Corona-Impfung
Die Bevölkerung verdient in Zukunft mehr Respekt

Analyse zum Impfstart im Kanton Solothurn – und zu anderen Herausforderungen.

Rebekka Balzarini
Rebekka Balzarini
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Wer sich impfen lassen möchte, brauchte je nach dem lange, bis ein Termin stand.

Wer sich impfen lassen möchte, brauchte je nach dem lange, bis ein Termin stand.

Hanspeter Bärtschi

Das neue Coronajahr hat gerade erst angefangen, und doch ist schon so viel passiert, dass man kaum noch den Überblick behalten kann. Es ist, als wären wir im neuen Jahr im Corona-Level-II angekommen: Das Virus ist nun mutiert, die Fallzahlen stagnieren trotz Massnahmen auf hohem Niveau, und zusätzlich muss noch Impfstoff verteilt werden.

Im Kanton Solothurn ist die Bilanz nach der vergangenen Woche eine durchzogene. Positiv ist, dass das Impfen in den Alters- und Pflegeheimen und im ersten kantonalen Impfzentrum in der Reithalle in Solothurn gut funktioniert. In Solothurn konnten bereits am ersten Tag mehr als doppelt so viele Personen wiegeplant geimpft werden. An der Medienkonferenz vor der Eröffnung des Impfzentrums hatten die Verantwortlichen davon gesprochen, hier maximal 50 Personen pro Tag impfen zu wollen. Schliesslich waren es allein am Montag 140 Personen, die eine erste Impfdosis erhalten haben. Dass die Impferei in der Reithalle so gut klappt, ist dem Zivilschutz und dem Kantonsärztlichen Dienst zu verdanken. In der Vergangenheit hat man den Ernstfall regelmässig geprobt, zuletzt im Jahr 2018 in Olten.

Weniger gut geklappt hat es mit dem Anmelden, um überhaupt einen Termin im Impfzentrum zu erhalten. Die Infoline, über die sich die Impfberechtigten anmelden konnten, klappte schon in den ersten Minuten zusammen. Viele versuchten stundenlang, einen Termin zu vereinbaren. Am Dienstag war das Netz sogar so überlastet, dass die Telefone in der ganzen Verwaltung zeitweise nicht mehr funktionierten. Am Mittwoch wurde die Infoline deshalb für einen Tag vom Netz genommen und das System überarbeitet, damit der Ansturm künftig besser bewältigt werden kann.

Man muss sich sicher vor Augen halten, dass die Verantwortlichen im Kanton viel leisten, um diese Pandemie zu bewältigen. Da wurden zweifellos viele Überstunden geschoben, und so mancher freier Tag geopfert. Aber auch die Bevölkerung leistet in dieser Zeit viel. Ein grosser Teil nimmt die Schutzmassnahmen ernst. Seit Wochen, ja Monaten, bleiben viele daheim, und verzichten auf die Dinge, die ihnen im Leben sonst viel Freude machen. Ganz zu schweigen von dem regionalen Gewerbe, etwa den Gastronominnen und Gastronomen, die im vergangenen Jahr ihre Bars, Restaurants und Cafés schliessen mussten, und die ihre Lokale nun vielleicht sogar bis Ende Februar nicht wieder öffnen dürfen.

Entsprechend gross war der Frust in der Bevölkerung, als es mit der Anmeldung für einen Impftermin aus technischen Gründen nicht klappte. Noch nie in dieser Pandemie sind in der Redaktion so viele Leserbriefe und Nachrichten von Menschen angekommen, denen das Verständnis für das Vorgehen der Behörden fehlt. Nicht als die Maskenpflicht eingeführt wurde, mit der sich viele erst anfreunden mussten. Auch nicht, als die Restaurants ein zweites Mal schliessen mussten. Nie. Die Rückmeldungen waren wütend, weil das Anmeldesystem der Belastung nicht standhielt. Aber auch viele enttäuschte Nachrichten waren darunter, einige davon gar richtig verzweifelt, weil es nicht gelang, einen Termin zu vereinbaren.

Vor diesem Hintergrund wirkte es etwas gar lässig, als die Gesundheitsdirektorin Susanne Schaffner am Montag sagte, man habe damit gerechnet, dass das telefonische Anmeldesystem dem Ansturm nicht gewachsen sein werde. Eine Entschuldigung der Verwaltung folgte erst später auf der kantonalen Website und in den sozialen Medien.

Dabei wäre es gerade jetzt wichtig, die Moral der Solothurnerinnen und Solothurner hochzuhalten. Denn mit den stagnierenden Fallzahlen und der neuen Virusvariante stehen uns trotz Impfung ein paar harte Monate bevor, bis wir – hoffentlich – schrittweise in den Alltag zurückkehren können. Die Bevölkerung hat deshalb in Zukunft mehr Respekt verdient.

rebekka.balzarini@chmedia.ch

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