«Wallierhof Goes West» hiess es, als am Sonntag in Riedholz der Wallierhoftag über die Bühne ging. Bauern wurden zu Farmern, der Bauernhof zur Ranch. Das Angebot war überreich. «Sie bieten jedes Jahr mehr», fand Susanne Roth aus Hubersdorf, die immer wieder gerne an diesen Anlass kommt.

Stets bewährte Attraktionen standen auf dem Programm, ergänzt mit speziellen Schwerpunkten. Stangenklettern, Büchsenwerfen, Ackersurfen. Beim Trettraktor-Fahren wimmelte es von eifrigen Knirpsen – das grosse Angebot an Fahrzeugen reichte oft nicht aus. Hufeisenwerfen und Goldschürfen passten zum heurigen Motto.

Einblick ins Westernreiten

«Mir gefiel vor allem das Ponyreiten», sagte die 7-jährige Angelina Peter aus dem Leimental. Ihr Vater hat die Schule im Wallierhof absolviert, deshalb war sie mit ihrer Familie hier, mit drei Geschwistern. «Ich konnte auch Lasso und Hufeisen werfen», ergänzte Angelina, «aber für die 4-jährige Gloria ist das Lasso zu schwer.»

Tatsächlich, das Lasso ist kein schlaffes kurzes Hanfseil, kein «Gumpiseili», sondern ein sperriges, imposantes Ding. «Die Lassos sind steif. Sie werden aus Tierhaut oder mehr und mehr aus Kunststoff hergestellt», erklärte Vreni Brunner vom «fm Westernshowteam». Mit zwei andern Mitgliedern aus dem 15-köpfigen Verein gab sie dem zahlreichen Publikum einen Einblick ins Westernreiten.

Auf Freibergern sitzend zeigten sie, wie man ein- oder gar freihändig ein Pferd führt. Die andere Hand braucht man beispielsweise, um ein Rind einzufangen. «Das Pferd muss willig und ruhig sein», so Brunner, «die Freiberger sind dafür ideal, denn sie wurden für Aufgaben im Militär und der Bauern gezüchtet.»

Sie stehen stabil, sind nicht hoch, die Beine sind kurz. Noch einmal schwang ein Reiter mit ausladender Bewegung das Seil. «Das Westernreiten ist nicht einfach «Yihaah, Westernsattel mit viel glitzerndem Bling-Bling», sondern es braucht viel Training», so Vreni Brunner.

Rinder – Beef – war ein Schwerpunktthema. Man konnte Mutterkühe von vier verschiedenen Rinderrassen mit Kälbern bestaunen. «Angus» und «Limousin» sind zwei davon. «Diese beiden Rassen decken drei Viertel der Fleischrassen in der Schweiz ab», erklärte Peter Hügli aus Niederbipp, der selber Angusrinder hält.

Er warb für das Label «Mutterkuh CH». Diese Tiere seien auf der Weide und blieben bei der Mutter, bis sie zum Schlachthof müssten. «Naturabeef» gehöre zu diesem Label. Die ebenfalls ausgestellte Rasse «Grauvieh» erlebe in letzter Zeit Aufwind, aber sonst sehe man nur wenige der anderen 28 Rassen, die vom Plakat äugten. «Manche Rassen sind eher für Liebhaber.» Das anwesende «Texaslonghorn» ist gewiss eine Rarität hierzulande.

«Jösses,» staunt ein Mädchen bei dessen Anblick. «Pass auf mit den Hörnern!», mahnt ein Vater seinen Jüngling, der einen 600-Kilo-Brocken streichelt. Denn die Kühe zeigen sich in der Verteidigung ihrer Kälber auch ab und zu angriffig.

Selber wursten

In der Küche konnte man eine Bratwurst herstellen. Mit grosser Freude drehten Besucher den Hebel, der das Fleisch in den Schweinedarm presste. Im Raum roch es nach Gewürzen. Muskatnuss, Macis, Nelken...

«Mhm», meinte ein Geschwisterpaar zustimmend auf die Frage, ob sie denn ihre Wurst gerne essen würden. Betörender Honigduft lag beim Bienenhäuschen in der Luft, wo man Wissenswertes über die Bienen erfuhr und man leckere Blütenpollen kosten konnte. Schnell noch zum Streichelzoo, zur Kleintierausstellung, zum Markt mit regionalen Produkten. Ein Blick zur Line-Dance-Gruppe. Oder auf einen Drink in den schummrig-düsteren «Saloon», wo auch das Schwingfest übertragen wurde.