Schloss Waldegg
Der Tod ist stärker als der Papst: Im Schloss Waldegg wurde gezockt wie vor 300 Jahren

Das Kartenspiel Tarock –oder Troggen – ist ein altes Kulturgut. Das Schloss Waldegg bildete die perfekte Kulisse, um eine fast in Vergessenheit geratene Tradition wieder aufleben zu lassen.

Hans Peter Schläfli
Merken
Drucken
Teilen
Einführung in die 78 Karten.

Einführung in die 78 Karten.

Hans Peter Schläfli
Soirée Tarot im Schloss Waldegg

Soirée Tarot im Schloss Waldegg

Hans Peter Schläfli

«Zocken wie die Patrizier im alten Solothurn.» Unter diesem Motto stand am Samstag die Soirée Tarot. Gespielt wurde Tarock nach Regeln, wie sie so ähnlich schon vor 300 Jahren galten.

Trumpf 13 ist der Sensemann und der Tod ist stärker als der Papst. «Excuse», die Karte des Vagabunden, ist ein Freipass, bricht mit sämtlichen Regeln und kann jederzeit gespielt werden. Aber am wertvollsten ist immer noch das Paradies, die höchste aller Trumpfkarten. So lauten ein paar der vielen Regeln, an die man sich beim Tarock – oder Troggen, wie es in Solothurn genannt wurde – zuerst merken muss, bevor man ernsthaft mitspielen kann.

Von Söldnern importiert

Das Schloss Waldegg mit seinen reich dekorierten Räumen, den Gemälden und dem Mobiliar aus dem 17., dem 18. und 19. Jahrhundert bildete die perfekte Kulisse, um eine fast in Vergessenheit geratene Tradition wieder aufleben zu lassen. Tarock war eine Leidenschaft von Wolfgang Amadeus Mozart, Johann Strauss Sohn, Johannes Brahms und Sigmund Freud. Und man kann sich leicht vorstellen, wie hier im Schloss Waldegg einst die Besenvals ganze Nächte hindurch mit den Tarotkarten zockten und das grossbürgerliche Leben nach französischer Art genossen, das damals in Solothurn gepflegt wurde.

Und so setzen sich zwischen vier und sechs Personen im Türmli des Schlosses Waldegg an einen der mit blauem Filz bezogenen Spieltische, schauen sich die Hand voller Karten an und setzen ihre Perlmutt-Jetons ein – wie einst die edlen Leute des Ancien Régimes. Die zunächst regen Gespräche verstummten nach und nach. Höchste Konzentration war gefordert.

Und nicht nur das Ambiente stimmte, auch die Karten, mit denen am Samstagabend die rund 20 «Adeptes» des barock-französischen Lebensstils spielten, sind exakte Kopien der 1718 durch den Biberister Franz Heri, gestaltenen und in Solothurn gedruckten Motive. «Das Spiel stammt ursprünglich aus Norditalien», erklärte Erich Weber den Neulingen die Geschichte.

«Zwischen den Schlachten langweilten sich die Söldner. Sie lernten von den Einheimischen, wie man Tarock spielt und brachten die Karten mit nach Solothurn, das sich mit der Zeit sogar zu einem Zentrum der Spielkartendrucks entwickelte.» Die Tarotkarten waren ursprünglich nur fürs Spielen gedacht, die esoterische Deutung und Wahrsagerei kamen erst sehr viel später dazu.

Troggen ist für ein Tarock-Blatt vom Typ «Tarot de Marseille» konzipiert, welches 78 Karten umfasst: 21 Trumpfkarten, die Excuse (Le Mat) sowie die vier Farben: Stäbe (Bâtons), Schwerter (Épées), Kelche (Coupes) und Münzen (Deniers) zu je 14 Karten. Da die damals im solothurnischen geltenden Regeln nicht exakt rekonstruiert werden konnten, wurden durch das Museum Blumenstein neue Regeln formuliert, die der alten Spielweise möglichst nahe kommen sollten.

Die neuen Regeln zielen darauf ab, den Zugang zum Spiel möglichst einfach zu gestalten und gleichzeitig den Spielspass zu maximieren. Sie sind eine Synthese der Regeln des zeitgenössischen französischen Tarocks mit jenen des ebenfalls noch im Oberwallis gespielten Troggu. «Wir betrachten das Troggen als immaterielles Kulturerbe und möchten das Kartenspiel wiederbeleben», sagt Andreas Affolter, Leiter des Museums Waldegg.

Auf dem Computer lernbar

Am 14. September wird im Schloss Jegenstorf eine weitere Tarock-Spielrunde durchgeführt. Wer bis dahin das Troggen systematisch lernen möchte, kann dies dank dem Museum Blumenstein über ein ausführliches Tutorium im Internet tun. Hier werden alle Karten vorgestellt, die Regeln und Strategien erklärt. Nach ein paar durch den Computer geführten Spielen gibt es sogar noch Tipps und Tricks vom Profi, damit der erfolgreicher Zocker-Laufbahn nichts mehr im Wege steht.

Lernspiel auf dem Internet: www.troggen