Chlepfibeerimoos

Der Wald ums Chlepfibeerimoos lichtet sich

Das Chlepfibeerimos im Wasseramt ist das einzige Hochmoor im Kanton Solothurn. Weil es droht zu verlanden, werden nun 230 Bäume gefällt. Um den sensiblen Boden zu schonen, kommen Seilbahnen zum Einsatz.

Es rumort im Paradies der exotischen Arten. In zehn Metern Höhe surrt eine Rollvorrichtung, eine sogenannte Laufkatze, an einem Tragseil und schleift Baumstämme über den sumpfigen Boden. 230 Erlen, Birken und Fichten hat Daniel Schmutz, Leiter des Forstbetriebs Wasseramt, mit seinem Team in den vergangenen Tagen gefällt. Die Bäume hatten das Hochmoor, das von nationaler Bedeutung ist, bedroht (siehe Kasten).

Damit beim Abtransport der Stämme der sensible Torfboden nicht kaputt geht, hat man sich für einen Trick entschieden: Eine Seilbahn, wie sie sonst nur in Gebirgswäldern zum Einsatz kommt, wurde installiert. «Das ist einmalig im Mittelland», sagt Daniel Schmutz. Um die Anlage zu stabilisieren, wurde auf dem Moor ein künstlicher Mast aufgestellt und seitlich mit Drahtseilen abgespannt.

Eine Seilbahn schleppt Bäume im Chlepfibeerimoos herum

Eine Seilbahn schleppt Bäume im Chlepfibeerimoos herum

Forstwarte hängen nun insgesamt 120 Kubikmeter Holz an Drahtseile, die an der funkgesteuerten Laufkatze hängen. Dank eines vier Zylinder starken Dieselmotors können die Stämme ohne Kollateralschäden aus dem sensiblen Gebiet gehievt werden.

Auf wackligem Boden

Für Jonas Lüthy, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Abteilung Natur und Landschaft des kantonalen Raumplanungsamts, ist die Seilbahn eine bestechende Lösung. «Bis auf geringe Schleifspuren bleibt das Moor weitgehend verschont». Die Umweltschützer von Pro Natura, denen das Chlepfibeerimoos gehört, übernehmen rund einen Viertel der Kosten.

Die Förster bewegen sich auf wackligem Boden. Immer wieder sinkt ein Stiefel im Moor ein - trotz der kalten Temperaturen am Morgen. Im Sommer könnte man hier kaum arbeiten. Forstbetriebsleiter Daniel Schmutz springt in die Luft und stampft mit den schweren Arbeiterschuhen auf den Boden. Jetzt wabbelt der gesamte Untergrund. Die bis zu 16 Meter dicke Moorschicht bewegt sich wie ein Schwamm auf der Erdoberfläche und wird nur noch von Regenwasser gespeist. Der Torfkörper hat sich so weit nach oben gewölbt, dass der Kontakt zum Grundwasser abgebrochen ist. So entstehen Hochmoore.

Und was machen die Berner?

Doch warum hat man dem vorrückenden Waldgürtel zugeschaut, bis das Moor fast kollabierte? Noch vor 60 Jahren standen auf dem Moos nur einzelne Baumgruppen, gegen Nordwesten hin war es weitgehend offen. Dass man etwas machen müsse, sei schon lange klar gewesen, sagt Jonas Lüthy. Noch im Mittelalter lag hier ein offener See, der allmählich verlandete.

Mit der Trockenlegung des Aeschimooses in den 40er-Jahren habe auch die Verwaldung zugenommen. «Es war ein schleichender Prozess», so Lüthy. «Doch jetzt ist die Schmerzgrenze erreicht». Mit der Rodung stelle man den ungefähren Zustand von 1970 wieder her. Aus den Baumstämmen vom Chlepfibeerimoos werden später übrigens Spanplatten. Die Baumkronen werden in Holzschnitzelheizungen verfeuert. Die Seilbahn ist noch heute Donnerstag im Einsatz.

Ob auch die Berner Behörden eingreifen, auf deren Kantonsgebiet das Moor teilweise liegt, bleibt laut Jonas Lüthy offen. «Im Kanton Bern gibt es noch andere Hochmoore. Für uns aber ist es einzigartig.»

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