Am 27. August bezogen die Kühe vom Wallierhof ihre neuen Gemächer oder besser gesagt den frisch fertiggestellten hochmodernen Kuhstall. Die dreissig Tiere haben sich nun langsam aber sicher im neuen Zuhause eingelebt. «Sie mussten sich zuerst an die Freiheit gewöhnen», erklärt Jonas Zürcher, Direktor der kantonalen Landwirtschaftsschule. Damit meint er vor allem die Bewegungsfreiheit, aber beispielsweise auch die Freiheit, dass die Kuh sich dann melken lassen kann, wann sie will.

Es braucht Zeit und Lockfutter

«Die ersten paar Tage lagen die Kühe oft auf dem Boden anstatt in den Liegeboxen, die extra mit Stroh gepolstert wären.» Nun nach zirka vier Wochen haben sie sich an die Liegeboxen gewöhnt. Dass eine Kuh auf dem Boden liege, komme nur noch selten vor. «Man sieht das auch daran, dass sie relativ sauber sind. Als sie noch oft auf dem Boden lagen, sahen sie auch dementsprechend anders aus.»

Die Kratz-Bürste auf dem Wallierhof ist bei den Kühen beliebt

Die Kratz-Bürste auf dem Wallierhof ist bei den Kühen beliebt

Die wohl grösste Umstellung und Herausforderung stellte für die Kühe der neue Melkroboter dar. «Die Kühe haben sich zwar bereits an die Maschine gewöhnt. Es kann jedoch noch Wochen oder Monate dauern, bis jedes Tier seinen Melkrhythmus im Tagesverlauf gefestigt hat», erklärt Zürcher. «Das erste Mal wurde jede Kuh in den Roboter geführt. Dieser mass die Euter aller Kühe aus und stellte sich so individuell auf jede Kuh ein.» Noch werden jene Kühe, die sich nicht genügend oft selbstständig zum Roboter begeben, von jemandem dorthin geführt. Immerhin hätte sich nach zehn Tagen jede Kuh mindestens einmal eigenständig mit dem Roboter gemelkt. «Es braucht halt Zeit, damit sie es lernen können.» Zwei bis drei Mal sollte sich jede Kuh pro Tag melken. Dafür bekommt sie als Belohnung eine eigens auf sie abgestimmte Kraftfuttermischung.

Kuh Nummer 11

Um den Vorgang zu demonstrieren, checkt Betriebsleiter Christoph Dreier die Daten auf dem Display des Roboters. Er kennt sich bestens mit der neuen Maschine aus. «Die Nummer 11 sollte gemolken werden.» Er holt Kuh Ravanella, die Nummer 11, aus dem Stall und führt sie zum Roboter. Dieser reinigt zuerst die Zitzen, dann hängt er die Melkbecher an und die Kuh wird gemolken. Nachdem der Melkvorgang abgeschlossen ist, werden die Zitzen desinfiziert und die Melkbecher werden sofort automatisch gereinigt.

Wallierhof-Betriebsleiter Christoph Dreier erklärt, wie der Melk-Roboter funktioniert

Wallierhof-Betriebsleiter Christoph Dreier erklärt, wie der Melk-Roboter funktioniert

Der ganze Melkvorgang wird genauestens aufgezeichnet. Der Roboter registriert, wie viel Milch die Kuh gibt, wie lange der Melkvorgang dauert, wie oft eine Kuh sich melken lässt, wie viel Fett und Eiweiss in der Milch enthalten ist. «Es gibt auch Kühe, die sich gerne 30 mal pro Tag melken lassen würden, weil sie das Kraftfutter mögen», lacht Dreier. «Solche Kandidatinnen werden aber vom Roboter durchschaut, dieser weiss ja, dass eine Kuh nur zwei bis drei Mal pro Tag gemolken werden soll.» Eine intelligente Maschine also, dieser Melkroboter, aber die Kühe scheinen auch nicht ganz dumm zu sein.

Eine weitere Neuheit ist auch der Roboter, der den Stallboden putzt. «Er fährt eigenständig durch den Stall und wischt den Dreck durch die Spalten im Boden in die Schwemmkanäle. Von dort fliesst er in die Jauchegrube», erklärt Zürcher. Der selbstständige Putzroboter nehme dem Betrieb viel Arbeit ab und reduziere die gasförmigen Verluste von Stickstoff in die Luft bedeutend.

Private Unterführung

Zur Herde, die bereits in die neuen Ökonomiegebäude eingezogen ist, kommt im Laufe des Winters noch eine zweite hinzu. «Bis jetzt befindet sich erst unsere Leistungsherde hier auf dem Wallierhof. Es wird noch eine Weideherde dazukommen.» Wie der Name schon sagt, wird die Weideherde sich vor allem auf der Weide aufhalten und sich dort ernähren. Die Leistungsherde hingegen lebt im Stall und auf dem Laufhof und wird mit Silage und Heu gefüttert.

«Die Weideherde wurde übrigens zum Teil aus der jetzigen Leistungsherde heraus gezüchtet. Im Moment sind die meisten Tiere der Weideherde noch im Aufzuchtbetrieb, sie werden dann aber etwa im Januar hochträchtig auf den Wallierhof kommen und im Februar oder März abkalben.» Und sobald der Frühling Einzug hält, kommt auch die eigens für die Weideherde gebaute Unterführung zum Einsatz. Diese führt die Kühe nämlich ins saftige Grün, ohne dass eine Strasse überquert werden muss.