Aprikosen schmecken fein und sind beliebt. Das Wallis ist berühmt für die süssen Früchte, aber weil diese den Transport schlecht vertragen, werden seit einigen Jahren auch am Jurasüdfuss viele Aprikosenbäume gepflanzt.

Der Anbau ist lukrativ – aber auch mit einem gewissen Risiko behaftet. Jedes Jahr sind «abgehende» Bäume zu beobachten, wie das Absterben im Fachjargon genannt wird.

Während 16 Jahren ist das im Unteren Leberberg für den grössten Aprikosenproduzenten im Kanton gut aufgegangen und die aromastarken Früchte waren beliebt und fanden reissenden Absatz.

Nun könnte der Boom ein abruptes Ende finden: In der ganzen Region breitet sich das Steinobststerben aus – die Aprikosenbäume verdorren und auch viele Zwetschgenbäume sind krank.

Die Früchte sind einwandfrei

Die gute Nachricht der Fachleute: So lange ein Baum Früchte trägt, schmecken diese gut und dürfen problemlos konsumiert werden. Die Krankheit zerstört «nur» den Baum. Trotzdem scheuen sich die Obstbauern davor, über das Problem zu sprechen.

«Wir wollen unsere Kunden persönlich informieren, und nicht, dass sie etwas in der Zeitung lesen», kommentiert der erwähnte, am stärksten betroffene Produzent die Krankheit. Er will trotz mehrmaliger Anfrage nicht namentlich genannt werden, weil er Verkaufseinbussen befürchtet, wenn sich der Ausbruch der Baumkrankheit herumspricht.

«Es ist besser, die Konsumenten zu informieren», findet dagegen Jürg Maurer, Leiter der Fachstelle Obst der Beratungsstelle Inforama auf dem Oeschberg bei Koppigen. Aber er versteht die Angst der Landwirte.

«Viele hatten schon Probleme nach dem Befall durch die Kirschessigfliege. «Viele Kirschen waren diesen Sommer wegen der Maden tatsächlich ungeniessbar. Aber diesmal ist es anders. Die Aprikosen und Zwetschgen sind makellos.»

Staunässe, schwere Böden, zu viel Regen im Frühling oder häufige Frostwechsel im Winter seien typische Stressfaktoren für die Aprikosenbäume. «Die Krankheitserreger sind immer in der Natur vorhanden, aber es ist wie mit dem Schnupfen», erklärt Jürg Maurer.

«Wenn man gestresst ist, wird man schneller krank.» Und so habe das Wetter in diesem Jahr viel zur Zunahme des Steinobststerbens beigetragen.

Eine Medizin, mit der die kranken Aprikosenbäume gerettet werden könnten, kennt selbst der Experte nicht. Maurer rät, die gesunden Aprikosenbäume schon im September zu schneiden, damit sich die Schnittstellen noch vor dem Winter schliessen und keine Erreger eindringen können.

Ein Kupfereinsatz könnte die Bäume vor einer Infektion schützen, ist aber keine Garantie. Gegen die Pilzerkrankung Monilia wirkt ein Fungizid zur Blütezeit. «Stellt man verdorrte Äste fest, kann man diese grosszügig abschneiden, um die Ausbreitung zu verlangsamen. So kann ein Aprikosenbaum noch ein paar Jahre überleben und Früchte geben.»

Neue Sorten gibt es in einem Jahr

Meistens sind die erkrankten Aprikosenbäume nicht mehr zu retten und sie müssen gefällt werden. Der Experte rät, auch den Wurzelstock auszugraben und viel frischen Humus zuzugeben. Grundsätzlich findet es Jürg Maurer durchaus eine gute Idee, an einer trockenen, sonnigen Stelle im Garten einen Aprikosenbaum zu pflanzen.

Er rät, damit noch ein Jahr Geduld zu haben: «Die eidgenössische Forschungsanstalt für Agrarwirtschaft hat zwei Sorten weiterentwickelt, die im Herbst 2017 erhältlich sein werden. Die neuen, weniger anfälligen Aprikosensorten laufen unter den Nummern 4353 und 4377 und haben noch keine Namen.»