Hauswirtschaft

Die «alltägliche» Arbeit ist bei Unternehmen gefragter denn je

Sabine Zeltner, Vorstandsmitglied im Verband Hauswirtschaft Solothurn

Sabine Zeltner, Vorstandsmitglied im Verband Hauswirtschaft Solothurn

Der 21. März ist der erste Tag im Frühling, sowie auch der nationale «Tag der Hauswirtschaft». Ein frischer Frühlingswind ist auch in diesem Berufsfeld spürbar. So sind Unternehmen vermehrt auf der Suche nach Fachleuten für Hauswirtschaft

Sie ist die Fee für alles: Sie reinigt, pflegt, kocht, dekoriert, betreut Kinder und Gäste - die Fachfrau Hauswirtschaft. Eine Ausbildung, die zurzeit «eher wenig Anerkennung» geniesst: «Die Hausarbeit wird als alltäglich angesehen», erklärt Sabine Zeltner, Vorstandsmitglied und Ausbildende beim Verband Hauswirtschaft Solothurn. Dabei sei bisher noch keine Hausfrau vom Himmel gefallen - auch dieses Handwerk müsse gelernt werden.

Gegen die «Alltäglichkeit»

«Hauswirtschaft fällt erst auf, wenn sie wegfällt», meint Sabine Zeltner und liefert gleich das Beispiel: Was würden die Banker ohne eine betreute Kantine, ohne Hemdenreinigung und ohne ein geputztes Arbeitszimmer machen? «Wir leisten zwar Arbeiten im Hintergrund, aber ohne uns würde vieles nicht funktionieren», findet das Vorstandsmitglied die passenden Worte. Doch weshalb wird die hauswirtschaftliche Tätigkeit unterschätzt und als «alltäglich» bezeichnet? «Es beginnt schon in der Schule, wo der Hauswirtschaftsunterricht fortlaufend reduziert wird. So entsteht der Eindruck, dass dieses Fach weniger wichtig ist als andere», begründet Zeltner. Obwohl jeder ein Basiswissen in Hauswirtschaft brauche, um in Zukunft alleine zurechtzukommen.

Umbruch spürbar

Nun scheint ein frischer Wind aufzukommen: Fachleute in Hauswirtschaft sind gesuchter denn je. «Früher sprachen die Absolventen bei einem Betrieb vor und baten um Arbeit, heute werden sie aktiv in der Zeitung gesucht oder direkt angesprochen», weiss die Lehrlingsausbildnerin, «die breiten Kompetenzen der hauswirtschaftlichen Fachleute werden geschätzt.» Jeder Absolvent finde heute einen guten Platz in einem Betrieb. Woher kommt dieser Umbruch? «Die Berufslehren in Hauswirtschaft sind bekannter geworden, unteranderem da mehr Betriebe Lernende ausbilden: 18 Betriebe nehmen zurzeit Schüler im Hauswirtschaftsjahr auf, 32 bieten die zweijährige Ausbildung zur Hauswirtschaftspraktikerin EBA an und 21 die dreijährige Lehre zur Fachfrau Hauswirtschaft EFZ. Ausserdem gibt es mittlerweile Weiterbildungsmöglichkeiten wie das Fachhochschulstudium in «Facility Management», erklärt Sabine Zeltner.

Erster Schritt in die Hauswirtschaft

Das Hauswirtschaftsjahr bietet Schüler als Brückenjahr Einblick in diese Berufswelt. «Wir haben zwischen 5 bis 18 Lernende pro Jahr - die Zahlen schwanken sehr stark», sagt die Verantwortliche für den Lehrgang. Diese Ausbildung biete Schüler der Sek B und höher eine Möglichkeit, im Berufsleben Fuss zu fassen. «Nach dem Brückenjahr nehmen rund ein Drittel eine hauswirtschaftliche Lehre wie Fachfrau Hauswirtschaft EFZ oder Hauswirtschaftspraktikerin EBA in Angriff, die Mehrheit beginnt aber eine andere Lehre beispielsweise als Floristin oder Koch», so Zeltner.

Kaum Hauswirtschaftsfachmänner

Junge Männer für die Hauswirtschaft zu begeistern, hat sich bisher als schwierig erwiesen: «Ein Junge, der sich für eine Ausbildung bei uns einschrieb, zog seine Bewerbung zurück, weil er in der Schule ausgelacht worden war», erinnert sich Zeltner an ein Beispiel. Jegliches Zusprechen der Lehrerin habe leider nichts genützt. «Wir haben in den letzten zehn Jahren nur fünf Jungen ausbilden können», erfasst Zeltner enttäuscht die männliche Absolventenzahl. Dabei sei der Hausmann in der heutigen Gesellschaft immer üblicher und (un)glücklicherweise auch noch nicht vom Himmel gefallen.

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