Ungeniert dürfe man ihm Fragen stellen, schreibt Roland Borer auf seiner Website. «Für Auskünfte, Kritik oder Tipps stehe ich gerne zur Verfügung.» Doch eine Frage lässt den ansonsten so gesprächigen SVP-Nationalrat aus Kestenholz wortkarg werden.

Auf sein Mandat beim Krankenversicherer Groupe Mutuel angesprochen, reagiert der 63-Jährige unwirsch: «Das können Sie vergessen», sagt Borer am Telefon. Auf «solche Spässe» habe er echt keine Lust. Welche «Spässe» der langjährige Parlamentarier denn meint, bleibt offen. Genaueres ist nicht zu erfahren, Borer beendet das Gespräch vorzeitig. Eine schriftliche Anfrage bleibt bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Tatsache ist jedoch: Borer ist Mitglied der «Groupe de Reflexion» der Kasse, die im Bundeshaus auf eine starke und gut bezahlte Lobby zählen darf. Tatsache ist auch: Die Groupe Mutuel hat diese Woche erneut für Empörung gesorgt. Ein Jahressalär von 2,2 Millionen Franken soll der langjährige Chef und Patron, Pierre-Marcel Revaz, erhalten haben.

Und auch die Löhne anderer Ex-Vorstandsmitglieder waren fürstlich, wie die «Nordwestschweiz» diese Woche publik gemacht hat. Die Recherchen stützen sich auf eine noch unveröffentlichte Untersuchung der Finanzmarktaufsicht Finma. Doch während die Saläre reihum sauer aufstossen, will sich SVP-Mann Borer nicht dazu äussern. Dass die Öffentlichkeit für die Bezüge kaum Verständnis hat, wird auch er wissen. Viele sind irritiert, gelinde ausgedrückt.

Bis zu 20 000 Franken pro Jahr

Verbandelt und vernetzt sind die meisten Krankenkassen im Bundeshaus. Doch die Groupe Mutuel, heisst es, sei dabei besonders gewieft. Vier SVP-Nationalräte und jeweils ein Parlamentarier von BDP und FDP sind mit der Firma verbunden. Roland Borer sitzt seit mindestens drei Legislaturperioden in der «Groupe de Reflexion», die sich nach eigenem Verständnis als Beirat versteht.

Das Unternehmen will nicht sagen, welche Entschädigung die Mitglieder erhalten. Laut früheren Beiräten betrage der Lohn bis zu 20 000 Franken pro Jahr. «Ich erhalte pauschal 10 000 Franken für vier Sitzungen im Jahr», erklärte die CVP-Nationalrätin Ruth Humbel im Sommer 2013. Die Aargauerin ist heute nicht mehr Mitglied im Beirat. Dafür sitzt sie seit Juni 2014 im Verwaltungsrat der Luzerner Concordia. 

Schon früher reagierte Roland Borer eher einsilbig auf Fragen zu seinem Mandat bei Groupe Mutuel. 2005 wollte er nichts dazu sagen. Trotz seines Mandats könne er seine Entscheide stets unabhängig treffen, erklärte er 2009: «Ich bin Mitglied in einem Think-Tank, der sich darüber Gedanken macht, wohin es mit dem Gesundheitswesen gehen sollte.» – Ob sich dieser Think-Tank auch mit den Salären der Chefetage befasst hat, hätten wir von Borer gerne auch erfahren.