Bilanz
Der Spätsommer rettet die Badisaison nicht überall

Ein regnerischer Frühsommer und weniger Gäste während der Ferien: Badmeister ziehen eine durchzogene Saisonbilanz. Doch auch wenn derzeit das Wetter wieder schöner ist – die Öffnungszeiten der Freibäder werden nicht verlängert.

Noëlle Karpf
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Rückblick in eine durchzogene Saison: Hier in der Badi Solothurn.

Rückblick in eine durchzogene Saison: Hier in der Badi Solothurn.

Hansjörg Sahli

Eitel Sonnenschein und wieder höhere Temperaturen: Dieser Spätsommer kommt laut Thomas Müller, Chefbadmeister des Strandbades Olten, «leider etwas spät». «Wenn die Chilbi-Zeit vorbei ist, ist auch die Badi-Zeit vorbei», so Müller. Wie die meisten anderen Freibäder im Kanton, schliesst die Badi Olten bald ihre Tore. «Jetzt kommt der Endspurt» heisst es auch im Strandbad Burgäschisee.

Laut Christine Lauper ist dort am Bettag, 18. September, Saisonschluss angesagt. Die Bilanz sei wetterbedingt durchzogen, aber dennoch positiv: Während das idyllische Bad an schönen Wochenenden fast überrannt worden ist, gab es auch etliche kühle Durchhänger. Konkrete Zahlen sind noch nicht erhältlich.

Keine Badistimmung zum Saisonstart

Zum Auftakt der Badisaison, im Mai und Juni, «hatten wir konstant schlechtes Wetter», sagt Müller. Das wirkte sich auf die Besucherzahlen aus. Dieses Jahr seien rund 25 bis 30 Prozent weniger Gäste in das Oltner Freibad gekommen als letzte Saison. Von einem «harzigen Start» in die Saison spricht auch Badmeister Paul Markus Joss vom Schwimmbad Grenchen. Deshalb seien auch in Grenchen «bedeutend weniger» Badegäste aufgetaucht als letztes Jahr. Rund 85'000 bis 90'000 Gäste habe man gezählt. Zum Vergleich: 2015 waren es fast 110'000 gewesen.

Auch in der Badi Solothurn habe man das schlechte Wetter «schwer gespürt», berichtet Chefbadmeister Pascal Prétot. Roland Wälchli vom Freibad Eichholz in Gerlafingen bezeichnet den Monat Juni als «Vorbote» für die Badisaison. Stimme das Wetter im Juni, kämen die Leute gerade über die vielen Feiertage in die Badi. So seien sie dann auch motiviert, ein Abo zu kaufen. Dieses Jahr sei der Juni aber ein «Killer» gewesen. Er habe den Sommer nicht «einläuten» können.

Im Freibad Zuchwil sei der Mai eine «Nullrunde» gewesen, so Direktor Urs Jäggi. Die niedrigen Besucherzahlen der ersten beiden Monate nach der Eröffnung habe man auch in den kommenden Monaten nicht mehr aufholen können. In den Sommermonaten besserte das Wetter zwar. Aber: «Eine lange Schönwetterperiode hat uns gefehlt», so der Direktor des Sportzentrums. Durchschnittlich hätte das Freibad Zuchwil 45 000 Besucher im Jahr – diese Saison seien es nur zirka 35 000 gewesen.

Ab in die Ferien – nicht in die Badi

Im August gabs die meisten Gäste – auch in Balsthal. «In diesem Monat lief es sehr gut», bilanziert Schwimmbadleiterin Ursula Nufer. Bis Ende August kamen rund 46 000 Gäste in das Freibad Balsthal. «Wenn jetzt noch ein paar Gäste kommen, erreichen wir in etwa die gleiche Besucherzahl wie letzte Saison.» Schwierig sei es im Juni gewesen, weil das Wetter ein «Auf und Ab» gewesen sei.

An Spitzentagen habe man in Balsthal rund 2000 Gäste gehabt – an anderen Tagen dafür nur etwa 30. Auch in anderen Freibädern der Region gabs in den Ferienmonaten etwas es mehr Besucher. Was Badmeister Thomas Siegenthaler vom Freibad Messen besonders freut: «Diese Saison kamen vor allem sehr viele neue Besucher!» Obwohl auch die Badi Solothurn in der Ferienzeit mehr Gäste verzeichnen konnte, spricht Chefbadmeister Prétot von einer «Veränderung»: «Die heutige Generation bucht einfach und günstig Ferien am Meer. Man bleibt nicht mehr zu Hause und geht in die Badi.»

Weniger gut lief es in der Ferienzeit im Freibad Eichholz in Gerlafingen: Auch hier seien viele Leute nicht mehr in die Badi gegangen, sondern in die Ferien verreist. «Sie hatten wohl genug von Wetter in der Schweiz», sagt Wälchli. Rund 45 000 Gäste habe man gezählt. «Das sind sicher 15 000 weniger als letztes Jahr», so der Gerlafinger.

Die Badi Schönenwerd kann alles in allelem ein durchschnittliches Jahr verzeichnen. «Es war eine normale Saison, nicht spitzenmässig, aber auch nicht grottenschlecht», sagt Badmeister Phithak Schassmann. Ähnlich tönt es von Chefbadmeister Prétot in Solothurn: «Dieses Jahr hatten wir um die 100'000 Gäste. Der schöne Sommer 2015 hatte uns 140'000 Schwimmgäste beschert, während im ganz miesen Jahr 2014 nur 88 000 Gäste kamen. 2016 blieb also alles im Rahmen.

Abonnenten sind die Treuesten

Der Spätsommer macht sich in der ganzen Region bemerkbar. Und dennoch: Die Badisaison ist vorbei. Nach den Ferien besuchen nicht mehr viele Leute ein Freibad. «Dafür müssten wir schon fast jedes Wochenende noch 30 Grad haben», so Gerlafingens Badmeister Wälchli. Sonst kämen einfach keine Gäste mehr in die Badi – nicht einmal an einem freien Mittwochnachmittag. Deshalb wird in Gerlafingen die Saison nicht verlängert.

Heute Samstag ist offiziell der letzte Tag. – Falls es gut läuft, würde man vielleicht spontan entscheiden, auch am Sonntag noch zu öffnen, so der Badmeister. «Die meisten Leute finden es im September zum Schwimmen zu kalt. Nur zum «Sünnelen» kommen sie leider nicht in die Badi», erklärt Schönenwerds Badmeister Phithak Schassmann. Für die letzten beiden Wochenenden, an denen die Badi offen ist, rechnet er mit wenigen Besuchern.

Es sei praktisch egal, wie schön das Wetter nach den Sommerferien noch sei, heisst es allenthalben. Auch in Olten kommen laut dem Chefbadmeister jetzt vielleicht höchstens noch 1500 Gäste am Tag, die ein Abo haben und «in Ruhe ihre Runden schwimmen wollen», nicht 5000, wie in der Hochsaison: «Im Herbst wollen die Leute nicht mehr in die Badi. Jetzt ist vielleicht die Zeit, um Pilze zu sammeln.» Mitarbeit: Jasmin Krähenbühl

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