Solothurnischer könnte die Seite kaum sein: Auf der Headline ist die Altstadt von Solothurn zu sehen, das alte Schlachthaus spiegelt sich in der Aare, Fussgänger und Barbesucher geniessen einen milden Frühlingsabend. Das Profilbild zeigt den Kantonsratssaal aus zwei Perspektiven, darüber schimmert das Kantonswappen. «Kantonsrat Solothurn» heisst die Seite auf Facebook. Und genau das ist es wohl, was dazu geführt hat, dass sich auch viele Solothurner Politiker mit dem Account vernetzt haben. Die Seite kommt offiziell daher, sachlich und echt. Täuschend echt.

Denn wahrscheinlich ist vielen der über 620 Anhänger zuerst einmal nicht bewusst, wem sie da mit ihrem Klick zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Die Seite «Kantonsrat Solothurn» hat so gut wie nichts mit dem Parlament zu tun – ausser dem Namen natürlich.

Doch das erschliesst sich erst auf den zweiten Blick. Über die Facebook-Seite wird die Europäische Union kritisiert, «Schweizer Werte» glorifiziert, mit Asylkritikern sympathisiert und gegen den Lehrplan 21 gewettert.

Im Umfeld der SVP

Im Kommentarfeld erkundigen sich Nutzer angesichts der verbreiteten Inhalte, ob die Seite denn nicht offiziell sei. Einer schrieb jüngst: «Wie wäre es mit etwas mehr konstruktiven Inhalt? Umso mehr auf dieser Seite!»

Der Account wurde in den vergangenen Monaten immer mehr zum Sammelort für Verschwörungstheorien. So bewirbt «Kantonsrat Solothurn» etwa Inhalte von «Klagemauer-TV». Das erzkonservative Portal setzt auf betonte Radikalität. Alles, was nicht auf Gott ausgerichtet ist, sei tunlichst zu unterlassen.

Die Facebook-Nutzer müssen einige Male klicken, um auf eine «Über uns»-Seite zu stossen. Dort erfahren sie, dass «Kantonsrat Solothurn» nicht von den Behörden betreut wird und demnach auch keine offizielle Seite ist. Aber wer steckt hinter der Seite? Das Impressum führt zu einem Blog mit dem Namen «Solothurner Kantonsratswahlen».

Dieser will über das politische Geschehen im Kanton informieren und versteht sich als «politisch neutrale, unabhängige Publikation». Betrieben werden der Blog und somit auch die Facebook-Seite von einem Unternehmer aus Mümliswil. Der Mann engagiert sich unter anderem im Vorstand der lokalen SVP. Für diese Zeitung war er in den vergangenen Tagen nicht erreichbar, auch eine schriftliche Anfrage blieb unbeantwortet.

Die Facebook-Seite gerät derweil ins Visier der Parlamentsdienste. Für Ratssekretär Fritz Brechbühl ist klar: «Die Seite ist zwar rein optisch nicht mit dem echten Internetauftritt des Kantonsrats zu verwechseln. Dennoch scheint es nicht ausgeschlossen, dass die Seite als offizielle Seite des Kantonsrats wahrgenommen wird.»

Darum will Brechbühl nun prüfen, welche Möglichkeiten es gibt, damit die Seite künftig nicht mehr den Anschein des Offiziellen erweckt. Offen bleibt zumindest für den Moment, ob dies überhaupt nötig sein wird: «Kantonsrat Solothurn» ist seit gestern nicht mehr erreichbar. Der Betreiber hat die Seite offenbar stillschweigend vom Netz genommen.