Tag der Selbsthilfe

Diagnose Prostata-Krebs: Jetzt will Betroffener eine Selbsthilfegruppe gründen

Es existiert ein breites Angebot an Selbsthilfegruppen. Sie bekannter zu machen ist das Ziel des Tags der Selbsthilfe.

Es existiert ein breites Angebot an Selbsthilfegruppen. Sie bekannter zu machen ist das Ziel des Tags der Selbsthilfe.

Letzten Sommer erhielt der Arzt Moritz Leiser* eine Diagnose: Prostata-Krebs. Nun will er eine Selbsthilfegruppe gründen.

«Mist, auch das noch», dachte sich Moritz Leiser. Das war im Sommer vergangenen Jahres, als er die Diagnose Prostata-Krebs erhielt. 2016 war er wegen einer Blinddarm- und einer Nasenoperation mehrfach im Spital.

«Den Krebs hat man dann eigentlich durch Zufall entdeckt», erzählt der 65-Jährige. Leiser ist Arzt und praktiziert in der Region. Tagtäglich stellt er seinen Patienten eine Diagnose. Seine eigene kam überraschend. Sie hat Leiser aber nicht aus der Bahn geworfen: «Ich habe jetzt 65 Jahre Zellteilung hinter mir, da kann es schon mal zu einer Fehlkopie kommen», so Leiser.

Bestrahlung und Hormonhemmer

Nach der Diagnose liess sich Leiser acht Wochen lang bestrahlen. Sein nächster Termin ist im Sommer. «Und das war es dann auch schon», erzählt der Arzt. Dann stünde noch ab und zu ein Bluttest auf dem Programm.

Von seinen Patienten kenne er viel schlimmere Geschichten: «Einige Männer können nach einer Operation das Wasser nicht mehr halten.» Er habe weder Chemotherapie noch eine Operation machen müssen. Zudem sind beim 65-Jährigen Lymphknoten und Knochen nicht vom Krebs befallen.

Einzig den Hormonhemmer, der die Sexualhormone blockiert, bemerkt der Arzt ab und zu im Alltag. «Ich bin künstlich in die Wechseljahre geschickt worden», scherzt der 65-Jährige. Die daraus folgenden Schweissausbrüche seien etwas unangenehm. Seine Rückenprobleme machen Leiser aber mehr zu schaffen. Und: Es sei gut möglich, dass er noch 10 bis 15 Jahre lebe. «Dann bin ich 80», sagt der Arzt. «Ich muss ja nicht 100 werden.»

Austausch soll Betroffenen helfen

Obwohl der 65-Jährige gut mit seiner Diagnose lebt: Verändert habe sich schon etwas. Er sehe vieles im Leben gelassener. Kleine Probleme bei der Arbeit oder mit Geld seien viel weniger wichtig geworden. Der Arzt begann sich zudem zu fragen: «Was habe ich in meinem Leben erreicht - was will ich eigentlich noch erreichen?» So hat sich Leiser auch ein Ziel gesetzt: Eine Selbsthilfegruppe gründen. Dieses Angebot fehlt im Kanton Solothurn noch. «Heutzutage gibt es doch für jede Krankheit eine Selbsthilfegruppe», so Leiser. Nur eben für Prostata-Krebs nicht.

Leiser ging deshalb auf die Kontaktstelle Selbsthilfe Solothurn zu. Nun ist eine Selbsthilfegruppe für Erkrankte, aber auch deren Angehörige im Kanton geplant. Denn: «Reden hilft», ist der Arzt überzeugt. «Beispielsweise in einer Partnerschaft spielt so ein Tumor ja schon eine Rolle», sagt Leiser, der selbst alleine lebt. Es könne Betroffenen helfen, Erfahrungen auszutauschen. «Nach so einem Unglück denkt man, man sei alleine auf dem Globus - aber das stimmt nicht.»

Leiser will aber keine «Selbstmörder-Gruppe» bilden, in der darüber geredet wird, wie schlimm das Leben mit Krebs ist. So eine Diagnose sei tatsächlich «Mist». «Aber wir können versuchen, etwas Besseres daraus zu machen.»

* Name geändert

Betroffene können sich bei der Kontaktstelle Selbsthilfe Solothurn melden. Sie informieren über die geplante Selbsthilfegruppe; info@selbsthilfesolothurn.ch oder 062 296 93 91.

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