten sind dann Zwetschgen und Pflaumenbrand an der Reihe. Im Januar folgen die Birnen und im Frühling die Äpfel. Auch Eigenkreationen produziert er wie der Vieille Williams oder «Suter’s alter Kirsch» mit Fruchtanteil. Den Brennvorgang lässt er auch über den Mittag nicht aus den Augen. Eine Mikrowelle steht im Schopf, damit er den Vorgang auch während des Mittagessens überwachen kann. Die Früchte, die Suter brennt, stammen hauptsächlich aus der Region. Viele Bauern bringen ihm das Obst vorbei.

Meistgesehen

Artboard 1