Jura
Der Wolf und sein Hauptbeutetier Hirsch sind zurück im Jura

Noch kann der Wolf im Solothurner Jura nicht nachgewiesen werden, Spuren hat er aber schon in den westlichen Jurawäldern hinterlassen. Der Hirsch aber wird sich bald in unseren Wäldern ausbreiten und wieder heimisch werden.

Fränzi Rütti-Saner
Drucken
Teilen
Auch ein Hirschstier, genannt Yano, wurde verkabelt.

Auch ein Hirschstier, genannt Yano, wurde verkabelt.

Zur Verfügung gestellt

Der Wolf ist im Jura unterwegs», das sagt Mark Struch, Wildbiologe beim Amt für Jagd und Fischerei des Kantons Solothurn. Gesehen hat das scheue Raubtier aber noch niemand in unseren Wäldern, doch einige Indizien belegen, dass mindestens ein Exemplar in den westlichen Jura-Wäldern der Kantone Genf, Waadt und Neuenburg umherstreift.

Für Struch ist das kein Grund für Aufregung. «Das ist vorerst ein Einzelgänger, meist ein männliches Jungtier auf der Suche nach einem neuen Revier, das pro Tag gut und gerne zwischen 50 und 60 Kilometer zurücklegen kann», sagt er.

DNA-Analysen von Bissspuren an Beutetieren oder Kot belegen, dass es sich um einen Wolf handeln muss, der ursprünglich aus Italien stammt. «Die Tiere wandern über die Savoyer Alpen über den Vuache bei Genf in den Schweizer Jura ein», so Struch.

Er sieht vorerst aber noch kein Problem darin, wenn der Wolf auch in unsern Wäldern wieder heimisch wird, denn die Jägerschaft ist auf das neu auftauchende Raubtier vorbereitet. «Mit dem Grossraubtier Luchs haben wir viele Erfahrungen gemacht und sind zuversichtlich, dass der Umgang mit dem einwandernden Wolf auch gelingen wird.» Allerdings will er mögliche Probleme nicht negieren. «Die Mutterkuhhaltung, weidende Pferdeherden mit Fohlen oder auch vereinzelt Schafherden könnten Probleme bringen». Struch ergänzt aber: «Pferde können sich sehr gut gegen Wölfe wehren.»

Besonders bei der Mutterkuhhaltung oder auch bei unbehirteten Schafen oder Ziegen müsste der Herdenschutz mit Hunden ins Auge gefasst werden. Momentan ist es aber noch nicht so weit, auch wenn Struch deutlich sagt: «Der Wolf wird auf jeden Fall kommen und uns beschäftigen, denn der Jura ist als Lebensraum für ihn sehr geeignet.» Und gleichzeitig hält Mark Struch fest: «Wir haben bis heute keine Nutztier-Schadensmeldungen bekommen, die auf einen Wolf zurückzuführen wäre.»

Hirschmanagement

Die Kenntnisse zur Biologie des Rothirsches im Schweizer Mittelland sind unvollständig und gehen von «alpin-geprägten» Vorstellungen aus. Solche grundlegenden Informationen sind aber wichtig für das Hirschmanagement im Mittelland. Das vom Bundesamt für Umwelt BAFU und den Kantonen Bern und Solothurn getragene Projekt «Mittelland-Hirsch», in welchem die Hirschkuh Wika und der Hirschstier Yano mit einem GPS-Sender versehen Daten über ihre Standorte liefern, hat einerseits grundlegende biologische, andererseits praxisorientierte Aspekte. Es dient überregional dem optimierten Hirschmanagement im Mittelland, sowie regional der Förderung von Rotwild im Jura durch die Vernetzung der Jura- mit der Voralpenpopulation. Raumnutzungsmuster der Tiere sollen erkennbar gemacht werden. Man stellt fest, dass Hirsche im Mittelland ein anderes Verhalten an den Tag legen, als ihre Artgenossen im alpinen Raum. Auch soll festgestellt werden, welche Strukturen im Wald, aber auch in landwirtschaftlich genutzten Flächen von Hirschen als Rückzugs- und Deckungsorte bevorzugt werden. Zudem soll das Projekt Informationen dazu liefern wie der Hirsch mit dem stark besiedelten Mittelland und seiner Zivilisation umgehen kann. (mgt)
www.so.ch

Ein anderes Wildtier, das seit dem 19. Jahrhundert in unseren Wäldern nicht mehr anzutreffen war, ist der Rothirsch. Er meldet sich mit aller Kraft zurück. Struch sagt: «Wir stellen fest, dass der Hirsch von verschiedenen Richtungen in den Solothurner Jura einwandert. Einerseits aus dem Voralpen- und Emmental-Gebiet; diese Wanderung wird aber durch die A1 stark behindert. Aus dem Norden vom Elsass und den Vogesen her, und aus dem Westen über die ersten beiden Juraketten. Allerdings wird der Rothirsch in der Waadt und in Neuenburg stark bejagt, was die Zahl der einwandernden Tiere aus dieser Richtung reduziert.»

Haupteinwanderungsgebiet für Tiere, die im Kanton Solothurn festzustellen sind, ist demnach das Emmental. «Im Längwald zwischen Wangen an der Aare und Härkingen lebt ein Hirschrudel von etwa 15 bis 20 Tieren. Vorwiegend Kühe mit ihren Kälbern und Schmaltiere sowie ein paar junge Stiere. Schmaltiere sind letztjährige Jungtiere der Hirschkuh. In dieser Gruppe lebt auch die Rothirschkuh Wika, die seit März vergangenen Jahres ein GPS-Senderhalsband trägt. Nach bisherigen Erkenntnissen hält sich Wika im Sommer häufig im Raum Utzenstorf-Koppigen-Ersigen auf und wechselt im Winter in Einstände bei Bannwil und Kestenholz.

«Mit den Daten dieser Überwachung können verschiedenste Erkenntnisse gewonnen werden», so Struch. So seien beispielsweise die saisonalen Wanderungen der Hirsche im Mittelland anders, als bei denjenigen, die in den Voralpen leben. Aktivitäten sind bei den Mittelland-Tieren eher in der Nacht feststellbar. Während des Tages sind diese Tiere fast nicht zu entdecken, weil sie Dickichte aufsuchen, welche ihnen Schutz gewähren. In ihren Tageslagern sind sie nur sehr schwer zu auffindbar und zu beobachten.»

Mehrheitlich ist die Freude gross über die Rückkehr des Rotwildes bei den Jägern. Etwas differenzierter sehen es die Förster oder auch Landwirte, die Land an Waldrändern bewirtschaften. Struch sagt dazu: «Es kann Grasschäden in Waldrandnähe geben, doch deren Ausmasse sind nicht mit den Schäden zu vergleichen, welche Wildschweine anrichten.» Im Forst kann es zu Verbiss von Jungbäumen kommen und auch Schälschäden an Bäumen können auftreten. Aber ist ein Wald mit Kräutern und Gras durchwachsen, haben Hirsche Alternativäsung und die Verbissschäden an Waldbäumen sind geringer. Handelt es sich aber um einen dichten Wald, wo lichtbedingt kaum Kräuter und Gräser wachsen können, gibt es auch gröbere Verbissschäden an der Waldverjüngung.

Bei der nun zunehmenden Hirschpopulation stellt sich jetzt die Frage, ab wann und wie viele Tiere pro Jahr bejagt werden dürfen. «Wir dürfen nicht vergessen: der Hirsch ist äusserst produktiv – im Gegensatz etwa zur Gämse hat eine Hirschkuh jedes Jahr ein Kalb», so Struch. «Deshalb ist es wichtig, bei der Regulation zum richtigen Zeitpunkt einzugreifen». Man sei sich bei der Jagdverwaltung dieser Tatsache bewusst und stehe auch in Kontakt mit anderen Kantonen, welche mit Hirschen viel Erfahrung hätten.

Aktuelle Nachrichten