Die Welt von Oben
Die AEK geht mit dem Heli in die Luft - zum ersten Mal

Die Welt von oben sieht ganz anders aus, und manches wird von dort aus viel besser sichtbar. So auch Mängel an Hochspannungsmasten. Die AEK setzt deshalb zur besseren Kontrolle Helikopter-Flüge mit einer ganz speziellen Kamera ein. Präzisionsarbeit ist dennoch nötig.

Hans Peter Schläfli (Text/Bilder)
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Hanspter Schlaefli

In der Strafanstalt bricht ein wenig Hektik aus, weil ein schneeweisser Helikopter während etwas mehr als fünf Minuten im Tiefflug wie angenagelt an derselben Stelle steht.

Als der Heli der Serie MD 520N nur ein paar hundert Meter weiter fliegt und sich das Schauspiel wiederholt, steht das Wachpersonal im Deitinger Schachen verdutzt da und schaut dem seltsamen Treiben im Himmel misstrauisch zu. Schliesslich zieht das «Flugobjekt» Schritt für Schritt weiter. Entwarnung in der Strafanstalt: Es sollte also kein Schwerverbrecher durch die Lüfte befreit werden.

Dieser Helikopter sucht für die AEK rund 50 Kilometer Starkstromkabel der Netzebene 3 mit einer Spannung von 50 000 Volt und vor allem die unzähligen Masten nach kleinen Defekten ab. «Sogar die Soldaten haben sich schon an uns gewöhnt», sagt Pilot Dino Janser beim Auftanken auf dem Borregaard-Gelände in Luterbach. Nebenan übt nämlich das Militär den ganzen Tag die Sicherheitskontrollen.

Dann hebt der Heli wieder ab. Der Start ist sanft und gibt Vertrauen in das Können des Piloten. Trotz offener Cockpit-Tür kommen keine Schwindelgefühle auf. «Wir fliegen jetzt auf der Höhe des Kamins der Kehrichtverbrennungsanlage», sagt Janser. «Dort oben auf der Plattform wäre es mir ganz mulmig, auf einen Kamin würde ich nie hinaufklettern. Aber hier in meinem Helikopter fühle ich mich wohl.» Eine vernünftige Erklärung dafür, dass man in einem Helikopter nicht von der Höhenangst gepackt wird, hat aber auch der erfahrene Berufspilot nicht.

Schritt für Schritt geht es immer den Starkstromleitungen der AEK entlang Richtung Sportzentrum Zuchwil. Gute fünf Minuten braucht der Kameramann, um mit der Spezialkamera, die in alle Richtungen unbeschränkt drehbar ist, sämtliche Details der Armaturen und Isolatoren aufzunehmen.

Jede Flechte auf den Betonmasten ist auf dem Bildschirm gestochen scharf zu erkennen, und so natürlich auch die feinsten Risse. Auf einem Metallmasten erkennt man beispielsweise gut einen Blitzeinschlag, der die grüne Rostschutzfarbe weggebrannt hat.

Für das Auge unsichtbar

Zum Abschluss fliegt der Helikopter die ganzen Leitungen noch mit einer sogenannten Koronakamera ab, die in einer für das blosse Auge unsichtbaren Lichtfrequenz filmt. «Mit dieser Kamera können wir die Koronaentladung erkennen, die durch kleine Defekte in den Leiterseilen entsteht», erklärt Michel Gasche.

Diese Koronaentladungen sind nicht nur für die manchmal bei Starkstromleitungen hörbaren Geräusche verantwortlich, sie führen auch zu Energieverlusten und Funkstörungen.

«Alle acht bis zehn Jahre kontrollieren wir unsere Starkstromleitungen», sagt der Bereichsleiter Netze der AEK. «Für den Aufstieg auf einen Masten braucht ein Monteur etwa zwei Stunden. Mit dem Helikopter können wir rund 50 Kilometer Starkstromleitungen in drei Tagen kontrollieren.

Wenn wir auf jeden Masten Monteure schicken müssten, würde das Monate dauern.» So wisse man genau, welche Servicearbeiten auf welchem Masten auszuführen sind und könne die Netzelektriker gezielt einsetzen.

Zum ersten Mal mit dem Heli

«Eine solche Grosskontrolle machen wir alle acht bis zehn Jahre, um die Versorgungssicherheit zu gewähren. Diesmal machen wir die Kontrolle erstmals mit dem Helikopter. Das hat den Vorteil, dass wir dazu die Leitungen nicht abschalten müssen», so Michel Gasche.

«Auch die Leitung zum Stahlwerk Gerlafingen haben wir kontrolliert, und die liefert das Mehrfache des Verbrauchs der Stadt Solothurn mit einer Spannung von 220 000 Volt. Früher konnte das Stahlwerk während der Kontrolle während Tagen nicht produzieren. Der Helikoptereinsatz spart also viel Geld.»

Erstaunlich leise und vibrationsarm ist der Heli, denn er hat statt eines Heckrotors ein Gebläse, welches das Drehmoment des Hauptrotors ausgleicht und die Flugrichtung steuert. Am Heck klebt noch die Aufschrift «Schweizer Fernsehen SF». «Wir haben Bilder für die Direktübertragung der Tour de Suisse geliefert», sagt Pilot Dino Janser.

Die Arbeit für die AEK sei nicht weniger interessant. «Das Stillstehen über den Strommasten ist anspruchsvoller als das normale Fliegen», erklärt der Schwyzer Pilot. Langweilig werde es nie. «Und so lerne ich auch die Region Solothurn kennen. Ich habe gar nicht gewusst, dass diese Gegend hier so schön ist.»