Riedholz

«Die Bäuerinnenschule ist eine Lebensschule»

Randa Brunner (l.) und Sophie Berger schätzen die Ausbildung am Wallierhof. mrb

Randa Brunner (l.) und Sophie Berger schätzen die Ausbildung am Wallierhof. mrb

Die Bäuerinnen-Ausbildung boomt. Am Wallierhof in Riedholz treffen sich Frauen aus der ganzen Schweiz. So auch Sophie Berger und Randa Brunner. Beide sind noch in der Ausbildung - haben aber ganz unterschiedliche Hintergünde.

Sophie Berger und Randa Brunner befinden sich zurzeit noch in Ausbildung auf dem Riedholzer Wallierhof. In der Landwirtschaftsschule wollen sie den eidgenössischen Fachausweis zur Bäuerin erlangen. Die zwei Frauen mit ganz unterschiedlichem Hintergrund berichten, weshalb sie sich in der heutigen Zeit für diese Ausbildung entschieden haben.

«Es war schon immer mein Wunsch, Bäuerin zu werden», sagt die 21-jährige Sophie Berger aus Rumisberg, die seit dreieinhalb Jahren mit einem Bauern liiert ist. Aufgewachsen ist sie auf einem Bauernhof. Da ihre Eltern den Landwirtschaftspachtbetrieb vor fünf Jahren aufgaben, hatte sie nach dem Ende ihrer Schulzeit keine Aussicht mehr auf eine Landwirten-Lehrstelle in diesem Bergbetrieb mit Restaurant gehabt. Weil sie jedoch nicht als Angestellte auf einem anderen Bauernhof arbeiten wollte, entschied sie sich für ihren zweiten Traumberuf und begann eine Lehre als Floristin.

Auf diesem Beruf arbeitete sie nach dem Lehrabschluss zwei Jahre lang, bis sie den Wunsch verspürte, etwas für sich machen zu müssen. Also begann sie eine Zweitausbildung auf dem Wallierhof. «Ich kenne einige Frauen, die die Bäuerinnen-Schule in Riedholz gemacht haben», sagt Berger und fügt hinzu, dass sie unbedingt den Fachausweis erlangen will. Unter der Woche wohnt die Rumisbergerin im Internat des Wallierhofs und verbringt jeweils die Wochenenden zu Hause bei ihrer Familie. Nach der halbjährigen Vollzeitausbildung, wird sie im April auf einem Gemüsebetrieb ein Praktikum absolvieren. «In der Küche und draussen werde ich arbeiten, Kinder betreuen, bei der Konfitüre-Produktion mitarbeiten …», erzählt Berger. Nach Ausbildungsabschluss möchte sie unbedingt für ein halbes Jahr nach Kanada, um ein Praktikum zu absolvieren

Auch Teilzeit ist möglich

Aus einem ganz anderen Umfeld kommt Randa Brunner aus Laupersdorf. «Als Kind verbrachte ich viel Zeit auf einem Bauernhof», sagt die 30-jährige Kauffrau, die jedoch nicht auf einem Landwirtschaftsbetrieb aufwuchs. Nach der KV-Lehre absolvierte sie eine Ausbildung zur Betriebswirtin HF und führt nun mit ihrem Mann und dem Schwiegervater einen Bauernhof. Vor acht Wochen wurde die Bauern-Gemahlin zum ersten Mal Mutter. «Auf meinem Beruf war mir alles viel zu theoretisch. Ich wollte unbedingt etwas anderes machen», sagt die Laupersdörferin. Sie macht nun auf dem Wallierhof eine Teilzeitausbildung und geht jeweils einen Tag pro Woche zur Schule.

Nach dem Mutterschaftsurlaub wird sie 60 Prozent als Betriebswirtin arbeiten, auf dem Hof mithelfen und sich um ihr gemeinsames Kind kümmern. «Obwohl ich nie einen Bauern gesucht habe, bin ich nun mit einem verheiratet», sagt sie schmunzelnd. Ihre Meinung über die Ausbildung auf dem Wallierhof ist äusserst positiv: «Die Bäuerinnen-Schule ist eine Lebensschule. Man erlangt ein enorm breites Fachwissen, das auch für das ganze Familienmanagement hilfreich ist.»

«Schule wird extrem unterschätzt»

«Die Schule hier ist am Boomen», sagt Sophie Berger. Gemäss der zwei angehenden Bäuerinnen interessieren sich immer wie mehr Frauen für die Bäuerinnen-Ausbildung. Randa Brunner fügt hinzu: «Menschliche Werte und Moral werden einem vermittelt. Diese Schule bringt einen persönlich auch dann viel weiter, wenn man danach nicht als Bäuerin arbeiten wird.»

Mehrmals mussten sich die zwei Frauen im Vorfeld Sprüche anhören, die entmutigend wirkten: «Weshalb willst du diese Ausbildung machen? – Dies ist ein finanzieller und beruflicher Abstieg.» Brunner und Berger sind sich einig: «Diese Schule hier wird extrem unterschätzt. Wir sind sogar selbst überrascht, welch breites Wissen man sich hier aneignen muss!» Auf dem Wallierhof lernen sich Frauen aus den unterschiedlichsten Berufen und der ganzen Schweiz kennen. «Ich habe noch nie an meiner Ausbildung zur Bäuerin gezweifelt», so Sophie Berger. Randa Brunner schätzt die Abwechslung an ihrem Beruf in spe enorm und betont, dass die positiven Aspekte am Landwirtschaften für sie klar überwiegen.

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