David Fürst

Der Solothurner fährt «zweispurig mit Studium und Spitzensport»

Spitzensportler und Jus-StudentDavid Fürst.

Spitzensportler und Jus-StudentDavid Fürst.

Seinen Schweizer-Meister-Titel an den Ringen von 2013 bestätigte er in diesem Jahr ohne in Magglingen eine sportorientierte Ausbildung zu absolvieren. Auf einen Kaffee mit David Fürst, Weltklasse-Kunstturner und angehender Jurist.

Ein 21-jähriger Profikunstturner auf Weltklassenniveau – hat so jemand wie David Fürst überhaupt Zeit und Lust, mit einem Journalisten einen Kaffee trinken zu gehen? Offensichtlich ja, denn Fürst rollt fröhlich mit dem Skateboard zu unserem Interview am Solothurner «Aaremürli» an.

Auch ein Spitzensportler schafft es also, nebst stundenlangen Trainings und Wettkämpfen auch Zeit für anderes zu finden. «Gerade auch mit dem Rechtsstudium, das ich diesen September begonnen habe, kommt die Zeit für Freunde und Ausgang teilweise schon etwas zu kurz», doch dies gehöre zu diesem Sport dazu, so Fürst.

Doch er lasse es sich dennoch nicht nehmen, im Sommer die besten Wellen zu surfen und sich am Abend mit Freunden auf ein Gläschen zu treffen.

Gleichzeitig muss man bemerken, dass dieser junge Sportler seinen Schweizer-Meister-Titel an den Ringen in der Elite von 2013 in diesem Jahr bestätigen konnte. Und dies «ohne in Magglingen eine sportorientierte Ausbildung zu absolvieren», sondern nebst seinem privaten Leben mit Matura in Solothurn, Ausgang mit Freunden, Zeit für die Familie und nun seinem Studium in Bern.

Sind vielleicht sogar die frische Luft beim Skateboardfahren und das gemütliche Treffen zu einem Kaffee der Schlüssel zum Erfolg?

Das nächste grosse Ziel: Die Universiade

Fürst glaubt, dass genau «dieser Ausgleich durch das Studium» ein Erfolgsrezept sein könne. «Zu grosser Fokus auf den Sport» sei nicht förderlich, und sich durch ein Studium oder Freizeitaktivitäten abzulenken könne gut und gern der Weg zu «einem erfolgreichen Sportler» sein.

So prognostiziert der in Solothurn lebende Fürst auch keine sportlichen Einbussen durch das engagierte Studieren oder hin und wieder durch den Ausgang mit Freunden.

Schmunzelnd fügt er jedoch an, könne er nach einem Tag voller Rechtstexten und Normen nicht direkt weiterlernen und sehne sich nach der körperlichen Betätigung – als Ausgleich und Ablenkung.

Vielleicht gehts mit dem Juristen Fürst mal an ein lokales Gericht – aber wohin will der Kunstturner Fürst noch? Laut eigenen Angaben habe er an seinem Gerät, den Ringen, schon fast alles erreicht, er könne folglich mit der Weltspitze mitturnen.

So freue der Sportler sich vorerst auf die Universiade im Jahre 2017, wo er sich mit immatrikulierten Studenten aus aller Welt an den Ringen messen kann.

Fürst nennt aber auch Gründe, wieso ihm der Wechsel aus dem erweiterten Kader ins Nationalkader wahrscheinlich verwehrt bleiben würde: «Für Teamwettkämpfe braucht es eine vielseitige Begabung an mehreren Geräten» – dasselbe Niveau an einem anderen Gerät nebst den Ringen zu erreichen, sei fast nicht mehr möglich.

Es sei deshalb schwierig, zu sagen, ob man ihn auch noch bei Olympischen Spielen im Einsatz sehen werde.

Kunstturnen geniesst zu wenig öffentliche Aufmerksamkeit

Was er sich dann wohl erhoffen würde, wäre eine grössere Aufmerksamkeit. Laut Fürst werde das Kunstturnen völlig unterbewertet und erhasche in den Schweizer Medien und Gesellschaft kaum Aufmerksamkeit und Interesse.

Es sei sehr schade, wie wenig man – verglichen mit demselben Niveau in anderen populäreren Sportarten – über das Kunstturnen wisse und höre. Ein Grund zum Aufhören wird dies für den leidenschaftlichen Sportler jedoch natürlich nie sein.

Noch fährt Fürst also «zweispurig mit seinem Studium und dem Spitzensport» und in nächster Zeit sieht er auch keinen Grund, dies zu ändern. Den Sport etwas zurückzustellen komme für ihn nur infrage, wenn die Leistungen im Studium oder die Zeit für seine Familie und Freunde zu sehr leiden würden.

Ansonsten ist David Fürst zuversichtlich, noch eine längere Zeit unter den Besten mitturnen zu können, sich aber trotzdem weiterhin Zeit für einen Kaffee mit einem Freund zu nehmen.

Hier finden Sie ein Video der Übung, mit der Fürst 2013 zum Schweizer-Meister wurde.

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