Steht man auf der Weide der Gemeinde Oberbuchsiten – umringt von Kühen und Kälbern – fühlt man sich selbst wie ein Hirte. Von allen Seiten wird man beschnuppert und beobachtet.
«Zurzeit grasen auf unseren Weiden 154 Jungrinder, Kühe, Kälber und zwei Stiere», sagt Reinhard Studer. Er ist der Präsident der Allmendkommission von Oberbuchsiten, welche für den Unterhalt der Infrastruktur zuständig ist und den Sömmerungsbetrieb organisiert.

«Die Tiere kommen von 22 verschiedenen Bauern aus den Regionen Bern, Luzern und Zug», erklärt Studer. Schwarze, braune, gefleckte: Die verschiedenen Rassen leben auf der Weide bunt gemischt. Einige Kühe mit, andere ohne Kalb. Für die Tiere selbst ist aber nicht Reinhard Studer zuständig. Ein Bauernhaus ist auf der Allmend nirgends zu finden, nur zwei offene Viehställe. Wer also kümmert sich um die Tiere?

Welche Aufgabe hat die Allmendkommission des Sömmerungsbetriebs Oberbuchsiten, Reinhard Studer?

Welche Aufgabe hat die Allmendkommission des Sömmerungsbetriebs Oberbuchsiten, Reinhard Studer?

Ein Gespür für seine Tiere

Ein Mann mit Schiebermütze und Stumpen im Mundwinkel schreitet gemächlich über die Weide. Es ist Paul Ackermann, der Hirte der Allmendweide. «Ist es nicht wie im Paradies hier?», fragt er, ohne eine Antwort zu erwarten. Er inhaliert den Rauch und betrachtet seine Schützlinge.

Jeden Morgen steht Ackermann um halb sieben auf der Matte, um nach den Tieren zu schauen. Der Hirte ist alleine für die Tiere zuständig. Wenn eines krank oder verletzt ist, muss er sich um das Tier kümmern oder den Tierarzt auf die Weide holen. Das sei aber kein Problem für ihn, «ich sehe sofort, wenn sich eines der Rinder komisch verhält». Dafür entwickle man ein Gespür. Und wenn er Hilfe brauche, eile ihm der Bauer unterhalb der Allmendweide – der sogenannte Bergmeister – zu Hilfe.

Was Hirte Paul Ackermann auf der Oberbuchsner Allmend gefällt

Was Hirte Paul Ackermann auf der Oberbuchsner Allmend gefällt

Stolz schreiten die beiden Männer über die Weide. Ackermann erzählt: «Wir verfügen über eine zuverlässige Wasserversorgung mit eigenen Quellen.» Mit zusätzlichen Pumpen werde das Wasser in die auf der ganzen Weide verteilten Brunnen befördert. «Und da unten haben wir zwei Laufställe, da finden die Tiere Schutz vor Insekten, Sonne und Unwetter.» Man merkt, dass ihm das Wohl der Kühe und Rinder am Herzen liegt, auch wenn es nicht seine eigenen sind.

Hirte als Nebenerwerb

Trotz Paradies, die Arbeit ist nicht immer ein Zuckerschlecken. Auf 73 Hektaren muss der Hirte täglich Dornen schneiden, Unkraut ausreissen und neue Zäune aufstellen. Das Land liegt am tiefsten Punkt auf 600 Höhenmetern und am höchsten auf 800. Eine gute Kondition ist für den Hirten ein Muss.

Meist verbringt Ackermann vier Stunden am Tag auf der Weide. Daneben bewirtschaftet er in Holderbank einen eigenen Bauernhof mit Kühen. «Dieser ist zu klein, um davon leben zu können, deshalb kam mir die Stelle als Hirte wie gerufen», erklärt er. Die Sömmerungsbeiträge gehen an die Gemeinde, diese zahlt dem Hirten aber jeweils ab Mai einen Monatslohn aus.

Wenn die Bauern im Herbst ihre Kühe und Rinder wieder abholen, kehrt auch Ackermann zu seinem Hof und in den Wald zurück. «Bis die Tiere im Frühling wieder auf die Weide kommen, verbringe ich meine Zeit mit Holzen». Ob er gerne Hirte sei? «Natürlich, sonst wäre ich wohl nicht schon seit 20 Jahren dabei.» Er stösst eine Wolke Stumpenrauch in die Luft und schaut zu Reinhard Studer. «Nicht wahr?»