Die 71 Angestellten im Derendinger Logistikzentrum Global Warehouse machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz. Der Mutterkonzern Steinhoff hat einen Schuldenberg von unglaublichen 16 Milliarden Euro angehäuft und befindet sich in einem Liquidationsengpass. Zudem musste die weltweit tätige, in Südafrika beheimatete Firma zugeben, dass sie in den Unternehmensberichten 2016 und 2017 falsche Angaben gemacht hatte. 

Der südafrikanische CEO Markus Jooste wurde wegen der Bilanzschummeleien am 6. Dezember gefeuert und seither sind viele weitere Köpfe in den Steinhoff-Chefetagen gerollt. Der Aktienkurs ist um über 80 Prozent eingebrochen und die Zukunft des Konzerns scheint ungewiss. In Deutschland, Südafrika und den Niederlanden ermittelt die Justiz. Die «Handelszeitung» bezeichnete Steinhoff in einem Bericht als «undurchsichtiges Firmengeflecht» und stellte die Frage in den Raum: «Warum macht Steinhoff das?»

In Derendingen stellen sich die Leute die Frage: Schadet das auch uns? Im brandneuen Logistikzentrum Global Warehouse werden nämlich auf einer Fläche von 40'000 Quadratmetern vor allem Möbel der Ketten Conforama und Lipo abgefertigt – beides ebenfalls Steinhoff-Töchter. Die Schummeleien der internationalen Chefetage des Konzerns haben Derendingens Gemeindepräsident Kuno Tschumi nachdenklich gestimmt. Aber er ist optimistisch: «Conforama und Lipo sind Möbelketten, die in der Schweiz sehr gut laufen und Gewinne erwirtschaften», sagt Tschumi. «Es sind nicht die Steinhoff-Leute, die diese Schweizer Firmen leiten.

Als Besitzer greift der international tätige Steinhoff-Konzern nicht ins Tagesgeschäft ein. Global Warehouse, Conforama und Lipo werden deshalb selbst dann unbeeindruckt als autonome Firmen weiterarbeiten können, wenn dem Mutterhaus Steinhoff definitiv das Geld ausgehen sollte.» Tschumi ist überzeugt, dass sich dann potenzielle Käufer um die rentierenden Schweizer Firmen reissen würden.

Erst 71 von 220 angekündigten Stellen

«Wir sollten also keine künstliche Aufregung schaffen», sagt Kuno Tschumi. «Als die Verantwortlichen von Global Warehouse auf der Suche nach Angestellten waren, haben sie bei uns auf der Gemeinde Derendingen einen guten Eindruck hinterlassen. Die Firma hat sich sehr fair um unsere Stellensuchenden gekümmert und vielen eine neue Chance angeboten», sagt der Gemeindepräsident. Und: «Ich bin überzeugt, dass sich die Angestellten im Derendinger Global Warehouse keine Sorgen machen müssen.»

Nun teilt Steinhoff mit, dass einzelne Geschäftsteile verkauft werden sollen, um Liquidität zu schaffen. Die Schweizer Tochterfirmen Global Warehouse, Lipo und Conforama stehen aber nicht auf der Liste, weil sie zum unverzichtbaren Kerngeschäft des Konzerns gehören. Der nächste grosse Schritt erfolgt morgen Dienstag, 19. Dezember, in London, wo eine grosse Konferenz mit den Gläubigern und den Banken angesetzt ist, um über neue Kreditlinien zur Refinanzierung des täglichen Geschäfts zu verhandeln. Scheitern diese Verhandlungen, droht der finanzielle Kollaps des Mutterkonzerns.

So reagiert der Steinhoff-Konzern nur noch schriftlich und sehr zurückhaltend auf Fragen der Presse: «Derzeit arbeitet der Prüfungsausschuss von Steinhoff intensiv mit unseren Abschlussprüfern an der Veröffentlichung eines geprüften Jahresabschlusses. Zusätzlich hat Steinhoff International eine unabhängige Untersuchung durch Wirtschaftsprüfer zu den Vorwürfen von Unregelmässigkeiten bei der Bilanzerstellung beauftragt. Bis zum Vorliegen konkreter Ergebnisse dieser beiden Aufgaben können wir vorerst Anfragen nicht weiter kommentieren», schreibt Steinhoff auf Anfrage dieser Zeitung.

Wegen der zuletzt starken Schwankungen des Aktienkurses veröffentlicht der Mutterkonzern alle Statements in der Art eines Livetickers im Internet. So sollen alle Aktionäre die neusten Informationen, die den Kurs beeinflussen könnten, gleichzeitig lesen können. Ein Statement vom vergangenen Freitag endete mit den Worten: «Aktionären und anderen Anlegern von Steinhoff wird geraten, im Umgang mit Wertpapieren des Konzerns Vorsicht walten zu lassen.»

In der Baubewilligung 2014 kündigte die Steinhoff-Gruppe übrigens an, in Derendingen 220 Stellen zu schaffen. Das sei garantiert, sagte damals der Finanzchef. Heute sind es erst 71 Stellen. Gemeindepräsident Kuno Tschumi ist jedoch überzeugt, dass noch zusätzliche Stellen im Wissensteinfeld geschaffen werden. Der Logistikbetrieb befinde sich nach wie vor im Aufbau, hält Tschumi fest.