Im März erschien die englischsprachige Biografie «Richard Flury – the Life and Music of a Swiss Romantic» des Musikwissenschafters Chris Walton. Nun stellte die «Kleine Reihe der ZBS» das knapp 40 Seiten umfassende, Deutsch geschriebene Heft «Richard Flury – ein Schweizer Romantiker» vor.

Biograf Chris Walton betonte, die englischsprachige Biografie sei auf die internationale Musikszene fokussiert, während sich die kleine, deutschsprachige Schwester auf den heimischen Markt ausrichte, der Richard Flury (1896–1967) erst noch entdecken müsse. Im Heimatkanton Solothurn haben die Aktivitäten rund um den 50. Todestag Leben und Werk von Richard Flury wieder vermehrt ins Zentrum gerückt. Dies ist vorab seinem Sohn Urs-Joseph Flury und der von Ulrich Lips präsidierten Richard-Flury-Stiftung zu danken, welche die Biografie und die deutsche Kurzfassung in Auftrag gaben. Letztere in Zusammenarbeit mit der Zentralbibliothek Solothurn, wo Direktorin Verena Bider mit Fragen zum Solothurner Tonschöpfer und zu seinem Biografen auslotete, wie Richard Flurys Werk musikhistorisch einzuordnen und wie der Autor an das Thema herangegangen ist.

Amüsanter, fundierter Erzähler

Musikwissenschafter Chris Walton erwies sich dabei als amüsanter und fundierter Erzähler, der neben Fakten auch mit Anekdoten und klingenden Musikbeispielen aufwartete. «Ausser der Autobiografie von Richard Flury und dem von Jürg Schläpfer 1994 erarbeiteten Werkverzeichnis sind praktisch keine Publikationen vorhanden. Die Recherche stützte sich auf Zeitzeugen und auf den Nachlass», offenbarte der Autor. Nähere man sich einer Persönlichkeit über Biografien, könne man vergleichen und interpretieren. Er jedoch habe alles infrage stellen und beweisen müssen. Das umfangreiche Œuvre forderte ihn zudem. Wohl sind eine Fülle von Musikaufnahmen greifbar, viele Werke wurden jedoch noch nie aufgeführt.

Um sich ein Bild von der Qualität der Musik zu machen, studierte er den Klavierauszug. Ein Blick in die Partitur reiche nicht aus, um eine Komposition ganz zu erfassen, meinte er. «Beim Notenstudium dachte ich oft, das kann nicht funktionieren. Spielte ich die Stelle auf dem Klavier, stellte ich fest, wie wunderbar, durchdacht und gut Flury komponierte. Als ich die Partitur des 2. Klavierkonzertes anschaute, zweifelte ich, dass die tiefen Fagotte gut klingen. Beim Hören der CD staunte ich, wie toll das tönt. Flury muss den Vergleich mit anderen Spätromantikern nicht scheuen.»

Lieber den Ohren getraut

Beim Entdecken der Musik habe er lieber den Ohren als den Augen getraut. Chris Walton bedauerte, dass die Schweiz sich mit ihren Komponisten schwertue, ihre Musik im Ausland mehr geschätzt werde. «Dabei haben gerade Spätromantiker wie Honegger, Schoeck und eben auch Flury, Hervorragendes geschrieben.» Die Oper «Die helle Nacht», die demnächst aufgenommen werde, gehöre seiner Meinung nach zu den besten Opern des 20. Jahrhunderts. Komponist Richard Flury habe das Orchester vom Dirigieren und als Geiger gut gekannt. «Er hat transparent orchestriert und konnte Melodien schreiben.»

Als Musiker habe er davon profitiert, während der Kriegsjahre bedeutende Instrumentalisten wie Wilhelm Backhaus, Georg Kulenkampff und Pablo Casals zu verpflichten und mit Persönlichkeiten wie Peter Lotar und Leo Delsen zusammenzuarbeiten. Verena Bider sagte zum Schluss, sie hoffe, dass Richard Flury die Beachtung erreiche, die er verdiene.