In den Solothurner Hotels werden Zimmer gebucht wie noch nie: Nach Rekorden im 2016 und 2017 zeichnet sich dieses Jahr schon wieder ein neuer Rekord bei den Hotelübernachtungen ab. Sowohl in Olten als auch in Solothurn liegen die Logiernächte von Januar bis August 2018 deutlich über den Vorjahreswerten. In Solothurn sind es plus 11,7 Prozent (67'718 statt 60'619 Logiernächte), in Olten sind es plus 8,2 Prozent (52'056 gegenüber 48'119).

Zwar zeigt der Trend bei den Hotelübernachtungen 2018 schweizweit gegen oben (plus 3,8 Prozent). Bemerkenswert ist der Übernachtungsboom in Solothurn und Olten trotzdem. Denn die beiden Städte legen auf einem äusserst hohen Niveau zu: 2017 und 2016 haben sie bereits Allzeit-Rekorde gefeiert mit zuletzt über 92'000 Logiernächten in der Stadt Solothurn und 72'637 in Olten.

«Der Geschäftstourismus ist nach wie vor im Wachstum begriffen», sagt Stefan Ulrich von Olten Tourismus. «Unter der Woche hat die hohe Auslastung nun nochmals zugenommen.» Ulrich führt dies nicht zuletzt auf die «gute Konsumstimmung bei Firmen» zurück. In Olten stammen 85 Prozent der Übernachtungen aus dem Seminar- und Geschäftsbereich. Die Firmen seien derzeit bereit, Geld für auswärtige Seminare auszugeben, so Ulrich. Und Oltner Betriebe wie das Hotel Arte hätten – als weiterer Bestandteil des Erfolgs – auch entsprechende Angebote geschaffen.

Gute Auslastung, wenig Ertrag –  der Fachmann warnt 

Boomt die Wirtschaft, gehts auch den Hotels gut: Das ist auch in Solothurn zu hören, wo in Sachen Auslastung neben diversen Medizinaltechnikkonzernen auffällig oft der Name des US-Konzerns Biogen fällt. Dessen Milliardeninvestition in Luterbach belebt auch die Hotelbranche. «Die Wirtschaft läuft, die Firmen haben viele Besucher», sagt Roland Furrer, der nicht nur das Hotel an der Aare und den «Bären» in Solothurn betreibt, sondern auch die kantonalen Hoteliers im Vorstand des Branchenverbands «Hotelleriesuisse Bern plus Mittelland» vertritt.

«Fast alle Betriebe sind mit der Auslastung zufrieden, aber nicht alle mit dem Ergebnis», bilanziert Furrer. Zwar habe sich mit dem schwächeren Franken das Preis-Leistungs-Verhältnis für Gäste inzwischen spürbar verbessert. Um attraktiver zu werden und die Auslastung zu steigern, hätten einige Hotels in der Vergangenheit die Preise gesenkt. «An einem Sommerwochenende sind die Preise heute tiefer als früher», so Furrer. Dies bleibe nicht ohne Folgen, denn das Geld fehle anderswo. «Es entsteht ein Investitionsbedarf.» Hinzu kommt: Auch das Angebot ist in der Stadt Solothurn gewachsen, so ist die «Krone» etwa als «Couronne» wiedereröffnet worden. Neue Anbieter und deren Impulse seien zwar grundsätzlich positiv, so Furrer. «Unter den bestehenden Betrieben gibt es aber eine Verschiebung.»

Am Wochenende fehlen die Freizeittouristen meist

Sowohl Solothurn als auch Olten leben vom Geschäfts- und Seminartourismus. Gerade die Wochenenden seien schlechter belegt, insbesondere in den Wintermonaten, sagt Hotelier Roland Furrer. «Sie sind nur gut besetzt, wenn es Veranstaltungen gibt.» Während Hoteliers in grösseren Städten von kulturellen Angeboten, Shopping oder Museen profitierten, «können wir dies in dieser Auswahl nicht bieten.»

Dass die Auslastung im Freizeitbereich vor allem dank Anlässen gesteigert wird, bestätigt auch Stefan Ulrich von Olten Tourismus: In der Dreitannenstadt hätten nicht zuletzt dank Grossanlässen wie Karl’s kühne Gassenschau oder dem Theater zum 100-Jahr-Jubiläum des Landesstreiks die Privatübernachtungen zugenommen. So gross müssten Anlässe nicht immer sein, sagt Roland Furrer, der in Solothurn von den Film- oder Literaturtagen profitiert. Schon ein Konzert im «Kofmehl» könne spürbar sein.

Würden dann nicht Pauschalangebote, etwa mit Ausflügen helfen? Nicht unbedingt, sagt Furrer. Diese seien vor allem da, «um im Schaufenster Präsenz zu zeigen». Gebucht würden sie aber nicht oft.

Dass der Seminar- und Geschäftsbereich erfolgreich läuft, führt man sowohl bei Olten Tourismus als auch bei Solothurn Services – neben der Arbeit der Hoteliers – nicht zuletzt auf die eigenen Bestrebungen zurück, Seminartouristen in die Städte zu holen. Beide Organisationen sind seit einigen Jahren an Messen präsent und beackern die Kunden am Seminarmarkt direkt. Standortvorteile sind demnach die gute Erreichbarkeit und der Preisvorteil gegenüber grösseren Städten oder die schöne Altstadt.

Wenig Marketingbudget, aber eine gute Vernetzung

Auch wenn die Präsenz Früchte trägt: Gross sind die Mittel nicht, um für Solothurn oder Olten zu werben. Das Rezept, um aus diesen Mitteln möglichst viel herauszuholen, sei, möglichst gut vernetzt zu sein, sagt Murielle Blaser, Leiterin Marketing & Verkauf bei Solothurn Services. So suche man die Zusammenarbeit mit den SBB, mit Famigros, der BLS oder mit Bern Tourismus, um auf deren Plattformen präsent zu sein. Inzwischen hat es Solothurn etwa auf eine Erlebniskarte von Bern Tourismus geschafft, wo man als Ausflugstipp beworben wird. Ein Erfolg, so Blaser, seien auch die Solothurn querenden Velorouten, die unter nationalem Dach beworben werden. «Wir haben deshalb schon Spanier und Australier bei uns gehabt», so Blaser.