Landwirtschaft
Die Bauern haben ein schlechtes Jahr hinter sich

2012 war ein schlechtes Jahr für die Bauern. Die Kälte im Februar und der ständige Regen haben den Anbau von Obst, Getreide und Gemüse erschwert.

Christoph Neuenschwander
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Viel zu viel des Guten und von einem Extrem ins andere: Das Wetter forderte der Landwirtschaft einiges ab. KEYSTONE/Christian Brun

Viel zu viel des Guten und von einem Extrem ins andere: Das Wetter forderte der Landwirtschaft einiges ab. KEYSTONE/Christian Brun

Letztes Jahr habe er fast zu grosse Zwiebeln gehabt, sagt Biobauer Hans-Ulrich Müller aus Bibern, heuer seien sie den Kunden eher zu klein gewesen. Rund einen Fünftel der Zwiebeln habe er gar nicht erst geerntet, weil sie verfault waren. Das ist bezeichnend für die zu Ende gehende Saison, welche die Landwirte in der Region so gar nicht begeistern konnte.

Angefangen habe es mit dem kalten Februar, blickt Jonas Zürcher zurück. Er ist Pflanzenbauexperte im Bildungszentrum Wallierhof in Riedholz. Was im Februar gesät war, Getreide und Raps etwa, habe es nicht leicht gehabt. «Dabei gab es aber grosse Unterschiede von Standort zu Standort», ergänzt Zürcher. «Der Schnee isolierte. Zwischen Solothurn und Grenchen jedoch, wo der Schnee verweht wurde, war der Frost sehr stark.»

Nicht nur die Kälte, sondern auch der Regen hat den Ertrag der Ackerbauern geschmälert. So sei es aufgrund der Nässe schwierig gewesen, einen geeigneten Erntezeitpunkt zu finden, erklärt Zürcher. Rüben und Kartoffeln beispielsweise mussten zum Teil länger im Boden verharren und waren somit auch länger Schädlingen und Feuchtigkeit ausgesetzt.

Kranke Erdbeeren

So etwas treffe einen gerade im Biobereich besonders hart, hält der Bucheggberger Hans-Ulrich Müller fest. Denn spritzen dürfe man nicht, und so seien auch Krankheiten, die sich auf den Pflanzen ausbreiten, nur schwer zu bekämpfen. Während gegen die Krautfäule der Kartoffeln wenigstens Kupfer helfe, könne man gegen den falschen Mehltau, der etwa Zwiebeln oder Erdbeeren befalle, nichts ausrichten. Mindestens einen Drittel seiner Erdbeer-Ernte habe er verloren, sagt Müller. «Wir haben die ganze Anlage durchgeputzt, die Kranken Erdbeeren entfernt, damit sie die anderen nicht anstecken, konnten ein paar Tage lang verkaufen und dann kam schon die nächste Regenperiode.»

Auf seinem Hof pflanzt Müller auch Karotten, Fenchel, Broccoli und andere Kohlarten an. Unter dem Strich sei die Gemüsesaison durchschnittlich gewesen, dem verregneten Sommer gewinnt der Landwirt gar etwas Positives ab: «Ich musste nicht viel wässern.» Am Besten sei aber schon, wenn es sonnig ist. «Dann kann man den Pflanzen Wasser geben, wenn sie es brauchen, und so das Wachstum steuern. Bei zu viel Regen kann sich im Boden die Nässe stauen.»

Schwer haben er und sein Stand es aber auch gehabt, weil die Grossverteiler die Preise drückten. «In einem guten Jahr wie 2011 dürfen die Preise schon einmal sinken, aber dann sollten sie in einem schlechten Jahr auch wieder entsprechend steigen.»

Viel Most vom letzten Jahr

Dass 2012 ein eher schlechtes Jahr war - gerade im Obstbau - bestätigt auch Philipp Gut. «Gut gelaufen ist gar nichts», lautet sein Fazit. Gemäss dem Obstexperten des Wallierhofs haben besonders Kirschen und Zwetschgen unter dem kalten Jahresbeginn gelitten. Den Kirschen habe zudem die feuchte Erntezeit zugesetzt. Eigentliche Katastrophen, bei denen ganze Ernten vernichtet würden, gebe es aber in der Schweiz nicht. «Auf der Konsumentenseite kriegt man von schlechten Ernten ohnehin kaum etwas zu spüren, weil einfach importiert wird, was wir nicht selber produzieren. Und wegen des starken Frankens steigt dadurch nicht einmal der Preis.»

Ungefähr 50 Prozent der hierzulande konsumierten Früchte seien einheimisch. Einen grossen Teil machen dabei die Äpfel aus, da sie durchs ganze Jahr und nicht nur saisonal gekauft werden. Zwar sei heuer auch die Apfelernte kleiner ausgefallen, das bedeute aber lediglich, dass weniger Früchte für die Mostereien übrig bleiben. «Und wir konnten letztes Jahr dank der hervorragenden Ernte so viel Most machen, dass es auch für dieses Jahr noch reicht.»

Vögel klauten Obst

Glücklich schätzen kann sich Obstbauer Hansruedi Mann aus Selzach. Seine Erdbeerfelder hat er so angebaut, dass er gestaffelt ernten und so das Risiko verteilen konnte. Und die niederstämmigen Kirschbäume hat er überdacht, was bei Hochstammbäumen nicht möglich gewesen wäre. «Wir haben mit diesen Vorkehrungen den Ausfall vermindert, aber das ist sehr aufwendig.»

Nicht nur Blütenfrost und Feuchtigkeit hat Mann so überlistet, sondern auch die Vögel. Die seien heuer besonders «aggressiv» gewesen, weil es im Wald nichts zu holen gab, findet der Landwirt. Philipp Gut vom Wallierhof relativiert: «Die Vögel nehmen sich immer eine gewisse Menge. Wenn die Ernte klein ist, fällt es einfach mehr auf.»

Weniger Milch

Abhängig vom Wetter ist auch das Wachstum von Futterpflanzen und damit indirekt die Milchproduktion. Wegen des vielen Regens sei das Futter gut gewachsen, weiss Adrian Rudolf, Betriebsberater beim Solothurnischen Bauernverband. Etwas mangelhaft seien allerdings die Inhaltsstoffe, weil die Pflanzen zu wenig Sonne gekriegt hätten. «Daher war die Milchproduktion tiefer dieses Jahr», so Rudolf. Das sei aber primär ein quantitatives Problem. «Für die Qualität der Milch ist dies kaum relevant.»