Ob so etwas gesund ist? Kurz nach 23 Uhr spazieren kleine Grüppchen zu Fuss unter der Eisenbahnbrücke vis-à-vis des Alten Spitals durch. Sie haben gerade die Mundartnacht im Kofmehl verlassen. Auch fünf Minuten Spaziergang entlang der Aare haben den Kopf noch nicht gelüftet. Jeder hat andere Wortfetzen und Satzbruchstücke auf der Zunge, die sich auch beim Anschluss-Bier am Aarequai noch im Gehirn winden und nicht in die Nacht entlassen wollen.

Hat Stefanie Grob als überdreht-stolzes Züri-Mami, dessen Sohn nur hochbegabt sein kann, mehr überzeugt? Oder doch eher als feinfühlig-poetische Glückssucherin mit berndeutschem Akzent? Kein Wunder waren solche Fragen bei der Aarebrücke zu hören: Die Jubiläums-Mundartnacht in der Kulturfabrik Kofmehl hat Mundart-Künstler aus allen vergangenen Ausgaben versammelt.

Seit zehn Jahren hat Pascal Frey höchste Ansprüche

«Grossartig, furchtbar gut und lustig»: Das bezeichnet Organisator Pascal Frey seit zehn Jahren als seinen Anspruch. Es scheint ihm immer wieder zu gelingen: Das Kofmehl ist komplett ausverkauft, Radio DRS sendet live.

Erkennen Sie die Weihnachtsgeschichte in der Version von Patrick Frey?

Erkennen Sie die Weihnachtsgeschichte in der Version von Patrick Frey?

300 000 Zuhörer sollen am Äther lauschen. Mäuschenstill ist es deswegen, als kurz vor der Live-Einschaltung die acht Uhr Nachrichten des Radiosenders zu hören sind. Auf das Stichwort «live aus der Kulturfabrik Kofmehl in Solothurn» startet das Kofmehl-Publikum mit dem Applaus.

Ist es Fett oder einfach nur die Fleisch gewordene Autobiographie? So erklärt Gabriel Vetter seinen Bauchumfang.

Ist es Fett oder einfach nur die Fleisch gewordene Autobiographie? So erklärt Gabriel Vetter seinen Bauchumfang.

Pedro Lenz macht den Anfang

Als erster steht Pedro Lenz auf der Bühne. Der zwei-Meter-Mann aus Langenthal hat die rechte Hand entlang seines langen Körpers steif hinuntergestreckt und erzählt Geschichten, deren Sprache direkt von der Strasse zu kommen scheint, die aber trotzdem unnachahmlich sind.

Theatralischer schwenkt Manuel Stahlberger die Hände über seinem Kopf, wenn er über das St. Galler Einkaufszentrum Neumarkt singt. Die Hände des Publikums zum Bewegen bringt Knackeboul, der härtere Töne anschlägt. Als Missionarssohn - «Ei Mueter, füf Ching» - kehrt er in die Schweiz zurück und startet eine Drogenkarriere.

Totes Sexleben, dicke Körper –  halb so schlimm

Körpereinsatz zeigt auch Gabriel Vetter, wenn er seine Körperfülle als eigene Autobiographie liest. Von den 14 Yogurette, die sich am Hintern festgesetzt haben, bis zu Grossmutters Kuchen: Jedes Gramm Fett löst bei ihm eigene Erinnerung aus, sein Körper ist ein «wandelnder USB-Stick aus Fleisch.»

Um Blut geht es bei Moderator Simon Chen, der sich über den Fragebogen für Blutspender lustig macht und das Publikum vor die Alternative stellt: Tiptopes Blut oder kein Sexleben mehr. «S git nüt, wos nit gid», schliesst Lokalmatador Dülü Dubach mit der Handorgel an.

Etrit Hasler: Der Mann mit  240 Wörtern pro Minute

Schnellsprecher sind sie alle. Zu Waffen werden die Worte beim St. Galler Etrit Hasler. Maschinengewehrsalven gleich schiessen die Worte heraus. Hasler spricht fast schneller als das Publikum mitdenken kann.

Auf einen Hochseilakt der Verständlichkeit begibt sich Wortakrobat Patrick Frey und zeigt mit seiner Erzählung der Weihnachtsgeschichte, wie wenig es braucht, um einen Text zu verstehen. Von allen Substantiven nimmt Frey jeweils nur die erste Silbe, die er verdoppelt. Aus der Weihnachtsgeschichte mit Jesus, Sohn Gottes wird die «Wiwinanagschigschi von Jeje Soso Gogo.»