«Dem Solothurner Wald geht es gleich gut oder schlecht wie dem Wald im ganzen Mittelland», hält Jürg Froelicher, Chef Amt für Wald, Jagd und Fischerei, nüchtern fest. Die Erkenntnisse, die der jüngste Bericht des Instituts für Angewandte Pflanzenbiologie (IAP) auflistet, seien denn auch für Solothurn gültig.

Jurasüdfuss besonders exponiert

Gemäss dem IAP-Bericht führt die hohe Stickstoffbelastung zur Versauerung der Waldböden und stört die Nährstoffversorgung der Pflanzen. «Dies erhöht die Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten und vermindert die Widerstandskraft der Bäume gegenüber Windwurf und Trockenheit – jenen Folgen des Klimawandels, die künftig vermehrt auftreten dürften», wird festhegalten.

Eine Feststellung, die laut Froelicher gerade für die Wälder am Jurasüdfuss zutreffe: «Diese sind exponierter und reagieren sensibler auf Witterungseinflüsse.» Wenn zur Niederschlagsarmut dann noch weitere Beeinträchtigungen hinzukämen, dann erhöhe sich das Stressrisiko und der Wald werde anfällig.

Anfällig zum Beispiel auf die ungebremst hohen Stickstoffemissionen, «die an der Waldgesundheit zehren – schleichend und unauffällig», wie es im IAP-Bericht heisst. Die vom Menschen verursachten Stickstoffemissionen aus Landwirtschaft (Viehwirtschaft und Hofdüngermanagement), Industrie und Verkehr würden «seit vielen Jahren weit über dem liegen, was für den Wald tragbar ist, und führen zur fortschreitenden Versauerung der Böden und zu einer Stickstoffüberdüngung».

Unter Hinweis auf seine Messreihen nennt das IAP diverse Folgen der Stickstoffbelastung: Nährstoffauswaschung aus dem Wurzelraum, Nährstoffungleichgewichte bei Pflanzen, reduziertes Stammwachstum der Bäume auf vielen Flächen, erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten und Parasiten, geringere Bewurzelung und dadurch verminderte Widerstandskraft der Bäume gegenüber Windwurf und Trockenheit.

Dringender Handlungsbedarf

Der IAP-Bericht hält fest, dass «weitere Einschränkungen der Stickstoffemissionen in der Landwirtschaft sowie bei Verkehr und Industrie für die Wiederherstellung und den langfristigen Erhalt der Waldgesundheit notwendig» seien. In der Landwirtschaft sei seit einigen Jahren ein Umdenken im Gang. Als wirksame Massnahmen zur Belastungsreduktion werden genannt: emissionsarmes Ausbringen der Gülle (etwa mit Schleppschläuchen, Gülleinjektion), emissionsärmere Stallsysteme sowie abgedeckte Güllelager.

Daneben seien aber auch andere Branchen und die Politik gefordert, Reduktionsmöglichkeiten umzusetzen. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, seien die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen, z.B. durch ähnliche Regeln, wie sie bei der CO-Kompensation gelten. «Auch eine Beteiligung an den Kosten der Walderhaltungsmassnahmen nach dem Verursacherprinzip könnte eine positive Entwicklung beschleunigen.»