Augenschein
Die Arbeiten für den Emme-Hochwasserschutz laufen wie geplant

Die Arbeiten für das Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt entlang der Emme laufen auf Hochtouren. Ein Augenschein an einigen Hotspots mit Wasserbau-Abteilungsleiter Gabriel Zenklusen, der mit der Baustelle bestens vertraut ist.

Rahel Meier
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Hochwasserschutz an der Emme im Februar 2019 Arbeiten in der Flussohle der Emme, unter anderem für die Fischgängigkeit
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 Verschalungen an der Emmebrücke in Biberist sollen bei Hochwasser sogenannte Verklausungen verhindern.
 Die ehemaligen Deponie Schwarzweg wird zu einem Überflutungsgebiet.
 In diesen Stein- und Asthaufen auf der ehemaligen Deponie Schwarzweg finden Kleinlebewesen Lebensraum.
 Die ehemaligen Deponie Schwarzweg wird zu einem Überflutungsgebiet.
 In diesen Stein- und Asthaufen auf der ehemaligen Deponie Schwarzweg finden Kleinlebewesen Lebensraum.
 Die ehemaligen Deponie Schwarzweg wird zu einem Überflutungsgebiet.
Hochwasserschutz Emme Die ehemaligen Deponie Schwarzweg wird zu einem Überflutungsgebiet.
 Die ehemaligen Deponie Schwarzweg wird zu einem Überflutungsgebiet.
 Die ehemaligen Deponie Schwarzweg wird zu einem Überflutungsgebiet.
 Die ehemaligen Deponie Schwarzweg wird zu einem Überflutungsgebiet.
Hochwasserschutz Emme Arbeiten in der Emme auf Höhe der Autobahnbrücke in Luterbach
... Hochwasserschutz Emme. Zwischen Derendingen und Luterbach
Hochwasserschutz Emme Hochwasserschutz Emme. Zwischen Derendingen und Luterbach
Hochwasserschutz Emme Hochwasserschutz Emme. Zwischen Derendingen und Luterbach
Hochwasserschutz Emme Hochwasserschutz Emme. Bei Luterbach
Hochwasserschutz Emme Hochwasserschutz Emme. Bei Luterbach
Hochwasserschutz Emme Hochwasserschutz Emme. Bei Luterbach
Hochwasserschutz Emme
Hochwasserschutz Emme Hochwasserschutz Emme. Bei Luterbach

Hochwasserschutz an der Emme im Februar 2019 Arbeiten in der Flussohle der Emme, unter anderem für die Fischgängigkeit

Hanspeter Bärtschi

Hotspot 1: Die Arbeiten im Bereich zwischen der Autobahnbrücke und der Kantonsstrassenbrücke bei der Kebag in den Gemeinden Luterbach und Zuchwil. Weil die Kebag schon bald mit ihrem Neubau starten will, wurden die Arbeiten für den Hochwasserschutz vorgezogen. Gleichzeitig wird unter der Führung des Amtes für Verkehr und Tiefbau am Ersatz-Neubau der Kantonsstrassenbrücke gearbeitet. Kran, Bagger, Lastwagen – Arbeiten im Wasser, am Wasser und über dem Wasser. Für Laien ist nicht auf Anhieb zu erkennen, welches Hochwasserschutzmassnahmen und welches Arbeiten für den Brückenersatz sind.

Für Gabriel Zenklusen (Abteilungsleiter Wasserbau, Amt für Umwelt, Kanton Solothurn) ist dieser Abschnitt aus zwei Gründen speziell. Einerseits weil aufgezeigt wird, wie die Ämter innerhalb der kantonalen Verwaltung zusammenarbeiten und Projekte koordinieren. Aus ökologischer Sicht ist das Teilstück zwischen der Autobahnbrücke und der SBB-Brücke eines der Wichtigsten, wenn es um die Revitalisierung der Emme geht. Denn in diesem Bereich soll der Fluss künftig auf einer Länge von 600 Metern seinen Gewässerlauf selbst gestalten. «Ausser bei den Brücken werden alle bestehenden Uferverbauungen zurückgebaut. Künftig soll eine Ufererosion möglich sein», erklärt Zenklusen.

Unmengen an Blocksteinen

80'000 Tonnen Blocksteine werden auf dem 4,8 Kilometer langen Abschnitt in und an der Emme verbaut. Rund 30'000 Tonnen waren bereits bisher verbaut und werden wiederverwertet.

Das Flussbett könnte dort mehr als 100 Meter breit werden. Als Sicherheit werden in diesem Bereich beidseits der Emme Erosionsgrenzen – sogenannte Interventionslinien – vorgesehen. Sollte die Emme diese Grenzen erreichen, wird gemeinsam mit den Gemeinden und den betroffenen Grundeigentümern entschieden, ob die Erosion noch weiter zugelassen oder gestoppt wird. Zudem wird in einer nächsten Bauphase unterhalb der Kantonsstrassenbrücke bis hin zum «Emmenspitz» das Naturreservat und die Aue im Emmenschachen aufgewertet.

Mit dem Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekt wird das Flussbett der Emme praktisch durchgängig auf 40 Meter Breite aufgeweitet. Die Aufweitungen sind aber nicht überall möglich und bieten teilweise nicht ausreichend Schutz vor einem Hochwasser. Deshalb werden im Siedlungsgebiet entlang der Emme auch weiterhin teilweise Dämme und auch Ufermauern zu finden sein.

Hotspot 2: Rund 125'000 Tonnen belastetes Material wurde in Derendingen bei der Kehrichtdeponie Schwarzweg abgetragen. Nach Abschluss der Arbeiten wird die ehemalige Deponie zu einer Überflutungsfläche, welche bei erhöhten Emmeabflüssen mehrmals pro jahr geflutet werden kann. Bereits jetzt ist die Gestaltung mit kleinen Tümpeln, Kies-und Asthaufen zu sehen.

Bauarbeiten dauern bis ins Jahr 2022

4,8 Kilometer lang ist der Emme-Abschnitt vom Wehr Biberist bis hin zur Mündung in die Aare. Der Perimeter des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojektes verläuft durch die vier Gemeinden Biberist, Derendingen, Luterbach und Zuchwil.

Zwei Naturreservate liegen ebenfalls im Projektperimeter: Das Giriz in Biberist und das Auengebiet von nationaler Bedeutung, der Emmenschachen in Luterbach. Die Sanierung der drei Deponien, die im Projektperimeter liegen, ist abgeschlossen. Im Herbst und Winter 2017 und 2018 wurden erste Rodungsarbeiten entlang der Emme ausgeführt. Im April 2018 wurde mit den eigentlichen Wasserbauarbeiten gestartet.

Zurzeit ist man im Zeitplan. Abgeschlossen wird das Projekt voraussichtlich im Jahr 2022. Die Kosten belaufen sich auf etwas über 73 Mio. Franken, wobei der Kanton rund 19 Mio. Franken selbst investieren muss.

Sobald die Emme sich diesen Lebensraum zurückerobert, wird er sich eigenständig entwickeln, erklärt Zenklusen. Damit entsteht Lebensraum für Pflanzen und für Kleinlebewesen in- und ausserhalb des Wassers. Gleichzeitig wurde auch das Seebächli verlegt und weiter unten in die Emme geführt. Ebenso wurde der Dorfbach Biberist im Mündungsbereich fischgängig an die Emme angeschlossen.

Hotspot 3: Zwar eher unspektakulär, aber wichtig: Die Arbeiten an der Kantonsstrassenbrücke in Biberist, knapp ausserhalb des eigentlichen Projektperimeters, der unterhalb des Wehrs in Biberist beginnt. Die Strassenbrücke ist ein Einzelprojekt innerhalb der Gesamtarbeiten, wie Gabriel Zenklusen vor Ort erklärt. Mit einer Verschalung an der Vorder- und Unterseite der Brücke wird die sogenannte Verklausungsgefahr minimiert. Zu gut Deutsch: Im Falle eines Hochwassers sollten Baumstämme, Sträucher und grosse Äste die mit der Flut mitgeschwemmt werden, nicht mehr an der Brücke hängen bleiben. In ähnlicher Art wird auch die untere SBB-Brücke zwischen Luterbah und Zuchwil (Jurasüdfusslinie) geschützt.

Etwas unterhalb des Wehrs steht ein Bagger im Wasser. «Bisher war die Emme nicht fischgängig», erklärt Zenklusen. Bestehende Schwellen und Rampen in der Emme sollen rückgebaut oder umgestaltet werden. Mit dem Bagger wird die Flusssohle ausgebaggert. Gleichzeitig werden grosse Steine durch die Luft gehievt und so Blocksteinrampen gebaut, die den Fischen das Aufwärtsschwimmen ermöglichen. Die Fischgängigkeit des Wehrs wird in einer späteren Bauphase durch die Kraftwerkbetreiber am Emmenkanal sichergestellt.

Offene Baustelle 2019 Am Samstag, 4. Mai, von 10 bis 15 Uhr erhält die interessierte Bevölkerung einen Einblick in die Wasserbauarbeiten entlang der Emme. Der Tag der offenen Baustelle wird in der Umgebung der ehemaligen Papieri Biberist stattfinden.

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