Wohneigentum
Der Traum von eigenen vier Wänden rückt bei den tiefen Hypozinsen näher

Die Hypozinsen sind wegen der Euro-Schuldenkrise auf ein neues Rekordtief gesunken. Warum? Banken aus der Region erklären, weshalb man heute dem Traum vom Eigenheim näher ist.

Franz Schaible
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Das Geld für Hypotheken ist günstig zu haben.

Das Geld für Hypotheken ist günstig zu haben.

Walter Christen

Seit Frühling 2008 kennt der Hypothekarzins nur eine Richtung: nach unten. Damals kostete eine 5-jährige Festhypothek im Durchschnitt rund 4,3 Prozent. Aktuell liegt der Satz bei 1,6 Prozent. Für den Kreditnehmer schenkt das ein.

So sinkt die Zinsbelastung für eine Hypothek von beispielsweise 500000 Franken von 21500 Franken auf 8000 Franken.

Tiefstzinsphase hält an

Die wirtschaftliche Unsicherheit, die Schuldenkrise in Europa sowie die Flucht in den sicheren Hafen des Schweizerfrankens hätten dazu geführt, erklärt Reto Ammann, Mitglied der Geschäftsleitung der Regiobank Solothurn. «Das Zinsniveau wird bis Ende Jahr auf dem tiefen Niveau verharren.» Denn die Nationalbank könne wegen der Frankenstärke und der Rezessionsangst die Leitzinsen gar nicht erhöhen. Zum selben Schluss kommt Marcel Müller, Mitglied der Geschäftsleitung der Baloise Bank SoBa. «Die Tiefzinsphase hält voraussichtlich unverändert an.»

Die Nachfrage nach Wohnbauhypotheken sei weiterhin hoch, erklärt Stefan Wälchli, stellvertretender Direktor der Clientis Bank Oberaargau. Das Wachstum im 2011 beziffert er auf rund 4,5 Prozent. «Im Moment wollen viele Mieter aus Kostengründen Wohneigentümer werden.» Auch bei der Bank SoBa sei der Bestand
an Hypotheken weiter gestiegen, die genauen Zahlen werden aber erst im März publiziert.

Die Nachfrage bleibe stark, sagt seinerseits Ammann, schränkt aber gleichzeitig ein. «Im Gleichschritt nimmt bei den Zinskonditionen auch die Intensität des Konkurrenzkampfs unter den Banken zu.» «Seine» Bank bewillige längst nicht mehr alle Kreditgesuche. «Deshalb hat sich der Bestand an Wohnbauhypotheken für den Eigenbedarf 2011 rückläufig entwickelt.» Das sei aber angesichts des erwähnten Wettbewerbes «eine gesunde Entwicklung».

«Vergabekriterien eingehalten»

Gelassen reagieren die Banken auf die Absicht des Bundesrates, strengere Regeln bei der Kreditvergabe einzuführen. Die Berner Kantonalbank setze «bei allen Hypothekarkrediten mindestens 20 Prozent echte Eigenmittel, das heisst ohne Pensionskassengelder, voraus», sagt Bankensprecher Hanspeter Merz. «Die Vorschläge des Bundesrates sind vernünftig, wir haben sie bereits umgesetzt.» Marcel Müller von der Bank SoBa versichert: «Grundsätzlich vergeben wir Wohnbauhypotheken bis maximal 80 Prozent des durch die Bank definierten Liegenschaftswertes.»

Ausnahmen gebe es nur dann, wenn diese entsprechend begründet seien. Auch halte man sich an die üblichen Tragbarkeitsgrenzen. «Die SoBa stützt sich gar auf das tiefere Nettoeinkommen ab.» Auch die Clientis Bank Oberaargau halte sich, so Wälchli, an die Richtlinien. «Wir lehnen relativ viele Gesuche ab, weil vermehrt Personen einen Kredit wollen, die sich Wohneigentum gar nicht leisten können.»

«Ein gutes Gefühl»

Während der nun seit Jahren dauernden Tiefstzinsphase habe man die internen Kreditvergabekriterien nie aufgeweicht, sagt Ammann von der Regiobank. Die vom Bundesrat vorgeschlagene Verschärfung der Eigenmittelvorschriften sei aber der falsche Ansatz. Dies könnte dazu führen, dass Banken den Verkehrswert einer Liegenschaft zu hoch ansetzten, um die Belehnungsgrenze von 80 Prozent nicht zu überschreiten.

Die Regiobank achte bei der Finanzierung auf die Ermittlung des nachhaltigen Wertes einer Liegenschaft; dieser entspreche oft nicht dem Verkaufspreis. Wenn die Belehnungsgrenze trotzdem überschritten sei, verlange man eine höhere Amortisation. «Ich habe ein gutes Gefühl. Auch wenn die Zinsen dereinst wieder steigen werden, werden wir keine grossen Zins- und Amortisationsausstände haben.»