Solothurns Stadtpräsident und Nationalrat Kurt Fluri sowie Marianne Meister, die für den Nationalrat und den Ständerat kandidiert, sind die zwei Aushängeschilder auf den beiden Stammlisten der FDP Kanton Solothurn. Umso überraschender ist es da, dass sich ihre Position in einem gewichtigen Geschäft rund um die heiss debattierte Energiewende von der Mehrheit der übrigen Kandidaten auf den Listen der Freisinnigen unterscheidet. Ob die Schweizer Atmokraftwerke zur Sicherstellung des Energiebedarfs zum Ende der Laufzeit durch neue ersetzt werden sollen, lautet eine Frage zur Erstellung der Kandidatenprofile auf der Vimentis-Wahlplattform. Während Kurt Fluri sich eher dagegen und Marianne Meister sogar klar dagegen ausspricht, ist die Mehrheit der Freisinnigen dafür.

Von den insgesamt zwölf kandidierenden Frauen und Männer auf den zwei Hauptlisten der FDP Kanton Solothurn teilen einzig Urs Unterlerchner (Solothurn) und Karin Büttler (Laupersdorf) die Haltung ihrer beiden Zugpferde. Die übrigen acht kehren dem Atomausstieg den Rücken, der unmittelbar nach dem Reaktor-Unfall im Fukushima im Jahr 2011 auch bei den Freisinnigen eine ganze Reihe von Befürwortern gefunden hatte. Das gleiche Bild zeigt sich im Übrigen auch bei den Jungfreisinnigen – sofern diese an der Vimentis-Umfrage teilgenommen haben. Von sechs Kandierenden, die sich zu dieser Frage äusserten, sind nur zwei gegen den Bau neuer Atomkraftwerke.

Aargauer FDP tickt anders

Mit zwei Drittel der Kandidierenden steht also eine stolze Mehrheit der Freisinnigen im Kanton Solothurn der Energiewende skeptisch gegenüber. Die Skepsis der Solothurner Freisinnigen ist damit bedeutend stärker ausgeprägt als bei ihren Parteikollegen im Schweizer Durchschnitt. Gemäss einer Auswertung der Wahlplattform Vimentis von Anfang September plädiert mit 45 Prozent nur eine Minderheit der FDP-Kandidierenden dafür, dass die bestehenden Atomkraftwerke durch neue ersetzt werden sollen. 48 Prozent sind dagegen und 6 Prozent enthalten sich der Stimme. Besonders auffallend ist, dass sich gerade auch im Nachbarkanton Aargau mit seinen drei Atomkraftwerken die freisinnigen Befürworter und Gegner der Kernkraft die Waage halten. Nicht ganz unschuldig daran ist sicher Haltung der Aargauer Bundesrätin Doris Leuthard, eine der Mütter der Energiewende.

Auch die SVP ist klar dafür

Weicht die Haltung der Solothurner FDP-Kandidierenden vom schweizweiten Durchschnitt ab, trifft dies nicht auf die Kandidaten der übrigen Parteien zu. Wenig überraschend plädiert die grosse Mehrheit der SVP-Anwärter für den Bau neuer Atomkraftwerke. Liegt deren Anteil gemäss der Auswertung von Vimentis schweizweit bei 82 Prozent, dürfte deren Anteil im Kanton Solothurn sogar noch höher sein. Von den Solothurner SVP-Kandidierenden, die sich zu dieser Frage geäussert haben, ist Sibylle Jeker (Erschwil) die einzige Gegnerin neuer Atomkraftwerke.

Zu den erklärten Gegnern einer Fortführung der Atomenergie gehören die Kandidierenden der SP, der Grünen, der GLP, der BDP und der CVP. Bei den Christdemokraten ist einzig Konrad Imbach (Biberist) eher für den Bau neuer AKWs.

Atomenergiefreundlicher geben sich indes die Jungparteien von CVP und BDP. Hier sind immerhin ein Drittel der Kandierenden eher oder klar für den Ersatz der bestehenden Atomkraftwerke.