Obergericht

Die Bande drohte, schlug und raubte drauf los

Als die Männer ihr Unwesen begannen, waren sie alle nur knapp 20-jährig. (Symbolbild)

Als die Männer ihr Unwesen begannen, waren sie alle nur knapp 20-jährig. (Symbolbild)

Fünf Mitglieder einer gewalttätigen Räuberbande – alle mehrfach einschlägig vorbestraft – müssen sich vor dem Obergericht verantworten. Die Anklageschrift ist «stolze» 40 Seiten dick.

Die Staatsanwaltschaft hat gegen Teile des Urteils des Amtsgerichts Olten-Gösgen Berufung eingelegt und fordert auch in jenen Anklagepunkten Verurteilungen, in denen die Vorinstanz die Männer freigesprochen hatte. Die Taten liegen zum Teil über sechs Jahre zurück und zur Bande gehörten noch deutlich mehr junge Männer. Als diese ihr Unwesen begannen, waren sie alle nur knapp 20-jährig.

Mittlerweile wurden die meisten Bandenmitglieder durch das Kantonsgericht Basel-Landschaft bereits rechtskräftig zu zum Teil langjährigen Freiheitsstrafen verurteilt. Somit muss das Obergericht nun entscheiden, welche Zusatzstrafe für jeden einzelnen der Fünf wegen der Verbrechen gerecht ist, die sie in der Region Olten verübt hatten. Die Anklage forderte je nach Schwere von Tat und bereits erfolgter Verurteilung abgestufte Zusatzstrafen zwischen 18 Monaten für den am wenigsten aktiven Mittäter und drei Jahren für den Bandenführer. Alle Pflichtverteidiger verlangten eine Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils.

Nicht weniger als 40 Seiten dick ist die Anklageschrift. Eine der Taten, für die Staatsanwältin Kerstin von Arx Schuldsprüche forderte, war ein bandenmässiger Raubüberfall auf einen unbekannten afrikanischen Drogendealer Namens «Jack». Dieser sei zwar verprügelt worden, aber da nichts gestohlen wurde, sei das kein Raubüberfall, meinten dazu unisono die Verteidiger aller fünf Angeklagten.

Ähnlich einheitlich klang das beim Vorwurf der Freiheitsberaubung gegen einen anderen Oltner Drogendealer. «Das Opfer wurde im Badzimmer eingesperrt, während zwei Beschuldigte mit dem Auto zum Bankomat fuhren um mit der gestohlenen Karte Geld zu beziehen. Dabei liessen sie das Opfer sehr lange eingesperrt zurück», sagte die Staatsanwältin. Das Opfer hätte die Toilette verlassen können, habe aber lieber noch einen Joint geraucht, argumentierte die Verteidigung.

Bei der Anklage, einen weiteren bandenmässigen Raubüberfall vorbereitet zu haben, entgegneten die Verteidiger, dass die Bande diesem Drogendealer nur das Kokain abknöpfen wollte. «Kokain ist kein verkehrsfähiges Gut und somit kann kein Vermögensdelikt angeklagt werden», sagte zum Beispiel Jürg Federspiel, Pflichtverteidiger des bereits rechtskräftig zu sechs Jahren Gefängnis verurteilten Bandenführers.

Integration ist missglückt

Bei den Befragungen zur Person kamen bei allen Angeklagten die grossen Probleme in der Jugend zur Sprache. Keiner hat eine Berufslehre absolviert. «Meine Familie akzeptierte meine Schweizer Freundin nicht und zwang mich, im Kosovo zu heiraten», erzählte einer. So habe er als 16-jähriger mit dem Vater gebrochen und sei beim Bandenchef untergekommen. «Ich ging für ihn durch Dick und Dünn.»

Die fünf Angeklagten sprechen alle fliessend Mundart, denn sie sind schon als Kinder in die Schweiz eingereist. Vier stammen aus dem Kosovo, wobei zwei bereits rechtskräftig des Landes verwiesen wurden. Einer der jungen Männer, ein Libanese aus Syrien, der seinen Status als vorläufig aufgenommener Flüchtling nicht verlieren wird, so lange in Syrien der grausame Bürgerkrieg wütet. «Heute bin ich dankbar dafür, dass ich verurteilt wurde und eine Therapie besuchen darf», sagte dieser. «Das wäre mit mir ganz schlimm herausgekommen. Entweder hätte ich jemanden getötet oder ich wäre getötet worden. Meine Strafe war die Rettung. Ich danke dem Gericht dafür.»

Tatsächlich war vom Kreisgericht wegen diverser Gewalttaten noch die Verwahrung gegen den Libanesen angeordnet worden, die dann das Kantonsgericht Basel-Landschaft angesichts des jugendlichen Alters in eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und drei Monaten sowie eine Therapie in einer geschlossenen Anstalt umwandelte.

Das Steuer herumgerissen?

Einer der fünf Angeklagten scheint das Steuer für sich herumgerissen zu haben. Nach verbüsster Freiheitsstrafe hat er geheiratet, ist Vater geworden. Er arbeitet Dreischicht und konnte belegen, dass er daran ist, seine Schulden abzuzahlen. «Wenn ich jetzt ins Gefängnis müsste, wäre das eine Katastrophe. Ich hoffe, dass mir die Bewilligung nicht entzogen wird, denn ich habe keinen Bezug zum Kosovo und ich möchte meinem Sohn die Chance nicht verbauen, hier in der Schweiz aufwachsen zu dürfen.»

Die öffentliche Urteilsverkündung erfolgt am Freitag um 10.30 Uhr.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1