Tag Gesellschaft und Armee
«Die Armee ist heute sinnvoller»

Verkehrte Welt? SP-Ständerat Roberto Zanetti findet, dass die Armee heute sinnvoller ist als früher. Wirtschaftsvertreter Markus Boss stellt dagegen fest, dass der Dienst für viele Junge eine unnötige Karrierebremse darstellt.

Letizia Krummenacher
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Diskutierten im Kantonsratssaal (v. l.): Brigadier Hans Schatzmann, Chef Regiobank Markus Boss, Moderatorin Andrea Affolter, Nationalrat Roland Borer, Ständerat Roberto Zanetti.

Diskutierten im Kantonsratssaal (v. l.): Brigadier Hans Schatzmann, Chef Regiobank Markus Boss, Moderatorin Andrea Affolter, Nationalrat Roland Borer, Ständerat Roberto Zanetti.

Hans Ulrich Mülchi

«Ich erlebe mehr denn je eine grundsätzliche Akzeptanz gegenüber der Armee durch alle gesellschaftlichen Schichten hindurch», sagte Hans Schatzmann, Brigadier und ehemaliger Präsident der schweizerischen Offiziersgesellschaft, am Donnerstag im Kantonsratssaal. Dorthin hatte die Offiziersgesellschaft des Kantons Solothurn Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Militär zu einem Podium geladen. SVP-Nationalrat Roland Borer ergänzte: «Die jährlich erhobene ETH-Studie zur Sicherheit zeigt zudem auf, dass die Bevölkerung im Vergleich zum Vorjahr gegenüber der Armee deutlich positiver eingestellt ist.»

Auch SP-Ständerat Roberto Zanetti bekannte, er sei vom Armeekritiker zum Befürworter geworden. Seine Begründung: «Die Armee ist heute viel realitätsnäher und somit sinnvoller, als zu der Zeit, als ich Militärdienst geleistet habe.» Mit dieser Aussage bezog er sich vor allem auf Katastrophenhilfe-Einsätze, bei denen die Armee die Feuerwehr und Polizei unterstütze.

Armee als Bremsklotz für Junge

Obwohl die Akzeptanz gegenüber der Armee in der Gesamtbevölkerung gestiegen sei, machte Markus Boss, CEO der Regiobank Solothurn, darauf aufmerksam, dass er bei den Jungen eine gegenteilige Entwicklung feststelle: «Fast alle unserer Lehrlinge wollen nach der Rekrutenschule nicht mehr weitermachen. Sie sehen den Armeedienst als Bremsklotz in der beruflichen Karriere und ziehen Weiterbildungen und Sprachaufenthalte vor.» Darauf erwiderte Borer, dass die Wirtschaft und die Armee zusammen ein Modell finden müssen, in dem Job und Armeedienst besser miteinander vereinbar sind. Denn die Firmen profitieren schliesslich von einem sicheren Standort Schweiz.

Zanetti schlug einen weiteren Lösungsansatz vor: «Die Armee muss die Jungen besser darüber informieren, was das Sinnvolle am Militärdienst ist.» Nämlich dass man vieles lernen könne, was danach im zivilen Leben anwendbar sei. Moderatorin Andrea Affolter spielte den Ball gleich weiter an Berufsmilitär Schatzmann und fragte: «Was lernt man denn im Militär?» – Worauf dieser antwortete: «Man entwickelt Verständnis für andere Leute, lernt aufeinander einzugehen und miteinander auszukommen.» Zur Veranschaulichung nennt er ein Beispiel: «Wenn heute ein Fünfjähriger bereits sein eigens Zimmer mit eigenem Fernseher hat, dann kann er in einem Zwanzigerschlag in der Kaserne doch noch etwas neues lernen, was das Zusammenleben mit anderen Menschen betrifft.»

Schlussendlich waren sich alle Diskutierenden einig, dass die Schweiz eine Milizarmee brauche, um die Sicherheit fürs Land zu gewährleisten. Ausserdem könne nur die allgemeine Dienstpflicht sicherstellen, dass die gegenseitige Akzeptanz zwischen Armee und Gesellschaft erhalten bleibt. Denn wäre der Militärdienst freiwillig, mit nur noch «ein paar muskelbepackten Spinnern», dann käme wohl das Feingefühl gegenüber der zivilen Bevölkerung zu kurz, wie Zanetti zu bedenken gab. Es wolle schliesslich niemand, dass sich die Armee verselbstständige und zum Staat im Staat werde.