Tobs

«Der Trip Rousseau»: Ein wildes Philosophenleben in 105 Minuten

Am Tobs in Solothurn wird das Stück «Der Trip Rousseau» als deutschsprachige Erstaufführung gezeigt.

Wie bringt man heute die Ansichten und Lehren eines Jean-Jacques Rousseau (1712–1778) unter die Leute? Philosophische Gedanken, die vor über zweihundert Jahren entstanden sind, die aber unser westliches Weltbild bis heute prägen; die vereinnahmt wurden von Robespierre, Marx und Che Guevara; die sich in den Sparten Biologie, Pädagogik, Politik und Soziologie niedergeschlagen haben.
Diesen Fragen stellte sich Autor Dominique Ziegler im Jahr 2012, als er angefragt wurde, ein Stück zum 300. Geburtstag des Genfer Denkers zu schreiben.

Und so hat er ein Stück geschaffen, in welchem der Zuschauer in rasanten 105 Minuten das gesamte Leben und Denken dieses oft widersprüchlichen Philosophen miterleben kann. Dieses beginnt bereits im Mutterleib. Doch schon bald ist der kleine Jean-Jacques auf sich allein gestellt und stets auf der Suche nach einer Mutterfigur. So langsam findet er Bildung und Liebe auf den vielen Stationen seines aufregenden Lebens und immer stärker setzen sich seine ganz eigenen, universellen Denkprozesse fest, in denen er die gesamte Gesellschaft, ihren Umgang mit der Natur (schon vor 200 Jahren) kritisch hinterfragt.

«Wenn die Natur uns dazu bestimmt hat, gesund zu sein, so wage ich es zu behaupten, dass der Zustand der Reflexion ein widernatürlicher Zustand ist und dass der nachdenkende Mensch ein verdorbenes Tier ist», sagte er 1755. Worauf sein Kritiker Voltaire meinte: «Man bekommt wieder Lust, auf allen vieren zu gehen, wenn man Ihr Werk liest.» Dominique Zieglers Anspruch für dieses Stück war, dass der Theaterbesucher, auch wenn er Rousseau’s zunächst Theorien nicht kennt, er einen Zugang zu dessen vielfältigem Werk erhält.

Kostümwechsel in atemberaubender Geschwindigkeit

So ist «Der Trip Rousseau» eine fast comicartige Aneinanderreihung von Szenen aus Rousseaus abenteuerlichen Leben. Mittelpunkt ist natürlich der Philosoph selbst, kongenial dargestellt von Liliom Lewald in Worten und Taten. Fast durchgängig steht er auf der Bühne und bestimmt Drive und Action des Stückes. Seine Mitspieler Antonia Scharl und Pascal Goffin verkörpern in atemberaubender Geschwindigkeit alle anderen Personen, die Rousseaus Leben kreuzen: Mütter, Geliebte, Mönche, Nonnen, Ehefrau, Marx, einen Kutscher, Lakaien, den Solothurner Gesandten. So finden eine Menge von Kostümen und Perücken im Lauf des Stücks ihre Anwendung.

Regisseur Robin Telfer hat das mitunter chaotische Leben von Rousseau und seinen Mit-Protagonisten mit oft slapstickartigen Einlagen aufgelockert. Es sei hier nur die Kutschenszene erwähnt. Chaos herrscht hingegen auf der Bühne (Bühne und Kostüme Siegfried Mayer), sinnbildlich für Rousseaus Widersprüche. Einzig in der idyllischen Naturlandschaft, die im Hintergrund zu sehen ist, scheint eine Art von Ordnung zu herrschen.

Aufführungen: 16., 26.9.; 13.10.; 5.11.; 4.12. Premiere Biel: 6.10.

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