Bauernschule
Der Wallierhof zieht Romands an

Rund ein Fünftel aller Lehrlinge der Bauernschule in Riedholz kommen aus frankophonen Gebieten. Dank den vielen Lernenden aus der Westschweiz hat das Ausbildungszentrum stabile Schülerzahlen.

Morena Adimari
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Hoch oben in Riedholz befindet sich das Ausbildungszentrum Wallierhof, die einzige kantonale Berufsfachschule für landwirtschaftliche Bildung. Landwirt/Landwirtin EFZ sind die Lernenden nach abgeschlossener Ausbildung. Rund 60 bis 65 Lernende, aufgeteilt in verschiedenen Klassen, gehen in Riedholz in die Berufsfachschule. «Eine gewisse Stabilität der Schülerzahlen verdanken wir auch den Lernenden aus der Westschweiz», sagt Wallierhof-Direktor Jonas Zürcher. Diese können am Wallierhof ihre Lehre oder einen Teil ihrer mehrjährigen Ausbildung auf Deutsch machen. Im Schuljahr 2013/14 blieben viele Lehrstellen unbesetzt. Damals gab der Wallierhof an, künftig noch mehr in der Romandie rekrutieren zu wollen. Inzwischen sei der «momentane Tiefpunkt» 2013/14 aber aufgeholt worden, so Zürcher. Die Anzahl der Schüler am Bildungszentrum Wallierhof sei zwar Schwankungen ausgesetzt, aber grundsätzlich ziemlich stabil. Die Schuljahre 2015/16 und 2016/17 seien viel besser als zuvor.

Dennoch: Rund ein Fünftel aller Lehrlinge in Solothurn komme aus frankophonen Gebieten, hauptsächlich aus den Kantonen Freiburg, Waadt und Jura, bemerkt Zürcher. Würden diese ausfallen, blieben immerhin zirka 15 Lehrstellen pro Jahr unbesetzt.

Die Jugendlichen aus der französischsprachigen Schweiz finden bereits seit langem den Weg in die Solothurner Lehrbetriebe und in den Wallierhof – hinter diesem Austauschprogramm steckt eine Tradition. Nun wurde unter der neuen Leitung der Berufsfachschule dieses Projekt erneut gefördert. «Das Programm wurde aufgefrischt und für das Zielpublikum bekannt gemacht», erklärt Zürcher. Ziel sei es, die Schülerzahlen stabil zu halten und möglichst viele Lehrstellen mit motivierten Lehrlingen zu besetzen.

Rund ein Drittel der 15 Westschweizer, die in einem solothurnischen Betrieb eine landwirtschaftliche Berufslehre machen, gehen in den Wallierhof in die Schule. Die anderen haben ein Gesuch gestellt, um den Unterricht an einer französischsprachigen Schule zu besuchen. Der Anteil der Romands in den Betrieben ist somit hoch, das Besuchen der Schule in Riedholz seitens der französischsprachigen Schüler könne aber durchaus noch gefördert werden.

Anfängliche Unterstützung

Die Lernenden aus den frankophonen Gebieten werden am Anfang speziell unterstützt. Im ersten Semester können sie alle Übungsblätter und Tests auf Französisch lösen. Die Lehrmittel sind für die deutsch- und französischsprachigen Regionen gleich – bei Bedarf können die Schüler Unklarheiten einfach im französischen Kursbuch nachschlagen. Die Unterrichtssprache ist strikt Hochdeutsch, so werden die Lernenden nicht unnötig mit dem lokalen Schweizerdeutsch konfrontiert. Die meisten Lehrpersonen sprechen Französisch, betont Zürcher. Die Lehrkräfte hätten zwar keine spezifische Ausbildung in der Westschweiz genossen, dennoch würden sie viele Fachwörter auf Französisch kennen und sich gut verständigen können. «Zwei Lehrpersonen sind sogar zweisprachig, sie haben die Arbeitsblätter übersetzt», bemerkt Zürcher.

Lernstarke Schüler

Erfahrungsgemäss seien die ersten zwei bis drei Monate für die französischsprachigen Lernenden schwierig; es brauche eine gewisse Anlaufzeit, wie Zürcher erklärt. Arbeitsort ist Schulort: Da auf dem Lehrbetrieb, der ausschliesslich im Kanton Solothurn sein muss, nur Deutsch gesprochen werde, würden sich die Lernenden schnell im neuen Sprachsystem einfinden. Eher lernstarke Schüler fänden den Weg in die deutschsprachige Region; dies helfe sicherlich mit, die Anfangsschwierigkeiten zu minimieren. «Jemand, der schon zu Hause schulische Probleme hat, entscheidet sich meistens nicht für eine zusätzliche sprachliche Herausforderung.» Wenn dennoch bemerkt werde, dass einzelne Lernende überfordert seien, könnten sie den Schulort auch später noch wechseln und in einer ausserkantonalen Schule die Ausbildung weiterführen.

Die Verbesserung der eigenen fremdsprachlichen Kompetenzen sei eine wichtige Motivation, um die Lehre in Solothurn zu absolvieren. «Viele Landwirte aus der Westschweiz haben früher die Lehre hier gemacht. Wenn die Eltern gute Erfahrungen gesammelt haben, raten sie dies den Kindern an», sagt Zürcher. Nicht zuletzt sei man während einer Landwirtschaftslehre sowieso nicht zu Hause, sondern lebe auf einem fremden Betrieb: Die Schwelle, gleich in eine entferntere, vielleicht deutschsprachige Region zu ziehen, sei demzufolge kleiner.

Im Gegenzug seien weniger Lernende aus dem Kanton Solothurn in der Westschweiz. Warum die Westschweizer eher in die deutschsprachigen Regionen reisen, während die Solothurner zu Hause bleiben, scheint noch unklar.

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