Bauwirtschaft

Der Solothurner Baumotor stottert - grosser Arbeits-Vorrat verhindert Krise

Baukräne werden auch im kommenden Jahr die Landschaft prägen - wenn auch nicht mehr in derselben Dichte.

Baukräne werden auch im kommenden Jahr die Landschaft prägen - wenn auch nicht mehr in derselben Dichte.

Die Baubranche im Kanton Solothurn schrumpft. Gleichzeitig schützt ein hoher Arbeitsvorrat vor dem Abgleiten in die Krise. Dank Projekten wie dem neuen Bürgerspital oder der Nachfrage nach Wohnungen sieht es für die Baumeister nicht schlecht aus.

Die Solothurner Bauwirtschaft sendet widersprüchliche Signale aus: Der Umsatz im Bauhauptgewerbe ist in den ersten neun Monaten 2015 im Vergleich zur Vorjahresperiode um 12 Prozent auf 256 Millionen Franken gesunken, wie Bruno Fuchs, Präsident des Baumeisterverbandes Solothurn, auf Anfrage erklärt.

Gleichzeitig sind die Arbeitsvorräte per Ende September massiv gestiegen – und zwar um 154 Prozent auf 291 Millionen Franken. Während Solothurn beim Umsatz in etwa der gesamtschweizerischen Entwicklung (minus 9 Prozent) folgt, ist der Unterschied beim Arbeitsvorrat frappant. Landesweit ist dieser nämlich um 1,3 Prozent gesunken.

Deshalb zeichnet Fuchs trotz Umsatzrückgang kein negatives Bild für die Solothurner Baumeister. «Der Vorrat an Arbeit stimmt positiv.» Dazu hätten vorab einzelne Grossbauprojekte sowohl im Hoch- wie Tiefbau geführt.

Fuchs nennt unter anderem das Bürgerspital Solothurn sowie die Strassen- und Bahntunnelprojekte Belchen und Eppenberg. Erfreulich sei, dass bei allen Projekten Mitgliedfirmen des Solothurner Baumeisterverbandes beteiligt seien.

«Bauen, was Markt verlangt»

Aber auch im Wohnungsbau wird die Arbeit vorerst nicht ausgehen. Die Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahreszeitraum in den ersten drei Quartalen zwar um 9,3 Prozent gesunken, der Arbeitsvorrat legte hingegen per Ende September um 16 Prozent zu. Fuchs kommentiert: «Wir gehen nicht davon aus, dass der Wohnungsbau massiv sinken wird.»

Eine Überproduktion von Wohnungen sieht er nicht. Die Baumeister seien nur in seltenen Fällen auch die Investoren, wiederholt er bereits früher gemachte Aussagen. «Wir bauen das, was der Markt verlangt.» Solange die Investoren überzeugt seien, dass im Solothurnischen eine Nachfrage nach Wohnungen bestehe, werde gebaut.

Zinsen bleiben attraktiv

Und die Nachfrage nach neuem Wohnraum bleibe vorhanden. Der oberste Solothurner Baumeister nennt als Hauptgrund dafür das unverändert tiefe Zinsniveau. Dieses wirkt gleich zweifach.

Einerseits ist die Finanzierung für den Erwerb von Wohneigentum so günstig wie noch nie, andererseits sind für Investoren Kapitalanlagen in Immobilien in Bezug auf die Rendite vergleichsweise attraktiv.

Auch der Schweizerische Baumeisterverband ist verhalten optimistisch: «Die fundamentalen Faktoren für die Bauwirtschaft, vor allem das tiefe Zinsniveau und das anhaltende Bevölkerungswachstum, sind trotz schwierigen gesamtwirtschaftlichen Umfeldes nach wie vor intakt.»

Für das ganze 2015 erwartet Bruno Fuchs für die Branche insgesamt ein gutes Jahr, wenn auch auf tieferem Niveau. «Das Bauwetter im Oktober und November war perfekt und ich gehe davon aus, dass ein grosser Teil des erwähnten Arbeitsvorrates noch im vierten Quartal verbaut wurde oder noch wird.»

Dadurch könnten die tieferen Umsätze in den ersten neun Monaten zumindest teilweise kompensiert werden.

Der hohe Vorrat an Aufträgen gibt auch Anhaltspunkte für das kommende Jahr. «Sie deuten für die Solothurner Bauwirtschaft auf einen guten Start im 2016 hin.» Beim Blick weiter in die Zukunft dämpft Fuchs allerdings allzu grosse Hoffnungen.

«Aufgrund der rückläufigen Baugesuche erwarte ich eine Abschwächung der Bauleistung im ersten Quartal.» Ein Umsatzwachstum sei im ganzen 2016 nicht zu erwarten.

Höhepunkt überschritten

Das alles zeigt, dass die Branche den Höhepunkt überschritten hat. Zur Erinnerung: 2014 ist der Umsatz der rund 100 Mitglieder im Solothurner Baumeisterverband um 20 Prozent auf 361 Millionen Franken gesunken.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass 2013 mit 449 Millionen Franken Umsatz ein langfristig absolutes Rekordjahr war. Das aktuelle Umsatzniveau entspricht in etwa den Jahren zuvor. Deshalb erwartet Fuchs «eine sanfte Landung und nicht eine grosse Krise in der hiesigen Bauwirtschaft».

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