Bekanntlich will das Burgdorfer Medtech-Unternehmen Ypsomed eine zusätzliche Produktionslinie aufbauen, um Komponenten für Injektionssysteme herzustellen. Es stehen drei Standorte in der Evaluation, zwei im Ausland und der bestehende in Solothurn. Die Entscheidfindung zieht sich allerdings in die Länge. «Wir werden den Entscheid erst in der zweiten Jahreshälfte 2015 fällen», sagt Ypsomed-Chef Simon Michel auf Anfrage. Nach früheren Angaben hätte die Standortwahl vor den Sommerferien erfolgen sollen. Seitens des Kantons Solothurn müssten noch verschiedene Gutachten erstellt werden, so Michel weiter. «Die Bereitschaft der Solothurner Regierung für eine sorgfältige Prüfung unserer Anliegen ist nach wie vor vorhanden.»

Steuererleichterung: Ja oder Nein?

Der Ypsomed-Chef hatte sich in der Vergangenheit wiederholt kritisch über die Ansiedlungspolitik in der Schweiz geäussert. Er plädierte etwa an einer Veranstaltung des Solothurner Industrieverbandes offen für Steuererleichterungen, die ein probates Mittel für Ansiedlungen seien. Und in Europa seien staatliche Direktzahlungen an ausbauwillige Firmen an der Tagesordnung. Zwar seien Subventionen ordnungspolitisch problematisch. «Aber wenn es alle um uns herum machen, dann sind wir in der Schweiz klar im Nachteil.»

Genau darum dürften sich die Verhandlungen drehen. Zumindest Steuererleichterungen sind im Kanton Solothurn möglich. Diese können zu einer Reduktion oder vollständigen Befreiung von der Gewinnsteuer während maximal zehn Jahren führen. Laut dem kantonalen Leitfaden «Steuererleichterung» gilt dies «für Firmen, die neu eröffnet werden, und solche, die dem wirtschaftlichen Interesse des Kantons dienen». Ypsomed ist aber seit 2004 bereits mit einem Werk und gegen 200 Beschäftigten in Solothurn präsent. Für Jonas Motschi, Chef des Amtes für Wirtschaft und Arbeit, ist das die Kernfrage bei allen einzelbetrieblichen Fördermassnahmen. «Diese wird von uns jeweils grundlegend und seriös geprüft.»

Ein Entscheid von Ypsomed für Solothurn wäre sehr positiv. Es geht um Investitionen von rund 20 Millionen Franken in die neue Anlage und um 50 neue Arbeitsplätze. Im Endausbau in etwa vier Jahren gar um 100 Stellen, wie Simon Michel früher gegenüber dieser Zeitung erklärte. (FS)