Schauplätze

Der Theatersommer kann beginnen

Derzeit wird auf dem Rosegghof in Solothurn noch intensiv für «Ferie uf em Buurehof», eine «Krimorette», geprobt.

Derzeit wird auf dem Rosegghof in Solothurn noch intensiv für «Ferie uf em Buurehof», eine «Krimorette», geprobt.

Drei besondere Theater-Projekte von drei Kulturbotschafterinnen gehen in der Region Solothurn über die Bühne: Zwei Freilichtspiele und ein Musiktheater.

Zwei Freilichtspiele und ein Musiktheater – eine sogenannte «Krimorette» in bäuerlichem Umfeld – werden das Publikum in diesem Sommer zu unterschiedlichen Schauplätzen in der Region einladen. Den Auftakt am 10. Juni macht die kriminalistisch angehauchte Operette «Ferie uf em Buurehof» auf dem Rosegghof in Solothurn.

Andreas Berger hat die Story geschrieben, Regie führt Simon Burkhalter. Die Schauspieler- und Gesangstruppe besteht aus dem Chor «taKtLOs», der unter der musikalischen Leitung und mit solistischen Einsätzen von Katharina Spielmann auftritt.

Die Dirigentin hat mit Berger, der auch als Schauspieler mitwirkt, und Solist Jan-Martin Mächler gemeinsam die Idee zum Stück entwickelt, das zum Berger-Text etliche Melodien aus der Wiener Erfolgs-Operette «Der Bettelstudent» von Karl Millöcker ( 1842–1899) verwendet.

Wer erinnert sich nicht gerne etwa an das Lied «Ach, ich hab’ sie ja nur auf die Schulter geküsst», das in dieser Fassung reizvoll anders erklingt. Zum Inhalt sagt Spielmann: «Wir haben einfach die Operette ‹Der Bettelstudent› mit ihren Intrigen und Machenschaften in Politik und Gesellschaft spannend weitererzählt.»

Im Bühnenbild von Oskar Fluri bewegen sich rund 25 Chormitglieder und sogar ein Kinderballett («Mobile», Urtenen). Die Begleitung zu Chorauftritten und Sololiedern gestaltet Ernst Rohrer auf dem Akkordeon. Mit Vorfreude blickt der Chor «taKtlOs» nach jetzt 24 Proben auf die bevorstehenden Aufführungen. Von Mitsingenden ist zu hören: «Wir schätzen das Gemeinschaftsgefühl, das wohltuende Singen, das Kraft für den Alltag schafft, und vor allem den ‹Spirit› im Chor, der viel Raum zur Weiterentwicklung eröffnet.»

«Schmissig» mit Jazz-Rhythmen

Gleich eine Woche später lockt am 17. Juni der ländliche Rahmen rund ums Hornusserhaus Oekingen mit gemütlicher Landhaus-Kulisse. Hier führt die Bühne Burgäschi ihr «Bezauberndes Fräulein» als musikalische Komödie von Ralph Benatzky ( 1884–1957) auf. «Wir lieben dieses meisterhafte Werk in kleiner Form», unterstreicht Melanie Gehrig, verantwortlich für Inszenierung, Bühnengestaltung und Kostüme. Diese Aufführung bedeute ein «Zwischenjahr», denn erst im kommenden Jahr findet im Zweijahresturnus die nächste Grossproduktion der Wasserämter Bühne – diesmal im Zirkuszelt – statt.

«Mit den sechs Vorführungen unseres ‹Fräulein› verkürzen wir den Freunden unserer Burgäschi-Operetten die Wartezeit», schmunzelt Melanie Gehrig. Ganz kompakt in nur wenigen Wochen finden gegenwärtig die Proben statt, an denen überwiegend professionelle Kräfte und Schauspieler aus dem Burgäschi-Team beteiligt sind. «Damit bieten wir frei arbeitenden Künstlern eine Auftrittsmöglichkeit.» Als musikalischer Leiter, der diesmal kein grosses Operetten-Orchester, sondern für die mitreissenden Benatzky-Kompositionen eine 16-köpfige, rhythmisch-rassige Jazzband führt, steht ihr Reimar Walthert zur Seite.

Mit im Leitungstrio ist ebenso Hermann Gehrig, der sich dank seiner langjährigen Erfahrung auf wichtige Arbeiten im Hintergrund des Geschehens konzentriert. «Wir drei sprechen uns intensiv ab, weil ohne den anderen die Sache eben nicht gelingt», benennt Melanie Gehrig den erfolgreich verlaufenden Prozess der Nachfolgeregelung. «In dieser, meiner Arbeit erhalte ich die Freiheit, die aufgeführten Stücke zu entrümpeln, von Kitsch zu befreien und sie vor allen Dingen den Menschen im Ensemble anzupassen.» Nachdem die Besetzung bekannt sei, gewännen die Figuren bei ihr Profil und später ein charaktervolles Eigenleben, das sie gerne unterstütze.

«Etwas fürs Herz»

«Ich liebe meine Figuren heiss», sagt Autorin und Regisseurin Iris Minder. Die mit Auszeichnungen bedachte Bühnenfrau ist die «Amtsälteste» der drei hier vorgestellten Theatermacherinnen und hat in unendlich vielen selbst geschriebenen Stücken historische Ereignisse, Legenden und viel-thematische Stoffe für die Freilichtbühne, fürs Kleintheater sowie für Jugend- und Seniorenaufführungen geschrieben und in Szene gesetzt.

Für die Kulturgruppe Landshut in Utzenstorf hat sie mit «Die von Rosenau zu Landshut» eine fiktive Adelsfamilie zum Leben erweckt. «Wir persiflieren in einer Art Theater im Theater mit 17 Sprechrollen und 2 Statisten die in ‹Heftliromanen› beschriebene Romantik in Sehnsucht und Liebesschmerz als Problemchen einer Theatergruppe», berichtet Minder.

Das glücke schon jetzt während der Proben in der so harmonisch mit Mitspielern aus dem Emme-Gebiet und aus Grenchen gemischten Amateurtheatertruppe. «Wir haben viel Spass miteinander», kennzeichnet die Regisseurin das gute Vorbereitungsklima. Starten wird das Freilichtspiel am 22. Juli direkt am Schloss Landshut.

Der Trägerverein, gebildet aus den Patronatsgemeinden Bätterkinden, Utzenstorf, Wiler und Ziele-bach, hat Minder nach «Die Schöne und das Biest» und dem geschichtlichen Szenenspiel 2014 im Park nun auch mit dem um 1900 spielenden heiteren Stück «Die von Rosenau ...» beauftragt. Die Komödie dreht sich um eine gestrenge Sittenwächterin, ein Gespinst von Liebeleien im Schloss, einen besonders vielseitigen Butler und Frauen mit lauter Rosennamen.

Katharina Spielmann

Katharina Spielmann

Katharina Spielmann (Messen), die mit ländlich eingebetteten Musik-Veranstaltungen bekannt geworden ist, ist hauptberuflich als Gesangspädagogin am Konservatorium in Bern tätig. Die Arbeit mit Profis und Laien motiviere sie, derartige aufwendige Anlassreihen durchzuziehen, weil im Bühnenspiel Menschen über sich selbst hinauswüchsen, betont sie. «Vor allem jedoch will ich unsere Kultur nicht als etwas abgehoben Elitäres sehen, sondern nah am Leben ansiedeln. Zum Beispiel auf Bauernhöfen». Aufführungen «Ferie uf em Buurehof»: 10./11. /12. Juni, Rosegghof, Solothurn; 17./18. Juni, Hof Wyss, Aetigkofen; 24./25. Juni, Feldhof, Messen; 1./2. Juli Eichhof, Spins bei Aarberg. Vorverkauf bei den Landwirten. Beginn 20 Uhr; am 12. 6. 14 Uhr.

Melanie Gehrig

Melanie Gehrig

«Ich liebe einfach die Kunstform Operette», bekennt Melanie Gehrig. Zudem geniesse sie die Spiellust der vielen Mitwirkenden. Als ausgebildete Musik- und Theaterwissenschaftlerin sei sie glücklich über die wunderbare Nische, die sie in der Bühne Burgäschi und dem wachsenden guten Ruf ihrer Veranstaltungen gefunden habe. Im «Bezaubernden Fräulein» geht es um eine konfliktreiche Idylle, die sich auf humorvolle Weise um neun besonders gezeichnete Protagonisten ausbreitet.
Aufführungsort Hornusserhaus Oekingen, Zufahrt von der Hersiwiler-
strasse am 17./19./21./23./25./ evtl. 27. Juni. Jeweils 20.30 Uhr. Gedeckte Tribüne. Vorverkauf: www.burg-aeschi.ch oder Telefon O32 674 42 82; 9 bis 11 Uhr; 14 bis 16 Uhr.

Ausgepowert: Nach den Aufführungen benötigt Iris Minder etwas Ruhe.

Iris Minder

Ausgepowert: Nach den Aufführungen benötigt Iris Minder etwas Ruhe.

Die Theatertherapeutin und Theaterwissenschafterin Iris Minder (Günsberg) ist eine leidenschaftliche Theatermacherin. Als Autorin und Regisseurin erlebt sie stets, wie das Bühnenspiel zur persönlichen Entfaltung aller Mitspielenden beiträgt. Neben ihren vielen Aufgaben schreibt sie gerade unter dem Arbeitstitel «Witeli» einen Roman, leitet ihr Theateratelier «Gänggi» in Grenchen mit neuem Stück «Läbkueche» im Herbst und befindet sich in der Vorbereitung zum Grenchner Freilichtspiel «Wiiberheer» im Sommer 2017.
Aufführungsort für die «Von Rosenau.» ist Schloss Landshut Utzenstorf.
16 Aufführungen vom 22. Juli bis
14. August. www.schlossspiele-landshut.ch Vorverkauf bei allen Poststellen und BLS-Reisezentren.

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