Wald im Wandel
Der Wald bleibt nicht, wie er ist

An einer Orientierungsversammlung diskutierten Forst-Fachleute über Nutzen und Wert des Waldes.

Noëlle Karpf
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Die Welt befindet sich im Wandel – ebenso der Wald. «Die Zeiten haben sich ‹schampar› geändert», meint der Revierförster des Leberbergs, Thomas Studer, im Gasthof Tscheppach’s. So ist dieser Anlass in Tscheppach dem Thema «Wald und Waldwirtschaft im Wandel» gewidmet. Verschiedene Fachleute aus der Region tauschen sich hier über aktuelle Probleme im Forstwesen aus.

Eine Veränderung, die die Anwesenden wesentlich beschäftigt, ist die Funktion des Waldes. Heutzutage gibt es für die Besucher viele Möglichkeiten, den Wald zu nutzen. Vita-Parcours und Wanderwege stehen jederzeit zur Verfügung – und zwar gratis. Dieses Angebot ist für viele selbstverständlich. Doch gerade dies stellt die Bewirtschafter vor Herausforderungen. «Holz ist immer noch das Kerngeschäft im Wald», meint zwar der Referent und Grenchner Revierförster Patrik Mosimann. Mittlerweile reicht der Ertrag daraus aber nicht aus, um für alle anderen erforderten Leistungen aufzukommen.

Laut mehreren Referenten erfüllt der Wald nämlich noch drei andere Funktionen. Das grosse Problem dabei? Nur für eine erhalten die Waldbewirtschafter finanzielle Entschädigung: für den Schutzwald. Er schirmt Lawinen und Steinschläge ab.

Doch eine Hektare Buchenwald filtert zudem jährlich 70 Tonnen Staub aus der Luft. Und eine Buche kann 1,7 Kilogramm Sauerstoff in einer Stunde freisetzen. Für diese «Schutzfunktion» gibt die Schweiz pro Jahr 60 Millionen Franken aus. Nebst Schutz sorgt der Wald für die Artenvielfalt. «Rund 30 000 verschiedene Lebewesen beherbergt der Schweizer Wald», erklärt Gian-Andrea Lombris, Revierförster der Bürgergemeinde Solothurn. Zudem gäbe es 53 verschiedene Baumarten in unserem Land. Zu guter Letzt ziehen wir Menschen einen direkten Nutzen aus dem Wald. Dabei handelt es sich um die «Erholung». Der Wald bietet einen Ausgleich zum Alltag und genügend Platz für Jogger, Velofahrer und Spaziergänger. Für dieses Programm zahlen Waldbesucher keinen Eintritt. Es gebe lediglich den «Waldfünfliber». Die Gemeinden zahlen dem Amt für Wald, Jagd und Fischerei für diese Bewirtschaftung des Waldes fünf Franken pro Einwohner. Waldbesucher erwarten und benutzen geräumte Strassen, aufgestellte Bänke und Feuerstellen im Wald.

Holzschläge müssen frühzeitig angesagt werden. So herrscht auf den Waldbewirtschafter enormer Druck, die Bewirtschaftungskosten steigen stetig an. Auch für Dienstleistungen wie Hochwasserschutz gibt es scheinbar «kaum eine Gemeinde», die dafür aufkommt. Was können die Förster dagegen tun? «Wenn die Leistungen nicht mehr bezahlt werden – dann erbringt sie doch einfach nicht mehr!», heisst es in der Diskussion. Darauf folgen sogleich Gegenvorschläge: Erstens bräuchten die Forstbetriebe das «Selbstbewusstsein, das gewohnte Produkt zu verkaufen». Zweitens müssten auch Dienstleistungen «vermarktet» werden. Dafür müssten Leute motiviert und die Öffentlichkeit auf den Wert dieses Angebots aufmerksam gemacht werden. «Wir sollten handeln wie ein Geschäftsführer», lautet ein Vorschlag. Andere wiederum wollen sich auf ihr Kerngeschäft zurückbesinnen. Schliesslich sei es nur durch die Holznutzung sicher im Wald. «Und wir müssen endlich unser Holz verkaufen», heisst es weiter. Dies soll auf regionaler Ebene geschehen – alles andere sei «Mumpitz».

«Der Wald ist ein Produktionsraum», und deshalb solle das Holz auch aktiv verkauft werden. Denn die Forstbetriebe haben mit einem Leistungsverlust bei der Holzproduktion zu kämpfen. Und der Holzpreis sei seit der Aufhebung des Euro-Mindestkurses «im Keller». Früher konnten die Forstbetriebe noch Brennholz aus ihren Laubwäldern verkaufen. Das hat sich seit der Einführung von Öl und Kohle geändert.

Grobe Eingriffe in Wälder würden heutzutage vermehrt negativ aufgefasst werden. Doch der Wald müsse genutzt werden, und zwar für die Sicherheit der Bevölkerung. Sturmschäden, kranke Bäume und so weiter müssen aus dem Wald entfernt, die Wälder gepflegt werden. Dadurch würden nämlich auch Besucher des Waldes geschützt. Auch dafür komme niemand auf, wurde gesagt. Klima und Ansprüche der Bevölkerung machen die Bewirtschaftung aber trotzdem zu einer Notwendigkeit. Eine mögliche Folge daraus könnte sein, dass Waldgebiet in Zukunft zu Pachtland wird und sich vermehrt ausländische Unternehmungen um die Wälder kümmern würden. Und so lauten die abschliessenden Worte dieser Veranstaltung: «Wer nichts verändern will, wird auch das vernichten, was er bewahren möchte.»

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