«Möchtest Du bei uns mitmachen? Dann laden wir Dich herzlich zu einer Schnupperprobe ein …» Es scheint, dass solche Werbung heute nicht mehr genügt, denn die Zahl der Vereinsmitglieder in Musikgesellschaften sinkt weiter. Was soll man dagegen tun? Der Solothurner Blasmusikverband will den Vereinen Lösungen bieten und hat dazu aufgerufen, an einem Workshop mitzumachen zum Thema «Vereinsführung – Nachwuchsförderung will gelernt sein». Der Aufruf wurde gehört: 19 Vereine aus dem ganzen Kanton haben zum Teil mehrere Mitglieder für den Workshop vom kommenden Samstag, 10. März, in Olten angemeldet.

Was bringt es den Vereinen?

Ursula Tschan, Präsidentin der Stadtmusik Olten, wird am Workshop teilnehmen. Sie erklärt: «Was das Musikalische angeht, so gelingt es uns recht gut, aktuell zu sein. Aber bei den Vereinsstrukturen oder der Vereinsführung läuft es halt doch eher wie früher, wie immer schon. Da wäre ich sehr froh um Inputs.» Ein weiteres Anliegen betrifft den Nachwuchs. «Die Stadtmusik Olten kann stolz sein auf ihr stattliches und gutes Jugendmusikkorps.» Tschan möchte erfahren, wie es andere Vereine anstellen, dass möglichst viele nach der Zeit in der Jugendmusik in den Hauptverein übertreten.

Genau dieses Thema beschäftigt Bernhard Meister, Verantwortlicher für die Jugendförderung sowie Repräsentant der Brass Band Matzendorf. Er wird zusammen mit weiteren Vorstandsmitgliedern den Workshop besuchen. «Wir kannten Zeiten, in denen wir ohne besondere Anstrengung die Reihen unserer Brass Band füllen konnten», berichtet er. «Heute gibt es zwar erfreulich viele Kinder und Jugendliche, die in unseren Thaler Nachwuchsformationen mitmachen. Aber wenn es darum geht, sich im Verein fest zu verpflichten, sieht es nicht überall gleich gut aus.» Bei der Vereinsführung als solcher sieht Meister keinen Nachholbedarf, «jedenfalls im Moment nicht».

Nicht nur das Thema Nachwuchs, sondern auch die Mitgliederwerbung allgemein sei in der Musikgesellschaft Harmonie Biberist aktuell, berichtet deren Präsident Markus Lisser. «Wir stellen fest, dass wir eher zufällig zu neuen Mitgliedern kommen.» Eigentlich müsste es aber doch im Interesse jedes einzelnen Mitglieds sein, sich aktiv an der Suche zu beteiligen.

Ein Verein muss sich bewegen

«Wir können selbstverständlich keine pfannenfertigen Lösungen präsentieren», sagt Philipp Moor. Er ist Gründer und Inhaber der Firma vereinscoaching.ch in Hägendorf und wird den Workshop leiten. Moor kennt sich im Vereinswesen aus, unter anderem als aktiver Turner und Vorstandsmitglied. Er sagt: «Die Gesellschaft hat sich geändert. Sie wird sich nicht dem Verein anpassen, sondern der Verein muss sich bewegen.» Sein Auftrag bestehe darin, Anregungen dazu zu vermitteln, wie sich ein Verein selber helfen kann.

Dazu gehöre eine schonungslose Analyse darüber, wie ein Verein bisher geführt wurde. «Und sich zu fragen, ob die Mitglieder auch selber zum Verein stehen, was er für sie bedeutet, ob sie Freude darüber ausstrahlen, zu diesem Verein zu gehören.» Ferner sei zu untersuchen, wie es um das Beziehungsnetz des Vereins steht, ob der Nachwuchs so gut in dieses Netz eingebunden ist, dass er dem Verein treu bleibt. Moor weiss aus Erfahrung, dass es für die Teilnehmer in Gruppen oft nicht einfach sei, über solches zu reden. «Aber in der Regel ist das nur am Anfang so. Am Schluss ist man froh, einen Anfang gemacht zu haben.»

Wie hilft der Verband?

Ob und wie weit Workshops dieser Art zu konkreten Erfolgen führen oder geführt haben, kann Moor nicht sagen. Aber er stimmt der Aussage von Thomas Bieri zu, Präsident des Berner Kantonalmusikverbandes, bei dem Moor ebenfalls Workshops zur Vereinsführung geleitet hat: «Man weiss ja auch nicht, wie die Vereinslandschaft aussehen würde, wenn wir die Kurse nicht durchführen würden.» Beim Solothurner Blasmusikverband hofft man sehr, «dass die Denkanstösse aus dem Workshop gut aufgenommen und daraus etwas gemacht wird», sagt Charlie Schmid, Präsident der SOBV-Musikkommission. «Letztlich liegt es aber an den Vereinen, wie sie sich attraktiv und zukunftsfähig aufstellen.»

Der Verband habe sich vorgenommen, den Vereinen weitere Angebote für die Weiterentwicklung zu unterbreiten. Ein Angebot steht schon: Das kantonale Blasorchester 2018. Gut 60 Personen aus 20 Vereinen werden sich Mitte Oktober in Morschach SZ zu einem mehrtägigen Musiklager einfinden, so wie es die Jungmusikanten von ihren Lagern her kennen. Dort wird unter der Leitung des international renommierten holländischen Dirigenten Henrie Adams ein Programm einstudiert, das am 21. Oktober im Konzertsaal Solothurn zur Aufführung gelangen wird.

Offen ist aber noch, wie der Verband einen Verein – oder auch mehrere – dafür gewinnen kann, wieder ein Kantonalmusikfest auf die Beine zu stellen. Das Letzte fand 2014 statt.