Es gibt durchaus gute Gründe, weshalb über die Löhne von Kaderärzten in den Spitälern diskutiert werden muss. Bis hin zur Frage, ob Löhne von Spitzenverdienern in öffentlichen Häusern gedeckelt werden sollen. 

Etwas anders sieht die Situation bei den Grundversorgern aus. Unbestritten ist, dass es auch bei dieser Gruppe von Medizinern weitere Anstrengungen braucht, um das Lohngefälle zwischen Männern und Frauen zu beseitigen. Unbestritten ist weiterhin, dass es eine generelle Überarbeitung des Ärztetarifs braucht, damit Eingriffe des Bundesrats künftig obsolet werden. 

Nicht zum Ziel führen hingegen Zahlenreihen über Lohnerhebungen, die Realitäten in den Hausarztpraxen vorgaukeln, die es so nicht gibt. Jedenfalls ist es einigermassen eigenartig, dass es über die scheinbar gleichen Wirklichkeiten völlig unterschiedliche Zahlen gibt. Und ebenso eigenartig ist, dass die Erhebungen weder an Daten zu Effizienz und Effektivität der Leistungen noch an deren Qualität angebunden sind. 

Das ist nicht nur stossend, sondern auch schädlich. Denn es ist unbestritten, dass die medizinische Grundversorgung der Pfeiler unseres Gesundheitssystems ist. In Zeiten, da es erstens zu wenig neue Hausärzte gibt und zweitens bestehende Praxen nicht selten keine Nachfolgelösung haben, braucht es deshalb möglichst viel Objektivität. Auch und vor allem vom zuständigen Bundesamt für Gesundheit. Wohlwissend, dass der Kampf um die Dämpfung der Gesundheitskosten hart geführt werden muss. Aber bitte am richtigen Ort.

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