Energie

Derzeit ist Heizöl günstig - So könnte sich der Preis entwickeln

Das Füllen des Heizöltanks ist deutlich günstiger geworden. (Symbolbild)

Das Füllen des Heizöltanks ist deutlich günstiger geworden. (Symbolbild)

Der Preiszerfall für Rohöl entlastet das Budget der Haushalte und das Heizöl ist günstig - doch wie lange noch? Es gibt verschiedene Faktoren, die den Endverkaufspreis für das Heizöl beeinflussen. Ein Experte sagt eine mögliche Entwicklung voraus.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Frage, soll ich Heizöl jetzt bestellen oder in Erwartung weiter sinkender Preise zuwarten, muss jeder Konsument für sich selbst entscheiden. Denn es handelt sich bei diesem Spiel um Spekulation, niemand kann den Preisverlauf verlässlich voraussagen. Fakt ist: Das Heizöl ist derzeit günstig. So kosteten 100 Liter Heizöl extra leicht vor einem Jahr durchschnittlich 101.25 Franken, aktuell sind es ungefähr 71 Franken. Das entspricht einem Rückgang von 30 Prozent. Bei einer Tankfüllung von 3000 Litern bringt das gegenüber dem Vorjahr eine Ersparnis von rund 900 Franken.

Es gibt aber – sich auch wiedersprechende – Indizien, die eine mögliche Preisentwicklung vermuten lassen. Vier Hauptfaktoren beeinflussen den Endverkaufspreis für das Heizöl:

Der Rohölpreis: Dieser ist innert Kürze um rund die Hälfte gesunken. Der stotternde Weltwirtschaftsmotor und vor allem die Abschwächung der chinesischen Konjunktur haben die Nachfrage nach dem schwarzen Gold sinken lassen, gleichzeitig wird Rohöl unvermindert gefördert. Die Folge ist ein immenses Überangebot, der Preis sinkt. Im Normalfall würde die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) die Förderung drosseln. Aber ein Machtkampf zwischen den USA und der Opec lässt das nicht zu. Die USA sind dank der zwar aus Umweltschutzgründen umstrittenen Schieferölförderung – Fracking genannt – vom weltweit grössten Rohölimporteur zum Exporteur geworden.

Die Opec-Staaten erwarten, dass ab einem gewissen Preisniveau das Fracking nicht mehr rentabel werde und die Amerikaner ihre Produktion zurückfahren. «Das Überangebot wird deshalb, gekoppelt mit der schwachen Nachfrage, vorerst bleiben», ist Raffael Weber überzeugt. Er ist Verkaufsleiter bei der Wyssbrod Heizöl AG in Biel und Präsident von Swissoil Bern-Solothurn, dem Regionalverband der Brennstoffhändler in den beiden Kantonen. Er erwartet gar eine Ausweitung der Förderung. Nach dem abgeschlossenen Atomabkommen mit Iran und der absehbaren Lockerung der Handelssanktionen werde ein neuer Anbieter auf den Markt drängen. Iran werde die Förderung der gewaltigen Erdölvorkommen hochfahren. Sein Fazit: «Der Rohölpreis wird tief bleiben.»

Der Wechselkurs: Das Rohöl wird in US-Dollar gehandelt. Deshalb spielt der Wechselkurs eine wichtige Rolle bei der Festsetzung des Heizölpreises in der Schweiz. Je stärker der Dollar gegenüber dem Franken notiert, desto teuer wird das Heizöl. Nach dem Absturz der US-Währung Mitte Januar auf unter 85 Rappen nähert sich der Kurs wieder der Parität. Weber: «Das ist mit ein Grund, warum der Heizölpreis weniger stark gesunken ist als der Rohölpreis.»

Die Frachtkosten: Das Heizöl wird auf dem Rhein ab Rotterdam nach Basel transportiert. Bei einem optimalen Pegelstand koste der Transport 1.50 Franken pro 100 Liter, so Weber. «Nach der Trockenperiode ist der Pegelstand tief und die Tanker können nicht vollladen. Der Frachtpreis liegt heute bei 4.40 Franken.» Diese Kosten werden nach normalen Niederschlagsphasen aber wieder sinken.

Staatliche Abgaben: Unbeeinflussbar sind die staatlichen Abgaben wie Mineralölsteuer oder CO2-Abgabe. Und Letztere wird den Heizölpreis bald stärker als bisher belasten. Denn der Bund erhöht die Abgabe von 60 auf 84 Franken je Tonne CO2. «Das wird das Heizöl exklusive Mehrwertsteuer um 6 Franken je 100 Liter verteuern», sagt Weber.

Nicht bis zum letzten Moment

Unter dem Strich rät der Heizölprofi den Konsumenten, mit dem Füllen des Tanks nicht bis zum letzten Moment zuzuwarten. Denn logischerweise werde gegen den Winter hin die Nachfrage nach Heizöl steigen und den Preis beeinflussen. Allerdings empfiehlt er, den Tank nicht ganz aufzufüllen, sondern nur so viel, um den Winter zu überdauern. «Es ist trotz höherer CO2-Abgabe möglich, dass der Preis im Frühling 2016 tiefer liegt als heute.» Natürlich alles ohne Gewähr.

Meistgesehen

Artboard 1