Eine grosse Überraschung war es ja eigentlich nicht, aber es löste dennoch einen Schock aus, als die Post vor einem Jahr ihre Pläne für das Poststellennetz der Zukunft präsentierte: 21 von damals noch 44 Poststellen im Kanton hatte sie in den Status «zu überprüfen» gesetzt.

Klingt gar nicht so schlimm, heisst aber so viel wie: Das Ende der Poststelle in der heutigen Form ist besiegelt. Wo die Post ihre Präsenz «überprüft» sucht sie nach Alternativen, mit Vorliebe setzt sie dabei auf sogenannte Partnerfilialen: Dorfläden, in denen auch Postdienstleistungen angeboten werden.

Es folgten Unterschriftensammlungen in betroffenen Gemeinden, eine Demo vor dem Rathaus, eine Standesinitiative und gehässige Empfänge für Postvertreter, die sich in die Gemeinden wagten, um die Dorfbevölkerung aus erster Hand über ihre Absichten zu informieren. Schnell hatte der Verband der Solothurner Einwohnergemeinden VSEG den Lead einer «Kampf-Kampagne» übernommen und war sogar bei Bundesrätin Doris Leuthard persönlich vorstellig geworden.

Dass man dabei offenbar einen beachtlichen Erfolg erzielte, blieb bisher nicht bloss von der breiten Öffentlichkeit kaum bemerkt, sondern ging auch an der VSEG-Generalversammlung vor Pfingsten neben der Präsidentenwahl etwas unter: Im Jahresbericht des Verbands ist nämlich nachzulesen, dass die Post «von höchster Stelle angehalten wurde, die angekündigten Poststellenschliessungen zu sistieren». Auch wenn der politische Prozess zur künftigen Definition des Versorgungsauftrags der Post erst anläuft: Als erster Teilerfolg des VSEG dürfe die Sistierung der Poststellen-Schliessungen sicher erwähnt werden.

Trotzdem Poststellen geschlossen

Sie wäre wohl sogar ein Grund zum Feiern – wenn es da nicht leise Zweifel gäbe, ob die angebliche Weisung von ganz oben überhaupt jemals unten angekommen ist. Markus Flückiger, der beim gelben Riesen «Verantwortlicher regionale Kommunikation Mitte» ist, weiss jedenfalls nichts davon. Eben erst letzte Woche hat er die Mitteilung verschickt, dass man als Nächstes in Däniken das Gespräch mit den Gemeindebehörden bezüglich Agenturlösung als Alternative zum klassischen Postschalter aufnimmt. Und was seit Bekanntgabe der Pläne für das Poststellennetz passierte, ist denn auch nicht unbedingt das, was man sich unter einem Moratorium vorstellt:

  • Seit September 2017 werden Postgeschäfte in Fulenbach im Volg-Laden erledigt.
  • In Büsserach machte die Post letzten November zu. Seither geht man in die Bäckerei Jeker, wenn man ein Paket aufgeben will.
  • Die Poststelle in Flumenthal hatte am 2. Februar letztmals geöffnet, dort wurde auf Hausservice umgestellt.
  • In Gunzgen wurde Ende April auf die Agenturlösung umgestellt, der Volg-Laden ist die Post-Partnerfiliale.
  • Fest steht inzwischen auch, dass die Poststelle in Niedergösgen geschlossen wird: Die Post-Dienstleistungen werden ab Herbst im VOI-Laden (Migros-Partner) angeboten.
  • In Mümliswil, Kriegstetten, Langendorf und anderen Gemeinden sind die Gespräche über den Ersatz für die Poststelle angelaufen, ohne dass bekannt geworden wäre, dass die Post von ihren Schliessungsabsichten abgerückt ist.

«Klar eine Sistierung aufgezeigt»

Hat man sich beim VSEG den Effekt der «Kampf-Kampagne» schöngeredet, sind die Schliessungspläne gar nie sistiert worden? Geschäftsführer Thomas Blum bestreitet das vehement. Was Fulenbach betrifft – wo Blum seit letztem Sommer selbst Gemeindepräsident ist –, sei die Umstellung auf eine Agenturlösung vor der Bekanntgabe weiterer Schliessungspläne vor einem Jahr und im Einvernehmen mit dem Gemeinderat beschlossen worden. Wann die Verhandlungen mit den oben erwähnten Gemeinden stattfanden, sei ihm nicht bekannt, so Blum.

Im Übrigen hält er daran fest: Einem Schreiben von Bundesrätin Doris Leuthard sei zu entnehmen, dass Bundesrat und Parlament die Versorgungssituation und die damit verbundenen neuen Versorgungszielsetzungen neu beurteilen, dies auch im Hinblick auf die Reaktionen des VSEG und aus der Bevölkerung. Das nennt man beim VSEG einen «politischen Marschhalt» im Bereich der Anpassung des Poststellennetzes. «Aus unserer Sicht wurde damit eine klare Sistierung von weiteren Poststellen-Schliessungen aufgezeigt», sagt Thomas Blum.

Es gibt kein Moratorium

Richtig ist, dass die Post in Erlinsbach und in Bättwil-Flüh im Schwarzbubenland auf ihren Entscheid zurückgekommen ist und den Gemeinden den Betrieb der Poststelle bis Ende 2020 garantiert hat. Und in Bettlach wurden die Gespräche mit den Gemeindebehörden und möglichen Partnern für einen Agenturbetrieb tatsächlich vorerst sistiert, man will noch einmal die Entwicklung der Poststelle im laufenden Jahr abwarten und dann Ende 2018/Anfang 2019 das weitere Vorgehen besprechen.

Laut Post-Sprecher Markus Flückiger hat das aber nichts mit einer Sistierung der vor einem Jahr präsentierten Pläne für die Entwicklung des Poststellennetzes im Kanton Solothurn zu tun. Er dementiert klar: Ein Moratorium gebe es nicht. Das Vorgehen sei so wie vor einem Jahr kommuniziert, daran habe sich nichts geändert: Man gehe die Zukunft der zu überprüfenden Poststellen im Dialog mit den Gemeinden an, diese Gespräche seien immer ergebnisoffen. Und man sei dabei auch nicht zeitgebunden. «Im Vordergrund steht eine für die postalische Versorgung gute, nicht die schnellste Lösung», so Flückiger.