Kanton Solothurn
Die Angst vor den Grosseltern in der Weihnachtsplanung — was wird empfohlen?

In vielen Alters- und Pflegeheimen sind die Ansteckungszahlen mit dem Coronavirus relativ hoch. Dies erschwert die Weihnachtsplanung. Sollte im Heim Weihnachten gefeiert werden oder zu Hause? Was ist am Besten?

Lea Meister und Laura Hofmann
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Die hohen Ansteckungszahlen in Alters- und Pflegeheimen erschweren die Weihnachtsplanung. (Symbolbild)

Die hohen Ansteckungszahlen in Alters- und Pflegeheimen erschweren die Weihnachtsplanung. (Symbolbild)

KEYSTONE/DPA/MARCEL KUSCH

Das Weihnachtsfest, wie wir es sonst kennen, wird es dieses Jahr nicht geben. So viel steht fest. Bei der familieninternen Verkleinerung der Gästegruppe wird wohl zuallererst über die Grosseltern gesprochen, sind sie doch in den meisten Familien die gefährdetsten Personen, wenn es um eine allfällige Ansteckung mit dem Coronavirus geht.

Die einen verlegen ihre Feier nach draussen, die anderen besuchen die Grosseltern im Alters- oder Pflegeheim. Nochmals andere laden die Familienältesten aus oder sagen gar den gesamten Weihnachtsanlass ab. Seit Monaten wird die Bevölkerung darauf sensibilisiert, die Risikogruppen, in diesem Fall die älteren Menschen in unserem Umfeld, zu schützen, wo es nur geht.

Alters- und Pflegeheime als nicht zu unterschätzende Virenherde

Ein Aspekt, der im ganzen Planungschaos rund um die Weihnachtsfeier etwas vergessen geht ist der, dass auch von den Grosseltern selbst ein nicht zu unterschätzendes Risiko ausgehen kann. So gibt es nicht wenige Alters- und Pflegeheime in der Region, die eine hohe Anzahl an Ansteckungen mit dem Coronavirus nachweisen und entsprechend auch Bewohnerinnen und Bewohner daran versterben.

Sollen die Bewohner nun die Festtage eher bei der Familie zu Hause, im Heim oder gar nicht feiern? Was empfehlen die Alters- und Pflegeheime im Kanton Solothurn?

Nach Besuch zu Hause 10 Tage in Quarantäne

Wie Ralph Wicki, Leiter des Seniorenzentrums Untergäu in Hägendorf auf Anfrage mitteilt, «ist die Weihnacht ein individuelles Bedürfnis.» Gewisse Personen seien froh, wenn sie einmal ausfalle. Andere würden es hingegen nicht aushalten, von ihrer Familie getrennt zu sein. «Bei uns ist die Lage im Moment kritisch, da wir mehrere Coronafälle haben. Meiner Meinung nach wäre es daher schlau, Weihnachten einmal ausfallen zu lassen und später nachzuholen», fügt Wicki hinzu.

Wie einem Informationsschreiben des Seniorenzentrums zu den Festtagen zu entnehmen ist, müssen Familien oder Freunde, welche Bewohner zu sich einladen, einen Antrag an das Zentrum stellen. Dabei muss bestätigt werden, dass die Hygieneregeln eingehalten werden. Zudem müssen die Bewohner nach Rückkehr, wie bei einem Neueintritt oder einer Verlegung 10 Tage in Quarantäne und einen Coronatest machen.

Besucherboxen werden aufgestellt

Im Alterszentrum Baumgarten in Bettlach sieht es schon etwas anders aus. Auch wenn der Bund oder der Kanton kein Ausgangs- und Besuchsverbot über die Weihnachtszeit verhänge, würden die Bewohner das Heim nicht verlassen können, wie die Geschäftsführerin des Zentrums Monika Eichelberger sagt.

Nur in speziellen Situationen werden Ausnahmeregelungen organisiert. «Es wird jedoch Besucherboxen geben». Bewohner und Familienangehörige werden darin durch eine Glasscheibe getrennt.

Einfluss auf die psychische Gesundheit

Im Alters- und Pflegeheim Ischimatt in Lagendorf kam es erst anfangs Dezember zu einem stärkeren Corona-Ausbruch. Die Lage sei auch weiterhin noch angespannt, wie der Heimleiter Daniel Aeschlimann sagt. Trotzdem wurde entschieden, dass Besuche ausserhalb des Heims bei Angehörigen möglich seien, sofern die Bewohner keine Symptome aufweisen. «Einerseits steigt dadurch das Risiko einer Wiedererkrankung, andererseits hat ein Besuch im Familienkreis einen sehr hohen Einfluss auf die psychische Gesundheit der Bewohner», fügt Aeschlimann hinzu.

Die Angehörigen seien verpflichtet, dem gesundheitlichen Zustand der Bewohner Rechnung zu tragen und die Schutzmassnahmen des Bundes einzuhalten.

Konsequentes Einhalten der Schutzmassnahmen elementar

Curaviva, der Branchenverband der Institutionen für Menschen mit Unterstützungsbedarf, beruft sich auf unsere föderalistischen Grundprinzipien. «Die stationäre Langzeitpflege unterliegt 26 verschiedenen kantonalen Vorgaben und stützt sich derzeit auf ihren jeweiligen Betrieb angepasste Schutzkonzepte», so Markus Leser, Leiter Fachbereich Menschen im Alter und Mitglied der Geschäftsleitung.

Einheitliche Lösungen gebe es keine. Die beste Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass gerade auch an Weihnachten ein gewisses Mass an Kontakten aufrechterhalten werden könne, sei das konsequente Einhalten der Schutzmassnahmen.

In vielen Heimen finden interne Weihnachtsfeiern statt

Ein Restrisiko einer gegenseitigen Ansteckung besteht dennoch immer. Wer ganz darauf verzichten möchte, die Grosseltern und sich selbst einem Risiko auszusetzen, kann bei den meisten Alters- und Pflegeheimen darauf vertrauen, dass interne Weihnachtsfeiern abgehalten werden.

Wie sinnvoll der Austausch untereinander innerhalb der Pflegeeinrichtungen gerade dann ist, wenn intern hohe Ansteckungszahlen bestehen, bleibt aber fraglich. Von Grosseltern, die nicht in Pflegeheimen wohnen und seit Monaten darauf achten, sich selbst und ihre Liebsten zu schützen, geht wohl ein kleineres Risiko aus. Sich an die Vorgaben des Bundes zu halten ist das beste Rezept für einen Weihnachtsabend im kleinen Rahmen der Familie, sofern er denn nicht auf nächstes Jahr vertagt wurde.

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