An der 7. Generalversammlung der «Aktion für eine vernünftige Energiepolitik» (Aves, Sektion Solothurn), übte AEK-Direktor Walter Wirth massive Kritik am Entwurf des kantonalen Energiekonzeptes. Es sei eine vorauseilende Vorwegnahme des demokratisch noch nicht abgesegneten bundesrätlichen Konzepts für den Atomausstieg und gehe noch mehr als dieses von unrealistischen Annahmen aus. «Die Energiestrategie des Bundes ist je nach Rahmenbedingungen für die Umsetzung schon eine steile Kletterpartie. Das kantonale Konzept ist dagegen wie eine Himalaja-Expedition ohne Sauerstoffmaske.» Wirth hält es nicht für möglich, die lokale Stromprodukltion bis 2030 um 1000 Gigawattstunden zu steigern, wie das das kantonale Konzept vorsehe. So seien etwa der Bau von 140 Windrädern und eine Solarfläche von vier Quadratkilometern nötig, dazu zahlreiche Anlagen mit Wärme-Kraft-Koppelung.

Bedenken überwiegen

«Auch wenn das die Aves-GV ist, werde ich nicht die Kernenergie überhöhen und die Solarenergie kleinreden», sagte Wirth zwar zu Beginn seines Referates «Energiestrategie 2050: Chancen und Risiken für die Solothurner Wirtschaft». Im Laufe seiner Ausführungen wurde aber klar, dass Wirth wohl mehr Risiken als Chancen sieht. Er wies vor allem auf Ungereimtheiten auch des bundesrätlichen Konzeptes hin und auf unbequeme Wahrheiten, welche gerne ausgeblendet werden. So rechne man insgesamt mit einer Reduktion des Gesamt-Energieverbrauchs um 35 Prozent und mit einem bescheidenen Stromverbrauchswachstum von 0,83 Prozent und Jahr. Wolle man gleichzeitig Wirtschaftswachstum, komme dies einer Quadratur des Kreises gleich. «Die angestrebten CO2 -Ziele können wir ohnehin vergessen.» Und zu unguter letzt gehe der Bundesrat offen von einer «Desindustrialisierung» der Schweiz aus, betonte Wirth.

Die Aves, die landläufig als Lobby-Organisation für Atomkraftwerke gilt, wird im Kanton Solothurn von Roland Fürst präsidiert. Der Handelskammer-Direktor und CVP-Regierungsratskandidat stellt dies hingegen in Abrede. Die Solothurner Sektion sei viel jünger als die Schweizer Mutterorganisation und sei nicht ideologisch fixiert. Fürst zeigte dies auch anhand der Aktivitäten der Vereinigung in den vergangenen Jahren. So habe man sich mit auch mit der Pellet-Produktion, mit Solar- und Windtechnik, mit Wasserkraft und sogar mit der 2000-Watt-Gesellschaft beschäftigt. Und natürlich seien Atomkraftwerke bzw. der Atomausstieg ein Thema. «Wir sind für die Förderung aller Produktionsformen, die eine sichere, wirtschaftliche und umweltfreundliche Energieversorgung gewährleisten», sagte Fürst. Die Solothurner Aves-Sektion hat rund 300 Mitglieder.

Demokratisch legitimieren

Fürst betonte ebenfalls, dass eine Volksabstimmung über die Energiewende nötig sei. «Es wurde bereits viel entschieden, die demokratische Legitimierung fehlt aber noch.» Er hoffe, dass die Stellungnahmen im Rahmen der Vernehmlassung zur Energiestrategie «ideologiefrei» berücksichtigt werden. Im Generalversammlungsteil wurde der Vorstand mit drei Vizepräsidenten (Philippe Arnet, Ulrich Bucher und Heinz Müller) sowie Christina Meier als Aktuarin und Jürg Liechti als Vorstandsmitglied bestätigt. Esther Altermatt demissionierte aus dem Gremium.