Bergrestaurant
Der Stierenberg wird zum Schafberg

Die neuen Pächter, Christian Peter und Melanie Stäger, züchten Schafe zur Fleischproduktion. Beim Restaurant setzt das junge Paar auf Altbewährtes: eine währschafte gutbürgerliche Küche mit saisonalen Spezialitäten.

Daniela Deck
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Christian Peter und Melanie Stäger werden ab morgen für die Gäste im Bergrestaurant Stierenberg da sein.

Christian Peter und Melanie Stäger werden ab morgen für die Gäste im Bergrestaurant Stierenberg da sein.

ZVG

140 Mutterschafe mit ihren Lämmern, gesamthaft etwa 320 Tiere, werden künftig die Weiden am Stierenberg bevölkern. Schwergewichtig setzen die Pächter auf das braunköpfige Fleischschaf. Dazu kommen Walliser Schwarznasenschafe, für die besonders Melanie Stäger ein Flair hat. Rassetiere von guter Qualität liegen Christian Peter am Herzen. Der gelernte Schreiner und Metzger engagiert sich im Zuchtverband und als Schafzuchtexperte. Als Ammen für überzählige Lämmer hält das Paar zwei Brienzergeissen.
Sömmerungsvieh, rund 30 Rinder, wird es weiterhin geben. Den Sommer über werden zudem drei Lamas von einem Kollegen über die Weiden streifen. Sie sind nicht nur für die Berggänger ein Hingucker, sondern wirken auch abschreckend auf den Luchs. Drei Hofkatzen, übernommen von den Vorgängern, Vreni und Peter Kuhn, komplettieren die Tierfamilie am Berg.

Auf Kontinuität setzen

«Wir haben mit Kuhns ein offenes und herzliches Verhältnis. Sie haben uns sehr geholfen», freut sich Christian Peter. «Vreni Kuhn wird uns anfangs auch in der Küche unterstützen.» Auch Ursula Bürki werde weiterhin Teil des Gastroteams sein. Melanie Stäger ergänzt: «Wir zwei haben im Winter zwischendurch im Restaurant geholfen, damit wir ein Gefühl für den Betrieb bekommen und die Kundschaft kennenlernen.» Die gelernte Fleischfachfrau wird in der Gaststube und in der Küche tätig sein, während ihr Partner seinen Wirkungsbereich zwischen Landwirtschaft und Küche aufteilt.

Beide hoffen, dass ihnen die Stammkundschaft erhalten bleibt. Sie sind sich bewusst, wie wichtig Kontinuität für einen Ausflugsort wie den Stierenberg ist. Eine technische Modernisierung indessen gibt es: Neu kann neben Bargeld «wenn nötig» mit der Kreditkarte bezahlt werden.

Zwischendurch und auf Ankündigung hin soll hofeigenes Lammfleisch die Speisekarte bereichern. Alles vom Tier wird verwendet. Auch die Wolle werde verkauft an einen Wollverarbeitungsbetrieb in Enggistein und dort zu Dämmungsmaterial verarbeitet. «Für mich ist klar, dass auch die Wolle ihren Wert hat, schliesslich ist Wolle ein nachwachsender Rohstoff.» Christian Peter ist auf einem Schafzuchtbetrieb in Münchenbuchsee aufgewachsen. Melanie Stäger ist auf einem Bauernhof aufgewachsen, in Niederbütschel (Rüeggisberg), mit Milchwirtschaft.

Landwirtschaft beliebter als Gastrobereich

Bei der Bürgergemeinde freut man sich auf das neue Kapitel auf dem Berg. «Ein Stall ohne Tiere ist eine triste Angelegenheit», sagt Bürgerverwalter Renato Müller. Für den Umbau des Ökonomiegebäudes von der Milchkuhhaltung mit Anbindevorrichtungen zum Laufstall für Schafhaltung sind beim Stierenberg 150'000 Franken budgetiert.

Hinzu kommen für Malerarbeiten und Anpassungen an Bewirtschafterwohnung, Restaurant- und Wohngebäude 100'000 Franken.
Neben dem Stierenberg steht auch auf dem Obergrenchenberg ein Pächterwechsel an, im Mai. Hier sei mit der Grossfamilie Kaufmann vom Erlebnisbauernhof Weiernheim (Winikon LU) eine ideale Lösung gefunden worden. «Sie sind flexibel bei der Bewirtschaftung und werden auf dem Oberberg vorerst Jungvieh und verschiedene Kleintiere halten», erklärt Renato Müller. Bedingt durch das Windenergieprojekt befindet sich dieser Berghof derzeit in der Warteschlaufe, da die Windenergie und die ökologischen Ersatzmassnahmen dafür auf dem Obergrenchenberg Anpassungen am Betriebskonzept bedingen.

Geht alles nach Plan, können im Zuge des Windprojekts im Gebiet Ober- und Untergrenchenberg Wasser- und Abwasserleitungen erneuert werden. Bei dieser Gelegenheit soll dann auch der Stierenberg an die Wasserversorgung «Schwelli» angeschlossen werden und damit eine sicherere Versorgung bekommen. «Was viele Leute nicht wissen», so Müller, «dann kommen die Leitungen für Strom und Telefonie in den Boden. Das Verschwinden der Freileitungen und Masten wird dem Landschaftsbild auf dem Berg zugutekommen und die Funktion sicherer machen.»
Bei den Ausschreibungen beider Berghöfe hat die Bürgergemeinde festgestellt, dass das Interesse an der Pacht der Landwirtschaft grösser ist als am Betrieb des Restaurants. «Wir vergeben beide Standbeine nur als kombinierte Betriebseinheit», betont der Bürgerverwalter. Umso mehr freut er sich über die neuen Verträge am Stieren- und Obergrenchenberg. «Beide Höfe werden jetzt von jungen Leuten übernommen. Sie bringen frische Ideen auf den Berg.» (DD)

Stall wird umgebaut

«Wir träumen seit Jahren davon, einen eigenen Schafzuchtbetrieb als Haupterwerb zu führen», sagt Christian Peter. Bisher hielt das Paar in Schüpfen Schafe im Nebenerwerb. Als sie letzten Frühsommer die Ausschreibung für den Stierenberg lasen, sahen sie ihre Chance und bewarben sich. Noch befindet sich der Stall im Umbau. Die Anbindevorrichtungen der Kühe werden entfernt, und für die Schafe braucht es neue Tränken.