Der Zeitpunkt war gut gewählt: Etwa in der Hälfte der fünfjährigen Bauzeit sind heute schon grosse Teile des Hochwasserschutz- und Revitalisierungsprojekts zwischen Olten und Aarau in Betrieb zu besichtigen. Zudem profitierten die rund 60 Teilnehmenden der Exkursion von Pro Natura Solothurn am Samstag von Prachtswetter.

Für die Strecke Olten–Aarau wurde nach 1999 ein Schadenpotenzial von 120 Mio. Franken berechnet, berichtete Christoph Dietschi vom Amt für Umwelt (AfU). «Beim Hochwasser von 2007 hat sich das leider bestätigt», bemerkte Dietschi trocken.

Um das Jahr 1850 konnte sich die Aare im Niederamt bei Hochwasser auf bis zu 500 Metern ausbreiten. Das ist nicht mehr möglich, zu viel hat der Mensch seither nahe an den Fluss gebaut. Immerhin entstehen jetzt im 13 Kilometer langen Abschnitt von Olten bis Aarau rund ein Dutzend neue Seitengerinne. Baumstrünke, Geäst und Steine an Sohle und Ufern bilden Kleinstrukturen für Fische und andere Tiere. Der Plan scheint aufzugehen: «Es wurde schon Naturverlaichung von Aeschen beobachtet», berichtete Gabriel Zenklusen, Leiter der Abteilung Wasserbau im AfU.

Die neuen Seitenarme führen dauernd Wasser, auch bei Niedrigwasser. Bei Hochwasser vermögen sie bis zu 400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde zusätzlich aufzunehmen, erläuterte Zenklusen im Gebiet Sandacker in Obergösgen. Das Materialkonzept sieht vor, ausgebaggertes Material möglichst in der Nähe zu verbauen, so für die Dämme. Hochwertiges Kies wurde an Kieswerke verkauft. Dabei sei es vorgekommen, dass auch Lastwagen Kies holten, die gar nicht den Käufern gehörten …

Eine spezielle Behandlung erfordern die an der Aare massenhaft vorkommenden invasiven Neophyten. Um ihre Ausbreitung auf den freigelegten Ufern zu erschweren, sei noch für längere Zeit eine «Neophytenkampftruppe» im Einsatz, so Zenklusen. Derzeit ist diese Arbeit noch Teil des kantonalen Projekts, später wird sie in die Verantwortung der Gemeinden übergehen.

Die Bauern erhalten ihre für den Bau beanspruchten Flächen weitgehend zurück. Bei den Dämmen wird die Bewirtschaftung durch flache Böschungen ermöglicht. Damit sich der Boden erholen kann, sind für die ersten drei Jahre nur extensive Nutzungen erlaubt. Teilweise gelten Einschränkungen gar acht Jahre lang. Der Ausfall wird den Bewirtschaftern entschädigt.

Ein Wechsel im Vorstand

An der Generalversammlung von Pro Natura Solothurn in Niedergösgen freute sich Präsidentin Nicole Hirt (GLP, Grenchen) über das Ende des Projekts Pistenverlängerung Ost beim Flughafen Grenchen. Georg Nussbaumer (CVP, Hauenstein-Ifenthal) wurde als neuer Präsident der parlamentarischen Gruppe Natur+Umwelt in den Vorstand von Pro Natura gewählt. Er ersetzt dort Alexander Kohli (FDP, Grenchen).